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Ausgabe Nr. 38/2017 vom 19.09.2017, Foto: picturedesk.com
Peter Pilz geht davon aus, in den Nationalrat einziehen zu können.
„Ich fürchte den politischen und religiösen Extremismus“
Er kommt mit einer kleinen Schar von Mitstreitern aus. Das Aushängeschild ist ohnehin er selbst. Peter Pilz, der streitbare ehemalige Grüne, den seine Partei nicht mehr haben wollte. Das könnte sich für die Grünen bei der Nationalratswahl am 15. Oktober rächen. Denn die Liste Peter Pilz hat großes Wählerpotenzial.
Die grüne Tür schließt sich hinter mir. Eine andere geht auf. Damit geht etwas zu Ende, und etwas Neues beginnt.“
Mit diesen Zeilen eröffnet Peter Pilz in seinem neuen Buch „Heimat Österreich, Ein Aufruf zur Selbstverteidigung“ (Verlag Ueberreuter) die Abrechnung mit den Grünen und mit einem System, das unserem Staat schadet. Die Grünen wollten ihn nicht mehr, doch die Menschen in diesem Land schon. Deshalb tritt er mit seiner eigenen Liste Peter Pilz bei der Nationalratswahl am 15. Oktober an. Mit welchen Zielen und welchem Programm, hat er uns in seinem Wiener Büro erzählt.

Herr Pilz, recht viel steht nicht in Ihrem Büro, ein paar Flaschen Wein, ein Schaukelstuhl, ein einfacher Tisch, ein Computer und eine Couch. Schlafen Sie hier im Büro?
Schlafen kann ich das nicht nennen, ich mache ein kleines Nickerchen. Das ist nicht schlecht, am Nachmittag zehn Minuten die Augen zu schließen und dann wieder frisch aufzustehen und weiterzumachen.

Kommen Sie jetzt, drei Wochen vor der Nationalratswahl, überhaupt zum Schlafen?
Ja. Weil es erstens sein muss und zweitens, nur wer ausgeruht ist, bringt was zusammen. Ich halte nichts von Menschen, die rund um die Uhr arbeiten, fix und fertig sind und jede Kreativität verlieren. Ich mache mit meiner Frau Gudrun, mit der ich seit 33 Jahren verheiratet bin, am Wochenende ausführlich Pause. Es ist nicht wichtig, extrem viel zu arbeiten, sondern extrem konzentriert und präzise zu arbeiten.

Sie wurden am 22. Jänner 1954 in Kapfenberg (Stmk.)
geboren, Sie sind also 63 Jahre alt und müssten eigentlich nicht mehr arbeiten …

Es macht einen Unterschied, ob jemand gern arbeitet oder nicht. Ich verstehe viele, die mit ihrer Arbeit nicht zufrieden sind, und froh sind, endlich in Pension gehen zu können. Bei mir ist das nicht der Punkt.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Derzeit im Büro drei und es gibt jede Menge freiwillige Helfer. In unserem Wahlkampfbüro in der Josefstädter Straße sind, bis auf eine, die wir jetzt anstellen, nur Freiwillige.

Wer ist wir?
Wir ist die Liste Pilz. Mit dem Spendengeld können wir ein paar Mitarbeiter für zweieinhalb Monate anstellen. Das geht sich aus, darüber hinaus können wir keine Verträge abschließen. Wir können jetzt nicht sagen, wir schließen Dienstverträge auf fünf Jahre ab. Erst wenn wir drin sind, können wir das alles langfristig regeln.

Wenn Sie nicht drinnen sind, also keinen Platz im Nationalrat haben, ist das dann das Karriereende des Dr. Pilz?
Dann haben mir die Wählerinnen und Wähler einen klaren Auftrag zum Schwammerlsuchen gegeben.

Sie gehen aber davon aus, dass Sie die nötigen vier Prozent erhalten, um in den Nationalrat einziehen zu können?
Ja, wir sind sogar auf dem Weg zur Zweistelligkeit. Das belegen Umfragen.

Ihr Buch „Heimat Österreich“ trägt den Untertitel
„Ein Aufruf zur Selbstverteidigung“. Fürchten Sie eine
Revolution der Muslime in unserem Land?

Nein, ich fürchte etwas ganz anderes. Den politischen und religiösen Extremismus, der unsere offene Gesellschaft angreift und zerstören will. Das ist die extreme Rechte in Europa auf der einen Seite und das ist der politische Islam auf der anderen Seite. Und die Menschen, die da zu uns geschickt worden sind, um unsere Gesellschaft zu destabilisieren und anzugreifen, die schicken wir wieder heim, die haben bei uns nichts verloren.

Um wie viele Personen handelt es sich dabei?
Das sind im Fall der türkischen Regierung 200 bis 300, die wir als Agenten des türkischen Regimes identifizieren müssen. Das sind im Fall der Saudis weniger Personen, dort geht es eher um viel Geld. Aber es geht nicht nur um Erdogan-Verbände oder um saudische Verbände. Es geht um Kindergärten, es geht um Schulen, es geht um Moschee-Verbände. Es geht um sogenannte Kultureinrichtungen, die zum Teil nachrichtendienstliche Einrichtungen sind. Das müssen wir uns alles anschauen. Ich will keine islamischen Kindergärten. Ich will keine islamischen Schulen. Ich will, dass der Staat Österreich seine Verantwortung bei der Betreuung der Kinder und bei der Ausbildung der Schülerinnen und Schüler wahrnimmt. Ich will öffentliche Kindergärten und öffentliche Schulen und das wird sich eines der reichsten Länder der Welt wohl leisten können. Wir brauchen nicht das Geld aus der Türkei oder aus Saudi Arabien, um unsere Kinder in Kindergärten und in Schulen zu schicken.

Und wie steht es mit Geld, um den ORF zu finanzieren?
Der Genosse Wrabetz hängt als Generaldirektor an der Leine der Regierungsparteien. Das ist ja kein großes Geheimnis, dass der Stiftungsrat ein Regierungsstiftungsrat ist. Der ORF ist eine schwierige Mischung aus höchst qualifizierten Redakteurinnen und Redakteuren, die jeden Tag um ihre Unabhängigkeit kämpfen, und einer politisch gefügigen Geschäftsführung. Ich bin immer gegen die Zerschlagung des ORF gewesen, aber für dessen Befreiung. Deshalb gibt es für mich nach der Wahl zwei entscheidende Maßnahmen. Die Auflösung des Stiftungsrates und Parteien raus aus dem ORF.

Was halten Sie von der Verbannung von Dieselfahrzeugen aus den Städten?
In den Städten ist das ein sinnvoller Schritt. Allerdings muss es einen ordentlichen Übergang geben. Mit dem Ziel, die Elektromobilität in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren zu erreichen.

Könnten Sie sich vorstellen, als Regierungsmitglied
nach der Wahl tätig zu sein?

Ich glaube nicht, dass ich der schlechteste Innenminister wäre, besser als der jetzige wäre ich mit Sicherheit, aber das ist keine Kunst. Ein bisserl viel Hubschrauber und ein bisserl viel Überwachung ist schon dabei. Ich glaube auch, dass ich in der Lage wäre, ein Verteidigungsressort ordentlich zu führen. Ich genieße das Vertrauen der Menschen. Auch jenes der Polizei und des Militärs.
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