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Ausgabe Nr. 40/2017 vom 03.10.2017, Foto: Greenpeace/Mitja Kobal
Diese Schokolade und zehn weitere Produkte ließ Greenpeace untersuchen.
Schokolade kann zu Krebs führen
Greenpeace ließ Lebensmittel, die Palmöl enthalten, untersuchen. Die Ergebnisse sind alarmierend. Denn die Produkte enthalten eine extrem hohe Schadstoffkonzentration. Besonders betroffen sind der Rama-Würfel, die Alsan-Bio-Margarine und die Erdbeer-Milka-Schokolade. Doch in den Supermärkten gibt es bis zu 800 Produkte, die Palmöl enthalten. Deshalb hat die Gesundheitsministerin für diese Woche zu einem Palmöl-Gipfel geladen, um Gegenmaßnahmen festzulegen. Vertreter des Handels sprechen von Panikmache.
Bei Schokolade bekommen Kinder glänzende Augen. Doch der süße Traum, der zur Ausschüttung von Glückshormonen führt, kann zum Albtraum werden, der Krebs zur Folge hat. Dies belegt eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Sie ließ elf Produkte aus dem Lebensmittelhandel auf gesundheitsgefährdende Stoffe untersuchen. Acht davon enthielten Palmöl in bedenklich hoher Konzentration, Nougatcreme von Ja! Natürlich, Schokoglasur von Manner und Milka Alpenmilch-Schokolade aber nicht.

„Beim Raffinieren von Palmöl entstehen gefährliche, wahrscheinlich krebserregende Schadstoffe“, erklärt der Greenpeace-Umweltchemiker Herwig Schuster. Besonders erschreckend ist das Testergebnis einer Milka-Schokolade, die mit Erdbeercreme gefüllt ist. „Ein dreijähriges Kind sollte von dieser Schokolade täglich nicht mehr als zwei Stückchen essen. Ein sechs Jahre altes Kind nicht mehr als vier Stücke am Tag. Bei einem Erwachsenen ist die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von Palmöl in der Erdbeer-Milka-Schokolade bei einer halben Tafel erreicht“, sagt Schuster. Doch auch die Alsan-Bio-Margarine und der Rama-Würfel sind stark belastet. Alle drei Produkte wurden nun von der Handelskette Spar und vom Rewe-Konzern (Billa, Merkur, Penny, Adeg) aus den Regalen genommen. Das Erschreckende an den Untersuchungsergebnissen ist jedoch, dass sich nach Ansicht von Schuster die Gesundheitsgefahr mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur auf die bereits getesteten Produkte beschränkt. „Immerhin hat ein durchschnittlicher Supermarkt hierzulande rund 800 Lebensmittel mit Palmöl im Angebot.“

Insgesamt gibt es Tausende von unterschiedlichen Nahrungsprodukten mit Palmöl. Bei einigen Produktkategorien – etwa Milchersatzpulver für Säuglinge, Schokoaufstriche oder (Trocken)-Suppen – enthalten fast alle Palmöl.

Es wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Die Palmfrüchte werden in Mühlen gepresst, dem fasrigen Fruchtfleisch wird das Palmöl entzogen. Als Nebenprodukt fällt das Palmkernöl an. Verwendet wird das Öl, um in Margarine die Streichfähigkeit sowie das Zergehen auf der Zunge zu fördern. Je nach Produkt liegt der Palmölgehalt zwischen 20 und 80 Prozent. Bei der Schokolade soll es ebenfalls für das Dahinschmelzen im Mund sorgen.

„Kekse, Chips, Fertiggerichte und sogar Semmeln – überall kann Palmöl enthalten sein. Rund 30.000 Tonnen davon landen jährlich in unseren Lebensmitteln“, weiß der Greenpeace-Experte. Den Erhebungen der Umweltschutzorganisation zufolge enthält jedes Frittierfett Palmöl, durchschnittlich sogar zu 60 Prozent. „Milchersatzpulver für Säuglinge ist praktisch nicht ohne Palmöl erhältlich“, bemängelt Herwig Schuster. „Erschreckend ist nicht nur die ungeheure Anzahl an palmölhaltigen Produkten, sondern auch der Anteil, den dieses derzeit gesundheitsschädliche Öl in den Lebensmitteln ausmacht.“

Wenig Freude mit der Studie hat der heimische Fachverband der Lebensmittelindustrie. Deren Spitze unterstellt Greenpeace „Panikmache“. „Denn die Lebensmittelhersteller setzen alles daran, damit ihre Produkte sicher und von hoher Qualität sind. Unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln werden daher laufend minimiert. Forderungen nach Auslistungen von Produkten weisen wir auf das Schärfste zurück. Was zählt, sind die Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Derzufolge sind unsere Lebensmittel sicher“, erklärt die Geschäftsführerin Katharina Koßdorff. Für den Greenpeace-Experten Schuster geht das nicht weit genug. „Der Konsum von Lebensmitteln mit Palmöl sollte möglichst gering gehalten werden, bis es strengere Grenzwerte für die Schadstoffe gibt. Palmöl wird bei der Zutatenliste entweder als Palmöl, Palmfett oder Palmkernöl geführt. Je weiter vorne Palmöl gelistet ist, desto mehr enthält ein Produkt.“

Ähnlich kritisch sieht es Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ). Sie hat für diese Woche eine Exper-
tenrunde zum Thema Palmöl einberufen. „Vertreter aus meinem Ministerium, dem Landwirtschaftsministerium, der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), dem Umweltbundesamt sowie den Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Global 2000 sollen anhand der Testergebnisse das Risiko einschätzen und Lösungsansätze diskutieren“, meint die Ministerin. Für Schuster kann es nur ein Ziel geben. „Am wichtigsten wird es sein, gesetzliche Grenzwerte für diese Schadstoffe festzulegen.“
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