Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 39/2017 vom 26.09.2017, Fotos: Fotolia, dpa, Getty Images
Der putzige Steinmarder legt unsere Autos lahm.
Sie forschen nach dem perfekten Anti-Marder-Kabel.
Der „böse“ Steinmarder (erkennbar an seinem weißen Kehlfleck) hat seine Scheu fast vollständig verloren und ist im ganzen Land verbreitet, von den Bergen bis in die Innenstädte. Weshalb er im Volksmund auch als Haus- oder Automarder „beschimpft“ wird.
Anders als sein Namensvetter weicht der Baummarder (rundlicher Kehlfleck mit gelb-oranger Färbung) uns Menschen aus und zieht sich in tiefe Waldgebiete zurück.
Jetzt beißt er wieder zu
Früher machten sich Steinmarder vor allem durch nächtliche Raubzüge in Hühnerställen unbeliebt. Heute fallen sie meist wegen durchgebissener Kabel in Autos negativ auf. Forscher suchen daher schon lange nach geeigneten Mitteln, um unseren fahrbaren Untersatz vor den Beißattacken der kleinen Räuber zu schützen.
Es dauert ein bisschen, dann schauen die beiden aus ihrem Versteck hervor. Zuerst „William“, dann „Kate“. Die possierlichen Studienobjekte von Susann Parlow und Hans-Heinrich Krüger (Bild re.) sind scheu und von Haus aus eher nachtaktiv, es sind Steinmarder.

Schon seit sechs Jahren knabbern die putzigen Findelkinder, die von den Forschern am „Otter-Zentrum“-Hankensbüttel (D) mit der Flasche aufgezogen wurden, an Kabeln herum. Nicht zum Spaß, sondern im Dienste der Wissenschaft. Dafür wurde ihr Gehege sogar wie ein Schuppen ausgestattet. Ein altes Auto mit offener Motorhaube und viel landwirtschaftliches Gerät stehen dort herum. Auf einem Holzbalken sind mehrere Kabel befestigt, bis auf eines sind alle bereits angeknabbert.

Und genau darum geht‘s auch bei dem Forschungsprojekt.
„Wir wollen herausfinden, welche Arten von Kabeln und Schläuchen für die Tiere besonders uninteressant sind, um den Herstellern zu zeigen, wie sie Autos mardersicher bauen können“, erklärt die Zoologin Susann Parlow.

Der große Durchbruch lässt zwar noch auf sich warten, ein erstes Forschungsergebnis zeichnet sich jedoch schon ab. „Je kleiner der Durchmesser, desto verlockender ist das Kabel für die Steinmarder“, verrät die 29jährige. Sie hat zudem festgestellt, „dass vom Material ein Metallgeflechtkabel am idealsten ist“. Das bekommen die Allesfresser zwar nicht kaputt, „für die Autoindustrie ist‘s aber in der Herstellung noch zu teuer“, bedauert die Fachfrau.

Teuer zu stehen kommen den Autobesitzern freilich die Schäden, die von den pelzigen Gesellen am geliebten Gefährt angerichtet werden. Meist aus Spieltrieb oder um sein Revier abzugrenzen. Bundesweit spricht die deutsche Versicherungswirtschaft alljährlich von etwa 60 Millionen Euro Reparaturkosten. Natürlich gehen auch in unserem Land die Autoschäden durch Marder in die Millionen.
„Nach Problemen mit der Batterie ist es die häufigste Pannenursache“, weiß Stefan Kerbl, Leiter der Testabteilung beim ÖAMTC aus eigener Erfahrung. Immerhin hat der Steinmarder auch schon unter seiner Motorhaube die spitzen Zähnchen in Kabeln und Schläuche geschlagen.

Genaue Schadensziffern wie für Deutschland gibt‘s bei uns allerdings nicht. Dafür hat der Pannenexperte den wohl wirksamsten Tipp gegen die fleißigen Nager auf Lager, den Elektroschocker. Dabei werden an den Marder-Einstiegsstellen unten im Motorraum kleine Metallplättchen montiert und unter Spannung gesetzt. „Berührt ein Marder eines der Plättchen, erhält er einen unangenehmen Stromschlag und sucht rasch das Weite“, sagt Kerbl.

Einziger Wermutstropfen ist der Preis, da ein „Marderschreck“ samt Einbaukosten nicht unter 200 Euro zu haben ist. Als Alternative kann deshalb auch ein einfaches Maschendrahtgitter unter dem geparkten Auto ausgerollt werden, „auf das der vorsichtige Steinmarder nur ungern tritt“. Kaum Wirkung zeigen für die Forscher hingegen Hausmittel wie Hundehaare, Mottenkugeln, alte Socken oder WC-Steine.

„Die Tricks mit fremden Duftstoffen bringen bestenfallls kurzfristig Abhilfe, die Tiere gewöhnen sich schnell daran“, gibt der Wildbiologe Hans-Heinrich Krüger zu bedenken. Er weiß, vor allem jetzt im Herbst, wo die flügge gewordenen Jungmarder auf der Suche nach einem eigenen Revier sind, „häufen sich die Schadensfälle“. Schließlich kommen dem Steinmarder die Motorräume von abgestellten Autos als warmer Unterschlupf gerade recht. Und selbst im tiefsten Winter sind Autobesitzer nicht vor den Beißern gefeit, denn Marder halten keinen Winterschlaf. Doch auch wenn die Attacken Millionenschäden anrichten, haben wahrscheinlich mehr Autos Marder auf dem Gewissen als umgekehrt.

„Die häufigste Todesursache bei den Tieren ist immer noch, vom Auto überfahren zu werden“, gibt der Wildbiologe zu bedenken.
Hwie
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung