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Ausgabe Nr. 37/2017 vom 12.09.2017, Fotos: Judith Maria Trölß
Zeit zum Kuscheln. Philippa und Heinz-Christian Strache genießen es.
H.-C. Strache: "In unserem Bett schlafe ich stets auf der linken Seite. Die gehört mir.“
Strache kocht.
Fürs gemeinsame Frühstück bleibt selten Zeit.
Die Straches haben einen weitläufigen Garten, in dem auch Obst wächst.
Philippa Strache mit ihrer geretteten „Odi“ beim Entspannen.
„Im Bett bin ich der Linke“
Er will endlich Kanzler werden. Heinz-Christian Strache, 48, hat in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, aus dem rechten Eck zu kommen und dadurch für eine breite Bevölkerung wählbar zu sein. Jetzt möchte er die Politik des Landes bestimmen. Wir haben ihn und seine hübsche Frau daheim besucht und von seinen privaten sowie politischen Plänen erfahren.
Die nächsten vier Wochen werden eine entscheidende Rolle im politischen Leben von Heinz-Christian Strache spielen. Denn nach dem beachtlichen Erfolg bei der Wahl zum Bundespräsidenten im Vorjahr, bei der sich Norbert Hofer in der Stichwahl nur knapp Alexander Van der Bellen geschlagen geben musste, setzt der Chef der Freiheitlichen Partei nun an, endlich Kanzler zu werden. Welche Pläne er dabei verfolgt, erzählte er uns in seinem schicken Heim an der Wiener Stadtgrenze.

Es ist funktional eingerichtet, ohne viel Schnickschnack. Dafür mit einem Kuschelbereich auf der großen Couch. Für die schönen Stunden mit seiner jungen Frau Philippa, 29. „Allerdings sind wir nicht zu zweit, sondern werden beäugt von unserer ,Odi‘“, schmunzelt der 48jährige Politiker. Die „Odi“ ist eine elfjährige italienische Dogge, eine 50 Kilo schwere Hunde-Dame. „Ich habe sie mit neun Monaten aus Ungarn geholt“, sagt Philippa Strache. „Sie war ein Kettenhund und führte ein erbärmliches Leben. Ich habe sie gerettet und in die Ehe mit eingebracht.“ Der erste Anhang. Es soll nicht der letzte bleiben. Kinder, meint das Paar, sollen folgen. Auf jeden Fall zwei, steht für die 29jährige Fernseh-Moderatorin fest. Allzu lang sollte es damit nicht mehr dauern. „Schließlich werde ich am 1. Dezember 30 Jahre alt. Da muss ich mich schon ein bisschen beeilen“, lacht sie.

Zwei Sprösslinge brachte bereits ihr Mann mit in die Ehe. „Meine Tochter Heidi, 17, und mein Sohn Tristan, 15, sind regelmäßig bei uns“, meint Strache, der in seiner 170 Quadratmeter großen Wohnung ausreichend Platz hat. Im Garten stehen noch einmal 1.000 Quadratmeter zur Verfügung. Es ist eine weitläufige, helle Wohnung, der Philippa Strache mit kleinen Details den Stempel aufdrückt. Hier eine dekorative Vase mit Blumen, da eine Kerze, dort eine Lampe. Auffallend in der offenen Wohnung ist der große Esstisch sowie das Bücherregal im Wohnzimmer. „Derzeit lese ich ein Buch vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Es heißt ,Mein Europa‘. Mich fasziniert seine Prinzipientreue, dass er sich selbst immer treu geblieben ist und er in seiner gesamten Art des Auftretens mutig war, auch in vielen Belangen, die er angesprochen hat. Und dass er in seiner Zeit der Verantwortung auch konsequent geblieben ist“, meint Strache, der die Politik in den eigenen vier Wänden nicht ausspart. Vor allem jetzt nicht, vor der Nationalratswahl am 15. Oktober, bei der seine Tochter zum ersten Mal den Urnengang antreten darf. Ob er dadurch eine Stimme mehr hat, überlässt der Vater ihrer Entscheidung. „Aber ich weiß, dass sie eine große Verteidigerin von mir ist“, antwortet er stolz. „Ich versuche, alle Fragen, die sie mir stellt, ordentlich zu beantworten. Wir reden oft über die Politik.“

