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Ausgabe Nr. 33/2017 vom 16.08.2017, Fotos: IGP/Tirza Podzeit, Caro Steiger
Christian Stockmar, Helmut Burtscher
Die Zulassung von Glyphosat verlängern?
Die EU-Kommission will das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für weitere zehn Jahre zulassen. Allerdings nur mit Rückhalt der EU-Länder. Frankreich ist gegen eine Verlängerung, auch in Deutschland gibt es Zweifel. Bei uns fordert die SPÖ-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner ein Nein, wenn auch nur der geringste Verdacht besteht, dass das Mittel krebserregend ist. Eine Entscheidung in Brüssel wird es wohl erst nach den Wahlen bei uns und in Deutschland geben.
JA: Christian Stockmar,
IndustrieGruppe Pflanzenschutz

„Glyphosat ist bei sachgemäßem Einsatz für Mensch, Tier und Umwelt sicher. Das belegen mehr als 3.300 Studien mit insgesamt 90.000 Seiten, die von allen Gesundheitsbehörden weltweit, die mit einer Glyphosat-Bewertung beauftragt waren, geprüft wurden. Dass der Wirkstoff möglicherweise Krebs verursache, behaupten vorwiegend Aktivisten und Broschüren von Umweltorganisationen, einen wissenschaftlichen Beleg bleiben sie bis dato schuldig. Denn hier geht es um Kampagnenziele der Umweltorganisationen, deren Erreichung durch dieses zutiefst verwerfliche Spiel mit der Angst der Menschen vor Krebs sichergestellt werden soll. Die wissenschaftlichen Fakten sprechen klar für eine erneute und langfristige Zulassung von Glyphosat. Für die EU-Mitgliedstaaten gibt es keine Gründe mehr, eine Verlängerung der Wirkstoffgenehmigung zu verweigern. Das Zaudern auf EU-Ebene ist unverständlich und lässt vermuten, dass politische, von den Kampagnen der Umweltorganisationen beeinflusste Meinungen schwerer wiegen als wissenschaftliche Fakten. Tatsächlich spricht die Faktenlage sogar klar für eine Verlängerung um fünfzehn Jahre.“


NEIN: Helmut Burtscher,
Global 2000

„Nein. Glyphosat soll nicht verlängert werden, weil es ein erwiesenes Karzinogen im Tierversuch ist, also krebserregend. Das hat die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgestellt. Das lässt sich auch ganz klar überprüfen, wenn man die Studien der Hersteller kennt. Der einzige Grund, weswegen die Behörden zu einem anderen Urteil kommen, ist, dass sie systematisch Regeln für die Beurteilung und Bewertung dieser Studien verletzt haben, die im EU-Regelwerk festgelegt sind. Also unkorrekte Daten verwendet oder Kriterien einfach erfunden haben. Es ist kaum zu glauben, wie unverfroren mitunter vorgegangen wurde. Sie haben etwa mangelhafte Studien herangezogen, die sagen, Glyphosat sei nicht krebserregend, obwohl diese Aussage nicht ordentlich untersucht wurde. Dieses systematische Versagen zugunsten der Industrie führt dazu, dass offensichtliche Krebseffekte bei Glyphosat bei allen europäischen Behörden unter den Tisch gekehrt wurden. Dabei wurde im Jahr 2009 in der EU ein Gesetz beschlossen, das krebserregende Pestizide verbietet. Das unterscheidet Europa von den USA und auch von anderen Ländern der Welt.“
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