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Ausgabe Nr. 39/2017 vom 26.09.2017, Foto: Reuters
Mariano Rajoy (re.) will Carles Puigdemonts (li.) Abstimmung verhindern.
Von wegen vereintes Europa
Die Tschechen und Slowaken haben es getan, die Slowenen, Kroaten und der Rest des ehemaligen Jugoslawiens auch. Sie haben sich losgelöst, dies wollen die Katalanen von Spanien ebenfalls.
Die Bewohner der Region im Nordosten des Landes streben nach Autonomie und einer Abspaltung von der Regierung in Madrid.

Die Regionalregierung in Barcelona hat für den 1. Oktober ein Referendum angesetzt, in dem die Bürger über ihre Unabhängigkeit von Spanien abstimmen sollen. Spaniens Regierung und Gegner der Abspaltung rufen zum Boykott des Referendums auf. Die katalanische Regierung will trotzdem die Unabhängigkeit erklären, falls die Mehrheit der Wähler dafür stimmt. Und das, obwohl das spanische Verfassungsgericht die Abstimmung untersagt hat.

Um zu zeigen, dass sie es ernst meinen, haben sich 700 der 948 katalanischen Bürgermeister am vergangenen Samstag in Barcelona versammelt. Sie schwenkten ihre Amtsstäbe und riefen, „Wir werden unabhängig.“ Dort wurden sie von Regierungschef Carles Puigdemont empfangen. Der 54jährige will die Region so schnell wie möglich von Spanien loslösen. „Falls die Bürger bei dem Volksentscheid ,Ja‘ sagen, werde ich die Republik Katalonien ausrufen“, sagt Puigdemont. „In Katalonien wohnen nur 7,5 Millionen Einwohner, wir erbringen aber ein Fünftel der Wirtschaftsleistung Spaniens. Es bleibt dennoch zu wenig in unserer Kassa“, nennt Puigdemont einen Grund für die Abspaltung.

Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy, 62, der in einen Korruptionsskandal verwickelt ist, will Puigdemont aufhalten. Er droht den aufsässigen Bürgermeistern mit Gefängnis. Als letzte Maßnahme könnte er die Regionalregierung auflösen.
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