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Ausgabe Nr. 40/2017 vom 03.10.2017, Fotos: Trölß
Kurz ist einer der am längsten dienenden Minister Europas.
Mit Freundin Susanne.
Mit Oma Magdalena, 89.
„Auch in meinem jungen Alter kann ich ein guter Kanzler sein“
Die Umfragen sprechen derzeit für ihn. Das muss freilich noch lange nichts heißen. Dennoch hat der ÖVP-Chef Sebastian Kurz gute Chancen, der jüngste Kanzler zu werden. Und damit seine Ansicht von der Gestaltung des Staates umzusetzen. Von der Entlastung der Arbeiter und Pensionisten bis hin zum Flüchtlingsstopp und der Verschärfung von Strafen.
Es ist Zeit“, lautet der Spruch auf den Plakaten von Sebastian Kurz. Der ÖVP-Chef geht als Herausforderer in die Wahl am 15. Oktober. Er will die Macht der SPÖ brechen und damit Kanzler werden. Wenn da nur nicht sein Spruch zum schlechten Omen wird. Schließlich meinte auch der deutsche Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel, Martin Schulz, „Es ist Zeit“. Zeit für eine Erneuerung, für einen Wechsel an der Staats-Spitze – und erlitt Schiffbruch.

Freilich, für Kurz stehen die Chancen deutlich besser. Und dass der gebürtige Wiener mit nur 31 Jahren zu jung für diese Aufgabe sei, glaubt er nicht, wie er im Gespräch mit der WOCHE verriet.

Herr Kurz, der einstige Vizekanzler Erhard Busek meinte einmal: „Außer dass Kurz Hände schüttelt, um ins Bild zu kommen, ist bei ihm wenig los.“ Was meinen Sie dazu?
Ich kann mit Kritik gut umgehen. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die meine Linie, insbesondere in der Flüchtlings- und Migrationspolitik, nicht teilen und das hat immer wieder auch zu Kritik an meiner Person geführt. Das halte ich aus, ich verfolge weiter meine Linie.

Sie streben das Kanzleramt an. Die Umfragewerte sind ausgezeichnet. Aber sind Sie mit 31 Jahren nicht zu jung für diese verantwortungsvolle Aufgabe?
Das glaube ich nicht. Auch in meinem jungen Alter kann ich ein guter Kanzler sein.

Was befähigt Sie Ihrer Meinung nach dazu?
Ich habe in den vergangenen Jahren in meiner Regierungstätigkeit, als ich unser Land in aller Welt vertreten durfte, viel an Erfahrung gesammelt. Ich habe in vielen anderen Ländern gesehen, was anderswo gut funktioniert, was schlecht funktioniert und ich glaube, ich habe bewiesen, vor allem in der Flüchtlingskrise, dass ich Entscheidungen treffen kann, und dass ich konsequent bin in meinen Entscheidungen. Vor allem habe ich durch die zahlreiche Kritik, die ich einstecken musste, als ich jung Staatssekretär wurde, oder als ich als Außenminister die Balkanroute geschlossen habe, eine dicke Haut bekommen. Ich glaube, meine große Stärke ist, dass ich mich durch mediale Kritik oder durch Gegenwind nicht aus der Bahn werfen lasse, sondern ich bespreche mit meinem Team, mit meinen Experten Sachfragen, treffe Entscheidungen und ziehe sie durch, auch wenn es Gegenwind gibt.

Vor der Wahl taucht immer wieder die Frage nach einer möglichen Koalition auf. Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht?
Nein, und ich werde auch weiterhin keine Koalitionsansage machen. Ich finde, dass in einer Demokratie die Wählerinnen und Wähler entscheiden müssen und niemand weiß, wie die Wahl ausgeht. Das werden die Wählerinnen und Wähler am 15. Oktober entscheiden. Wenn ich gewählt werden sollte, würde ich mit allen anderen Parteien Gespräche führen und versuchen, einen Koalitionspartner zu finden, mit dem sich meine Ideen umsetzen lassen.

Welche Ziele wären das in erster Linie?
Meine drei großen Ziele sind: Die Steuerlast zu senken und sicherzustellen, dass den Menschen, die hart arbeiten oder die ihr Leben lang hart gearbeitet haben und jetzt in Pension sind, mehr zum Leben bleibt. Zweitens, dass wir unser Sozialsystem treffsicherer machen. Ich halte nichts davon, dass Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, teilweise gleich viel oder mehr an Sozialleistungen bekommen wie Pensionisten, die ein Leben lang gearbeitet haben oder Menschen, die schon eingezahlt haben in unser System. Drittens möchte ich die illegale Einwanderung stoppen.

Um bis zu 12,7 Milliarden Euro wollen Sie die Bürger entlasten, dafür stellen Sie 14 Milliarden als Gegen-
finanzierung in Aussicht. Der Landeshauptmann Peter Kaiser aus Kärnten von der SPÖ meint, Sie würden das umgekehrte Robin-Hood-Prinzip anwenden, „Nimm‘s den Armen und gib‘s den Reichen“ …

Das sind Aussagen, die hat wahrscheinlich der frühere Wahlkampf- Stratege von Kanzler Kern, Tal Silberstein, vorgeschrieben, die aber nicht der Wirklichkeit entsprechen. Mein Ziel ist, vor allem mittlere und kleinere Einkommen zu entlasten. Dazu unser Pensionssystem, unser Gesundheitssystem zu sichern, dafür sind aus meiner Sicht zwei Maßnahmen notwendig. Das eine ist, wir müssen die Zuwanderung in unseren Sozialstaat stoppen, denn je mehr Menschen aus unserem Sozialstaat herausnehmen, desto schwieriger wird dieser zu finanzieren sein. Zweitens müssen wir sparsamer mit Steuergeld umgehen. Ich fliege als Außenminister, soweit es möglich ist, Economy-Class in ganz normalen Linienflügen. Ich gehe ehrlich und verantwortungsvoll mit Steuergeld um. Andererseits fällt mir täglich etwas auf, wo der Staat mit Steuergeld nicht sparsam genug
umgeht.

Ein Beispiel, bitte?
Wir haben 21 Sozialversicherungsträger mit Geschäftsführer, Funktionären, Dienstautos, hohen Gehältern, das muss alles finanziert werden. Wenn wir das zusammenlegen, sparen wir im System und es bleibt viel mehr Geld für die Patienten und für den Gesundheitsbereich, um den Menschen zu helfen. Das muss unser Ziel sein.

Es gibt immer wieder Gerichtsurteile, die zum Kopfschütteln sind. Weil nach Ansicht der Menschen die Strafen zu gering sind. Sehen Sie das auch so?
Ja, wir haben ein konkretes Konzept ausgearbeitet, die Mindeststrafen bei Gewaltverbrechen anzuheben, damit die Strafe zum Unrecht passt, das begangen wurde.

Am 1. Oktober trat das Verschleierungsverbot in Kraft. Ist zu befürchten, dass künftig auch verkleidete Krampusse, Nikolos oder Faschingsclowns, die zu einer Veranstaltung gehen, gestraft werden, weil sie ihr Gesicht verhüllen?
Der Nikolo bleibt der Nikolo. Wir haben Polizistinnen und Polizisten, die nicht nur gute Arbeit leisten, um die Sicherheit in unserem Land zu gewährleisten, sondern die auch so etwas besitzen, was sich Hausverstand nennt und das ist auch gut so.

Sie sind seit zwölf Jahren mit Susanne liiert und leben mit ihr gemeinsam im Wiener Stadtteil Meidling. Ist eine Hochzeit geplant?
Ja, aber Privates bleibt privat. Falls solche Entscheidungen zu treffen sind, bespreche ich sie daheim und nicht in den Medien (lacht).
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