Auch über den Konkurrenten und ÖVP-Chef Sebastian Kurz, den Strache für einen „politischen Papagei“ hält. „Weil er früher gesagt hat, der Islam sei ein Teil unseres Landes. Das ist Unsinn. Ebenso meinte er, dass der durchschnittliche Zuwanderer intelligenter sei als der Österreicher. Das sind Fakten, die nicht wegzuwischen sind. Jetzt, kurz vor der Wahl, tut er so, als würde er erkennen, dass die Freiheitliche Partei immer Recht gehabt hat und kopiert unsere Themen. Das ist nicht glaubwürdig. Wer in Zukunft eine Fortsetzung von Rot und Schwarz verhindern will, der kann das nur mit einer Stimme für die FPÖ machen.“

Anreize habe er zu bieten, erklärt der blaue Parteichef. Unter anderem möchte er die Steuern deutlich unter 40 Prozent senken. Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, höhere Löhne möglich sein sowie die Minderung der Steuerlast auf Überstunden durchgesetzt werden.

„Wer Vollzeit arbeitet, muss mindestens 1.300 netto herausbekommen, um sich sein Leben finanzieren zu können. Für Pensionisten muss es bei 1.200 Euro netto eine Untergrenze für 40 beziehungsweise 45 Beitragsjahre geben.“ Auch den Zivildienern sowie den Präsenzdienern will Strache statt der bisherigen 350 Euro gut 840 Euro auszahlen.

Mit wem er künftig lieber zusammenarbeiten möchte, lässt der Parteichef offen. Er hält aber fest, dass er am liebsten alleine regieren würde, „denn wir gehen bereits eine Koalition ein. Und zwar mit unserer Bevölkerung.“

Rot und Schwarz können ja nicht miteinander, deshalb müssen wir vorgezogen Wahlen abhalten. Eine neuerliche Koalition zwischen den beiden Parteien bringe nach Ansicht von Strache nur Stillstand. Als Wahlziel will es der Parteichef nicht bezeichnen, als Traum schon, wenn er mit seinen Freiheitlichen bundesweit 25 Prozent an Wählerstimmen überschreiten könnte. Weil er die Probleme der Menschen kenne, erklärt der 48jährige. Schließlich habe er von seinem 15. bis 30. Lebensjahr die Privatwirtschaft kennengelernt. Erst als Lehrling, dann als Angestellter. Schließlich sogar in Form eines Unternehmers.

Querschüsse der Gegner, die ihn und seine Partei ins rechte Eck stellen, nimmt Strache mittlerweile gelassen hin. Mit Nazis, sagt er, habe er nichts am Hut. „Dieses Gedankengut hat in der Freiheitlichen Partei Österreichs nichts verloren. Dort, wo es Entgleisungen gab, habe ich klar und deutlich die Konsequenzen gezogen.“ Damit, dass es bei einer neuerlichen Regierungsbeteiligung wieder zu EU-Sanktionen kommen könnte, wie einst bei Wolfgang Schüssel und Jörg Haider, rechnet Strache nicht. „Weil wir für die Freiheit und Selbstbestimmung stehen, weil wir für direkte Demokratie stehen, für eine europäische Reform hin zu einem föderalen Europa und wir haben diesbezüglich gute Partnerschaften in Europa“, ist der Parteichef zuversichtlich, der bei unserem Besuch in seinem Zuhause bekennt, auch einmal ein Linker zu sein. „Ja“, lacht Strache, und nimmt seine fesche Philippa fest in den Arm, „in unserem Bett. Da schlafe ich stets auf der linken Seite. Die gehört mir.“

Weniger klare Verhältnisse herrschen indes in der Küche. Das Paar streut sich gegenseitig Rosen, was die Zubereitung von Speisen betrifft. „Philippa ist eine exzellente Köchin“, sagt der 48jährige. Raum zur Entfaltung gibt es ausreichend. Küche und Esszimmer sind etwa 50 Quadratmeter groß. „Leider können wir nur an den Wochenenden gemeinsam das Frühstück genießen“, meint Philippa Strache, die seit 7. Oktober des Vorjahres mit dem Parteichef verheiratet ist. Erstmals getroffen hat sich das Paar bereits 2009, doch es dauerte, bis Amors Pfeil Wirkung zeigte. Dafür sind die beiden jetzt umso glücklicher und genießen ihre karge Freizeit gern beim Wandern. „Immer wieder in St. Jakob in Osttirol. Im Sommer ebenso wie im Winter zum Schifahren.“

Weil auch zu zweit die unangenehmen Dinge des Lebens leichter von der Hand gehen, teilt sich das Paar auch die Hausarbeit. Er räumt den Geschirrspüler aus, sie saugt den Staub weg. Den Müll nehmen sie mit, wenn das Gasssigehen mit „Odi“ ansteht. „Er ist kein fauler Mann“, schmunzelt Philippa Strache.
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