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Ausgabe Nr. 34/2017 vom 22.08.2017, Fotos: mihi/Fotolia, Judith Maria Trölß
Pro Tag und Sammler dürfen zwei Kilo Schwammerl gepflückt werden.
Italienische Autos parken in unseren Wäldern. Schwammerlsucher strömen aus …
Helga Prodinger von der Sbg. Berg- und Naturwacht.
Mit der Zugwaage kontrolliert Leitner die Menge der Schwammerl.
Schwammerl-Sucher räumen unsere Wälder leer
Pilze aus unseren Wäldern sind begehrt. War in den vergangenen Jahren vor allem Kärnten bei den Sammel-Touristen aus Italien beliebt, zieht es sie mittlerweile nordwärts bis Salzburg. Sie räumen alles leer und nehmen, was sie finden, denn Pilze bringen in Italien viel Geld.
Die Saison hat noch gar nicht richtig begonnen, schon sind die Mitarbeiter der Salzburger Berg- und Naturwacht in Alarmbereitschaft. Denn Pilz-Diebe machen ihnen das Leben schwer.

In unserem Land ist es erlaubt, pro Tag und Sammler zwei Kilo Pilze und Schwammerl zu pflücken. Eine sinnvolle Begrenzung, damit der Bestand erhalten bleibt und viele begeisterte Schwammerlliebhaber in den Genuss der Köstlichkeiten kommen. Allerdings entwickelte sich in den vergangenen Jahren das Suchen nach den spätsommerlichen Früchten des Waldes zur regelrechten Jagd. Vor allem Italiener fielen hordenweise mit bis zu fünf Autos ein und räumten unsere Wälder leer. Wobei Kärnten zu ihrem bevorzugten „Jagdrevier“ wurde. Das Gailtal und die Karnische Region durchstreiften die „Gäste“ aus unserem südlichen Nachbarland am liebsten. In diesem Jahr dringen sie bis nach Salzburg vor, „wobei sie im Lungau, in der Gemeinde Mariapfarr, ihr liebstes Revier entdeckt zu haben scheinen“, weiß Alexander Leitner, 45, Chef der Salzburger Berg- und Naturwacht, der mit 50 Kolleginnen und Kollegen im Lungau die Augen offenhält, um jene Sammler zu erwischen, die mehr als die erlaubten zwei Kilo nach Hause tragen.

Dass vor allem Italiener in unsere Wälder einfallen, hat zwei gute Gründe. „In Italien müssen Pilzliebhaber einen Kurs absolvieren und eine Lizenz kaufen, wenn sie Schwammerl suchen wollen. Zudem bringt in Italien ein Kilo Steinpilze bis zu 100 Euro“, erklärt ein Mitarbeiter der Kärntner Bergwacht. „Da wird die Suche in unserem Land bald zum einträglichen Geschäft, wenn für 100 Kilo gut 10.000 Euro bezahlt werden.“

Da lassen sich selbst Strafen von 3.600 Euro verkraften. Im Wiederholungsfall werden dann jedoch schon 7.200 Euro fällig. Vereinzelte Sammler sind bereits unterwegs, doch die Saison kommt jetzt erst richtig in Schwung.
Ebenso sieht die Situation in der Steiermark aus. In unserem grünen Herzen soll nach Auskunft der Bergwacht in dieser Woche der Startschuss zum großen Sammeln fallen. Weil jetzt die Waldfrüchte am besten gedeihen. Vor allem Eierschwammerl, Herrenpilze und Steinpilze. Die sind vermehrt auch im Land Salzburg die Objekte der Begierde. Alexander Leitner und seine Kollegen durchstreifen bereits den Lungau und stellen sicher, dass zwischen 19 Uhr am Abend und sieben Uhr in der Früh nicht gesammelt wird. Diese Ruhezeit gehört den Waldbewohnern. Treten Sammler im Lungau im Rudel auf und sind die gefundenen Pilze keiner Person eindeutig zuzuordnen, reduziert sich die erlaubte Menge. „Dann gelten nicht zwei Kilo pro Person und Tag, sondern acht Kilo als Obergrenze. Gleich, aus wie vielen Personen die Gruppe besteht.“

Der Naturschützer weiß, wie dreist die Sammler mittlerweile vorgehen. „Sie markieren bereits abgeerntete Flächen, um anderen Gruppenmitgliedern zu zeigen, dass hier nichts mehr zu holen ist. Das ist aber ebenso verboten wie die Weiterverarbeitung der Pilze vor Ort. Das heißt, sie dürfen im Sammelgebiet nur geputzt, aber nicht getrocknet oder in Einmachgläser gelegt werden.“

Leitners Kollegin Helga Prodinger, 50, von Beruf Einzelhandelskauffrau, hat bereits einige Sünder erwischt. „Und zwar mittags, wenn sie zu ihren im Wald abgestellten Fahrzeugen zurückkehren. Sammler mit 30 oder 40 Kilo Pilzen erwischen wir immer wieder.“

Wie ihre Kollegen hat sie zur Überprüfung eine Federwaage mit dabei. Zeigt sie höchstens zweieinhalb Kilo, drücken die Wachorgane ein Auge zu. Darüber hinaus wird einkassiert und abgestraft. „Wir beschlagnahmen die Pilze, damit verbunden ist die Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde“, erklärt der Lungauer Alexander Leitner, der die Entwicklung beim Schwammerl-Suchen mit einem kritischen Auge sieht.
Denn die Zahl der Italiener, die in unsere Wälder einfallen, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die Beschlagnahmungen ebenso. Da helfen selbst Informationsbroschüren in italienischer Sprache nichts. Zu verlockend sind die Verdienstmöglichkeiten.

Wobei der Naturschützer aus Salzburg darauf verweist, dass auch aus Bayern Schwammerl-Touristen zu uns kommen und über die Stränge schlagen. Ebenso wie heimische Liebhaber der Pilze.

Ein Gutes hat dabei die Beschlagnahmung. Was zu viel in den Körben gelandet ist, wird an Spitäler, Altersheime oder ans Bundesheer gratis abgegeben.
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