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Ausgabe Nr. 38/2017 vom 19.09.2017, Foto: Thomas & Thomas
Suzanne von Borsody: "Ich wollte in Berlin dem Bären im Zoo eine Schaukel spenden."
„Manchmal fehlt mir Zeit“
Sie hat spät geheiratet und ist heute mit einem um zwölf Jahre jüngeren Mann glücklich. Für die Hochzeit hat Suzanne von Borsody einen besonderen Tag gewählt. Am Samstag, dem 23. September, wird die beliebte Schauspielerin 60 Jahre alt. Und zündet ein Film-feuerwerk.
Sie sind in den kommenden Tagen im Kino und im Fernsehen stark vertreten. Unter anderem in dem Sterbehilfe-Drama „Die letzte Reise“ (2. Oktober 20.15 Uhr, ARD). Ein heikles Thema …
Ganz bestimmt. Es geht um eine Mutter zweier Töchter, die keine Lust mehr hat zu leben. Sie leidet an einer Lungenkrankheit, an Gicht und Arthrose in ihren Händen und war einmal Kunstmalerin. Ihr Mann ist verstorben und somit sieht sie keinen Sinn mehr in ihrem Dasein. Diese Frau, gespielt von Christiane Hörbiger, möchte nun die Sterbebegleitung in der Schweiz beanspruchen.

Und Sie?
Ich verkörpere die eine Tochter, die ihre Mutter vors Gericht schleift, um sie entmündigen zu lassen, weil sie ihre Mutter unbedingt behalten will. Die andere Tochter ist Juristin und vertritt ihre Mutter vor Gericht. Aus der Sicht meiner Figur ist ihre Schwester feige und bezieht keine Haltung, aber sie nimmt ihre Mutter ernst.

Hätten Sie Ihre wahre Mutter Rosemarie Fendel, sie starb am 13. März 2013 im Alter von 86 Jahren, in einer derartigen Situation vor den Richter gezerrt?
Eindeutig nein.

Ihre Mutter hätte wahrscheinlich keine Sterbehilfe in der Schweiz angenommen, oder?
Meine Mutter hat sich nie so überflüssig gefühlt. Ich weiß nicht, ob meine Mutter das gewollt hätte. Ich persönlich kann aber alle Haltungen zu diesem Thema nachvollziehen. Das gute an „Die letzte Reise“ ist der Gesprächsstoff, den dieser Film liefert. Sich zu Lebzeiten, in hoffentlich gesundem Zustand, miteinander zusammenzusetzen und das Tabuthema Tod und dessen Folgen anzusprechen ist wichtig.

Haben Sie entsprechende Vorkehrungen getroffen?
Meine Mutter und ich haben all diese Themen schon vor 40 Jahren besprochen. Ich habe wichtige Dinge auch mit meinem Mann bereits besprochen und geregelt. Ich finde, wir müssen darüber reden – das ist gar nicht erschreckend. Niemand ist unsterblich. Ich möchte dazu ermutigen und dieser Film soll es auch.

Unangenehm ist das Thema Tod dennoch …
Stimmt, aber er lauert überall. Erst vor ein paar Tagen ist ein guter Freund von mir mit 42 Jahren überfahren worden. Plötzlich war er weg – und seine Angehörigen, die Freundin, die Eltern, hatten keinen blassen Schimmer davon, wo sich welche Papiere befinden. Es ist schlimm, diese bürokratischen Belange noch zusätzlich zu der Trauer, die sie im Herzen tragen, bewältigen zu müssen. Also gibt es nur eines: Bitte schön frühzeitig miteinander reden und diese Angelegenheiten regeln.

Sie sind seit dem 25. April 2014 mit dem Goldschmied Jens Schniedenharn, 48, verheiratet. Ein Datum, das Sie wohl nie vergessen werden?
Richtig, denn wir haben am Geburtstag meiner Mutter geheiratet. Das finden wir beide schön.

