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Ausgabe Nr. 36/2017 vom 05.09.2017, Fotos: attisani-photography.com, zvg
Gottfried Würcher: "Als Kind wollte ich entweder Schlagersänger oder Rennfahrer werden."
Würcher besitzt über 100 Paar Schuhe.
„Ich habe einen Schuh-Tick“
Er ist mit seinem „Nockalm Quintett“ ein Dauerbrenner in der Musikbranche. Und seit mehr als 30 Jahren erfolgreich. Immer wieder schafft es Gottfried Würcher, 58, mit seiner Band Hits zu landen. Wie schon die Vorgänger setzte sich auch das neue Album „In der Nacht“ an die Spitze der Hitparade. Ein Grund zum Feiern. Ein weiterer ist das 30. Nockalmfest. Zum Jubiläum wird von 15. bis 17. September in Millstatt (Kärnten) groß gefeiert.
Herr Würcher, zunächst Glückwunsch, mit dem neuen Album des „Nockalm Quintetts“ „In der Nacht“ schafften Sie es auf Platz eins der Hitparade. Es ist nicht das erste Mal, dass dies gelungen ist. Haben Sie ein Gespür für den Zeitgeist?
Wir stehen seit 34 Jahren auf der Bühne. In der Zeit haben wir unser Publikum gut kennen und schätzen gelernt. Unser Vorsatz, nicht stehenzubleiben und sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen, dürfte einer der Gründe für den Erfolg sein.

Das „Nockalm Quintett“ hat ja im Laufe der Jahrzehnte eine Wandlung durchgemacht und klingt heute deutlich mehr nach Schlager als in den Anfängen, da eher noch der volkstümliche Schlager dominierte. Dazu trug auch die trachtige Kleidung bei. Eine gewollte Wandlung oder ist sie einfach passiert?
Als wir vor 34 Jahren begonnen haben, war es üblich, um beruflich spielen zu können, in der Schweiz in Lokalen in 14-tägigen Engagements aufzutreten. Am besten in Lederhose und mit einem Bandnamen, der die Region, aus der wir stammen, im Namen trägt. Wir spielten sechs bis acht Stunden alles, was es an Unterhaltungshits gab, vom „Kufsteiner Lied“ bis „Rivers of Babylon“. Auch unsere ersten Schallplatten erklangen damals im Oberkrainer Sound. Dann kam der erste Mini-Hit „Kaiserburg Lady“ und allmählich merkten wir, dass der volkstümliche Schlager besser zu uns passt. Also spielte auch der Zufall hier Regie. Plötzlich hatten wir ein Alleinstellungsmerkmal. Wir verabschiedeten uns von der Lederhose, kleideten uns moderner und wurden nach und nach zur Schlagerband mit dem typischen Nockalm-Klang.

Heuer gibt‘s ein Jubiläum. Zum 30. Mal findet das Nockalmfest statt. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge? Vor wie vielen Zuschauern traten Sie damals auf und wie viele sind es heute?
Unsere Freunde von der Freiwilligen Feuerwehr Millstatt und wir sind stolz, dass wir von der klassischen Bierzelt-Veranstaltung zu Kärntens legendärster Schlagerparty (ein Titel, den uns unsere Anhänger und Medien gegeben haben) wurden. Einige der Besucher waren schon vor 30 Jahren dabei und kommen auch bis heute jedes Jahr gerne wieder. Rund 9.000 „Nockalm“-Freunde aus dem deutschsprachigen Europa feiern mit uns.

Mehr als drei Jahrzehnte auf der Bühne zu stehen können nicht viele Bands feiern. Sind Sie stolz darauf oder doch auch ein wenig wehmütig, weil schon so viel Zeit vergangen ist?
Es ist besser, sich über das Erreichte zu freuen, aber den Blick immer in die Zukunft gerichtet zu haben. So haben wir das immer gehalten und das dürfte mitunter auch ein kleines Erfolgsgeheimnis sein. Wir sind gespannt, was die Zukunft für uns noch bereithält und genießen jeden Tag. Wir haben ja unsere Berufung zum Beruf gemacht.

Sie feiern nächstes Jahr Ihren 60er. Stimmt es, dass Sie „fit wie ein Turnschuh“ sind? Wie schaffen Sie das?
Ich bin leidenschaftlicher Mountainbiker, laufe gerne und spiele Tennis. Wenn ich mich einen Tag nicht bewege, fehlt mir was. Ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, sich fit zu halten.

Trainieren Sie stets allein, mit Ihrem Sohn oder den Kollegen von der Band?
Außer beim Tennis, was ja in der Natur der Sache liegt, bin ich am liebsten alleine unterwegs. Ich brauche das auch, um abschalten zu können. Mit meinem Sohn André teile ich die Leidenschaft fürs Go-Kart-Fahren.

Gehört zu Ihrem Fitness-Plan auch eine entsprechende Ernährung, also lieber ein bisschen Obst und Gemüse statt einer Schweinshaxn?
Auf nichts verzichten, was schmeckt, aber mit Maß und Ziel. Genuss gehört zum Leben dazu. Es wäre ja fad, wenn wir uns nur kasteien. Aber eine ausgewogene Ernährung ist für mich ein wichtiges Thema. Das war nicht immer so. Speziell zu Beginn unserer Karriere war es üblich, um zwei Uhr in der Früh nach dem Auftritt noch ein Schnitzel mit Pommes zu verschlingen, samt Bier und der Zigarette hinterher. Dieses Leben hat sich an meiner Figur gezeigt. Verbunden mit Übergewicht, hohem Blutdruck und allen Symptomen, die als ernste Warnsignale zu deuten waren. Ich habe dann mein Leben umgestellt und bin heute froh darüber.

Stimmt es, dass Sie Schuhe mögen?
Ja, ich mag schöne, gesunde Lederschuhe. Beim regelmäßigen Tragen beschränke ich mich auf rund 20 Paare. Insgesamt besitze ich 100 Paar Schuhe, ich habe einen Schuh-Tick.

Sie haben eine fünfjährige Enkelin namens Laureen. Kaufen Sie als Experte auch ihr die Schuhe?
Wenn ich unterwegs bin und etwas entdecke, bei dem ich denke, meine Enkelin könnte Freude damit haben, nehme ich es gerne mit. Das können Schuhe sein, aber auch Spielsachen.

Als begeisterter Maler, der schon Ausstellungen gemacht hat, scheinen Sie die Leidenschaft ans Enkerl übertragen zu haben. Sie malt mit Ihnen. Mit welchem Ergebnis?
Sie könnte einen Hasen zeichnen, weil sie Talent hat. Aber ich lasse ihrer Phantasie freien Lauf und es ist spannend zuzusehen, was dabei herauskommt. Sie hat Spaß und das ist das Einzige, was zählt. Kinder sollten die Möglichkeit haben, sich frei zu entfalten.

Hatten Sie die Möglichkeit, sich als Kind frei zu entfalten?
Nach den bescheidenen Möglichkeiten, die es bei uns daheim gab, ja. Als Kind wollte ich entweder Schlagersänger oder Rennfahrer werden. Eines davon ist Realität geworden. Das ist mehr, als wir vom Leben meist erwarten können. Ich lebe meinen Traum.
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