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Ausgabe Nr. 39/2017 vom 26.09.2017, Fotos: duty, ullrich
Florian Weiss-Rohan ist nach dem tragischen Verlust seiner Mutter gesundheitlich stark angeschlagen.
Anwältin Karin Prutsch.
Seine Mutter starb an einer harmlosen Magenspiegelung
Weil eine unnötige Magenspiegelung durchgeführt wurde, musste eine Wienerin sterben. Ihr Sohn erhebt nun schwere Vorwürfe gegen einen Arzt im Spital in Eisenstadt (B). Er soll den Routineeingriff verpfuscht haben.
Jeden Tag besuchte Florian Weiss-Rohan, 32, seine Mutter in ihrer Wohnung in Wien. Sie verbrachten vergnügliche Stunden zusammen, lachten viel und tranken Kaffee. Das ist nun vorbei. Denn seine Mutter Christiana ist tot. Sie starb kurz nach ihrem 60. Geburtstag. An den Folgen einer an sich harmlosen Magenspiegelung.

„Doch bei meiner Mutter gab es eine anatomische Besonderheit“, berichtet ihr Sohn. „Sie hatte seit 30 Jahren einen Magenbypass zur Gewichtsabnahme. Und im Jahr 2008 wurde ihr die Gallenblase wegen Gallensteinen entfernt. Schon damals versuchte ein Arzt erfolglos eine Single-Ballon-Magenspiegelung. Erst eine zweite, andere Methode war erfolgreich.“ Als die Mutter im Dezember 2015 aufgrund von Magenschmerzen ins Spital der Barmherzigen Brüder nach Eisenstadt (B) kam, sollte wieder eine Magenspiegelung durchgeführt werden. Durch denselben Arzt. Florian Weiss-Rohan wirft ihm vor, dieselbe Methode angewendet zu haben, mit der er bereits im Jahr 2008 scheiterte. „Und obwohl er die Umstände mit dem Magenbypass kannte, führte er die Untersuchung durch.“ Dabei wurde die Dünndarmschleimhaut verletzt, was eine Blutung zur Folge hatte. Die üblicherweise schmerzfreie Untersuchung musste wegen starker Schmerzen der Patientin abgebrochen werden.

„Meine Mutter bekam dann eine Schmerztherapie verordnet, zudem wurde eine Computertomografie durchgeführt. Sie zeigte, dass sich bereits Luft im gesamten Bauch angesammelt hatte“, erinnert sich Weiss-Rohan mit Schrecken an jene Zeit. Er kämpft nun mit Hilfe der Grazer Rechtsanwältin Karin Prutsch um Rehabilitation, denn das Leiden seiner Mutter wurde immer schlimmer und führte zu deren Tod.

Vor allem, weil der Arzt scheinbar sorglos mit der Patientin umging, erklärt die Anwältin. „Er verließ nach der Untersuchung das Spital und kündigte an, ein paar Tage später wieder zurück zu sein. Dabei hätte Frau Weiss-Rohan laut Gutachten spätestens am Tag danach eine Operation benötigt, weil durch die Verletzungen im Darm ständig Blut und Darmflüssigkeit in den Unterbauch flossen. Stattdessen bekam die Patientin zu essen und zu trinken und wurde mit Schmerzmitteln behandelt, obwohl sich der Allgemeinzustand immer weiter verschlechterte und die Entzündungswerte anstiegen. Neben einem stark aufgeblähten, schmerzenden Bauch musste sie am nächsten Tag mehrmals erbrechen und zeigte im weiteren Verlauf eine beginnende Unterkühlung mit weißen Lippen und Zehennägeln.“

Die 60jährige wurde notoperiert und ein Teil des Dünndarmes entfernt. Ein Nierenversagen folgte ebenso wie 20 weitere Operationen samt Luftröhrenschnitt und künstlichem Darmausgang innerhalb von vier Wochen. Zusätzlich quälte eine Keiminfektion die Patientin. Im Jänner 2016 starb die Wienerin schließlich unter qualvollen Schmerzen.

Dabei hätte sie eine Überlebenschance gehabt, wäre die Operation sofort nach der Darmspiegelung durchgeführt worden.

Prutsch will deshalb für den Sohn eine Entschädigung vom Spital erwirken. „Auf Basis eines Gutachtens habe ich Schadenersatzforderungen beim Krankenhausträger eingebracht, wobei zur Vermeidung eines Gerichtsverfahrens dem Sohn ein Betrag von 8.000 Euro angeboten wurde. Er lehnte aber ab“, erklärt die Anwältin.
Das angestrebte Strafverfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt im Juli 2016 eingestellt. Mit der Begründung, dass ein Fremdverschulden nicht nachgewiesen werden kann. Prutsch reichte einen Fortführungsantrag ein, der Erfolg brachte.

„Zwischenzeitig habe ich eine Klage beim Landesgericht Eisenstadt eingereicht und für den Sohn ein Trauerschmerzensgeld in der Höhe von 30.000 Euro geltend gemacht, sowie die Begräbniskosten der verstorbenen Mutter. Ein chirurgisches Gerichtsgutachten bestätigt, dass bei der Verstorbenen eine Magnetresonanztomographie, also ein nicht in den Körper eingreifendes Verfahren, zu bevorzugen gewesen wäre und die Operation einen Tag früher die Prognose der Patientin günstig beeinflusst hätte“, sagt Prutsch.

Das Geld könnte Florian Weiss-Rohan gut brauchen. Er ist nach dem tragischen Verlust seiner Mutter gesundheitlich stark angeschlagen. „Ich bin in psychologischer und psychiatrischer Behandlung und muss Medikamente nehmen. Ich leide an Panikattacken und bekomme einfach so aus dem Nichts Weinkrämpfe.“

Von Seiten des Spitals heißt es, dass die Ausführungen der Anwältin in wesentlichen Teilen nachweislich falsch seien. „Die Behandlung der Patientin ist derzeit Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Wir ersuchen um Verständnis, dass wir in Rücksichtnahme auf die Rechte und Interessen der verstorbenen Patientin und unserer Mitarbeiter zu Details der Behandlung keine weiteren Angaben machen können.“
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