Was war für Sie die größte Veränderung, die mit der Hochzeit einherging?
Die größte Veränderung durch die Hochzeit ist für mich, dass die Vorstellung kürzer geworden ist. Mein Mann, meine Frau (lächelt).

Wie wichtig ist und bleibt Ihre Mutter für Sie?
Sie wird immer wichtig sein und bleiben. Wir sind doch alle nur zu Besuch hier auf diesem Erdenrund und nun schwirrt sie irgendwo herum, und es geht ihr sicherlich gut, genauso wie meinem Vater auch (schmunzelt).

Besuchen Sie regelmäßig Ihr Grab?
Ach, Grabbesuche mache ich selten. Meine Mutter hat gesagt: „Nein, du musst doch nicht auf den Friedhof, Suzanne. Du zündest ein Kerzchen an, stellst ein Bildchen auf und du denkst an mich. Das kann überall sein.“ Und so mache ich es.

Haben Sie auch schon einer Stadt eine Bank und Bäume gespendet, wie dies Ihre Mutter Rosemarie Fendel in Frankfurt (D) getan hat?
Nein, ich wollte in Berlin dem Bären im Zoo eine Schaukel spenden. Leider war das aus bürokratischen Gründen nicht möglich.

Warum nicht?
Es gab vor Jahren einen Bären, der immer auf einen Spielplatz geschaut hat und dann hat er es geschafft, auszubrechen und über Felsen und Zaun auf diesen Spielplatz zu gelangen. Dieser Bär hat bei vielen Menschen Angst und Schrecken ausgelöst. Was aber hat dieser Bär getan? Er hat sich auf die Kinderschaukel gesetzt und geschaukelt.

Eine traurige Geschichte …
Ja, sie hat mich tief berührt. Dieses Tier wollte niemandem etwas Böses tun, es hat nur immer die Schaukel mit Kindern vor Augen gehabt, wollte auch schaukeln und konnte nie. Deswegen wollte ich den Bären im Berliner Zoo eine Schaukel aus Stahl spenden – aber nein, das war von Behördenseite leider nicht möglich.

Sie werden in wenigen Tagen 60 Jahre alt. Was gibt Ihnen heute Zuversicht?
Gute Gespräche und wenn ich hilfsbereite Menschen erlebe, Freundlichkeit und Kinderlachen. Wenn ich sehe, dass unser kleiner Verein „Hand in Hand for Afrika“ 1.200 Kindern eine Mahlzeit am Tag geben kann, ermöglicht durch viele gute, kluge Menschen. Gescheite und positiv denkende Menschen, die uns Geld gespendet haben. Das sind Kleinigkeiten, aber das sind für mich die ganz wesentlichen Dinge des Lebens.

Fehlt Ihnen etwas im Leben?
Manchmal fehlt mir Zeit. Bei mir zu Hause auf der Staffelei stehen vier grundierte Leinwände und warten auf mich. Drei Bilder habe ich bereits fertig, aber damit kann ich noch keine Ausstellung bestücken.


ZUR PERSON
Suzanne von Borsody stammt aus einer Künstlerfamilie. Vater Hans von Borsody und Mutter Rosemarie Fendel waren bekannte Schauspieler. Die Tochter wurde am 23. September 1957 in München (D) geboren. Ihr Weg war vorgezeichnet. Bereits mit sieben Jahren stand sie zum ersten Mal vor der Kamera. Da blieb keine Zeit für eine Schauspielschule. Angebote für Theater- und Filmengagements wechselten sich ab. Suzanne von Borsody war mehrere Jahre mit ihrem Kollegen Heino Ferch liiert. Sie hat keine Kinder, ist jedoch Patentante für die Tochter einer Kollegin. Seit drei Jahren ist Suzanne von Borsody mit dem Goldschmied Jens Schniedenharn verheiratet und lebt in München (D). Eine große Leidenschaft der Darstellerin ist das Malen.
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