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Ausgabe Nr. 41/2017 vom 10.10.2017, Foto: F1-online
Herbstblues
Wenn das Gemüt schwer wird
Trübes Wetter, trübe Laune. Wenn es Herbst wird, leidet das Gemüt. Dabei hat diese Jahreszeit auch viele schöne Seiten. Wir verraten Ihnen, wie Sie die Herbst-Melancholie vertreiben und gut gelaunt durch die kurzen Tage kommen.
Golden, glänzend, funkelnd und schillernd kann sich der Herbst präsentieren. Die Blätter färben sich und bringen die schönsten Farben hervor. Ein Naturschauspiel. Der Herbst kann aber auch kalt, trüb, regnerisch und kahl sein. Verbunden mit kürzeren Tagen und weniger Sonnenlicht kann das auf die Stimmung drücken. Bei Regen, Wind und grauem Himmel sinkt die Motivation auf den Nullpunkt. Wir fühlen uns müde und antriebslos und das morgendliche Aufstehen fällt uns mit jedem Tag schwerer.

Der amerikanische Psychiater Dr. Peter Whybrow führt diese Form der Depression auf unsere Entwicklungsgeschichte zurück. Seiner Meinung nach sei das nichts anderes als die Vorbereitung auf den Winterschlaf, nur dass dieser Winterschlaf beim Menschen nicht eintritt.

Grundsätzlich ist zwischen einer klinischen Depression und einer Herbstdepression, dem „Herbstblues“, zu unterscheiden. Der Herbstblues tritt saisonal auf, gewöhnlich ist das Ende September, Anfang Oktober bis Ende Februar, Anfang März, und verschwindet wieder, sobald es Frühling wird und die Tage wieder heller werden. Die Symptome sind mit einer „echten“ Depression vergleichbar. Die Betroffenen leiden unter Antriebsmangel, Konzentrationsproblemen und Lustlosigkeit. Es besteht ein erhöhtes Hungergefühl und Schlafbedürfnis, daher kommt es häufig zur Gewichtszunahme und einer andauernden Trägheit. „Erkennbar ist eine Herbstdepression, wenn bei Ihnen über zwei bis drei Jahre die erwähnten Symptome im Herbst auftreten und im Frühling wieder verschwinden“, gibt die Psychologin Mag. Karin Flenreiss-Frankl (Bild unten) Hilfestellung zur Diagnose. Rund fünf Prozent der Bevölkerung laborieren an einer Herbstdepression, wobei Frauen häufiger betroffen sind. Bei Männern äußern sich depressive Symptome häufig durch vermehrten Alkoholkonsum und erhöhte Aggressivität. „Wenn Sie unter starken, lebenseinschränkenden Beschwerden leiden, sollten Sie keine Scheu davor haben, sich in Behandlung zu begeben“, rät die Psychologin.

Glücklicherweise neigt nicht jeder von uns zu einer Herbstdepression. Die Stimmung ist bei einem Großteil der Menschen bei Schönwetter grundsätzlich besser, jedoch ist eine leichte Verstimmung noch keine Erkrankung. Leider ist die Wahrscheinlichkeit, ein Leben lang unter einer Herbstdepression zu leiden, recht hoch, ist sie einmal aufgetreten. Meist beginnt diese saisonale Störung in den 20ern und wird mit zunehmendem Alter stärker.

Mag. Flenreiss-Frankl macht Betroffenen Mut. „Es gibt Hilfe. Neben natürlichen Maßnahmen kann in schlimmeren Fällen auf schulmedizinische Mittel zurückgegriffen werden. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer sind hier das Mittel der Wahl. Neben einer medikamentösen Behandlung ist eine begleitende Psychotherapie oft eine gute Ergänzung, um soziale, externe Faktoren zu analysieren, die unter Umständen eine Herbstdepression begünstigen. Ein gesunder Lebensstil unterstützt das Wohlbefinden, ist jedoch nicht alleine ausschlaggebend. Eine erhöhte Anfälligkeit wird von Lebensumständen sicherlich begünstigt oder abgeschwächt. Die individuelle Sensibilität spielt eine entscheidende Rolle.

Ein Allheilmittel gibt es freilich nicht. Aus diesem Grund sind häufig eine Diagnose zur Abklärung und entsprechende Therapiemaßnahmen wichtig.

Tipps gegen den Herbstblues

• Machen Sie Bewegung im Freien. Auch wenn das Wetter nicht so schön ist, kann der Organismus die Sonne trotzdem spüren.

• Reichen frische Luft und Sonne nicht aus, kann eventuell eine Lichttherapie helfen. Dafür eigens entwickelte Geräte blenden nicht und verfügen über eine Lichtstärke von mindestens 10.000 Lux. Täglich 30 Minuten davorsetzen und anstrahlen lassen.

• Achten Sie auf Ihre Ernährung. Meiden Sie zu fette und schwere Kost. Greifen Sie oft zu Obst und Gemüse.

• Deswegen muss Süßes nicht tabu sein. Genießen Sie in Maßen. Schokolade enthält Stoffe, die positiv auf unsere Laune wirken.

• Bringen Sie Farbe in Ihren Alltag. Äußerst positiv wirken Rot-, Orange- oder Gelbtöne.
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