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Ausgabe Nr. 32/2017 vom 08.08.2017, Fotos: Morlock, bilderzwerg/Fotolia
Willi Tomaschitz, 56: "Schon in der Früh, nach dem Aufstehen, habe ich mir meine ersten beiden Zigaretten zum Kaffee gegönnt."
Heute legt Willi Tomaschitz viele Kilometer mit dem Rad zurück. „Außer Atem komme ich nicht mehr.“
„Unglaublich. So viel habe ich in einer Woche geraucht!“
„Nach 40 Jahren rauchen hat‘s ‚klick‘ gemacht“
Rund vierzehntausend Frauen und Männer in unserem Land sterben jährlich an den Folgen des Rauchens. Schon eine bis vier Zigaretten pro Tag verdreifachen das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden oder Lungenkrebs zu bekommen. Umfragen zufolge will jeder dritte Raucher mit dem Laster aufhören. Willi Tomaschitz (Bild) hat es aus eigener Kraft geschafft und ist froh darüber.
Vierzig lange Jahre habe ich geraucht, seit meiner Jugend und jeden Tag waren es bis zu 30 Zigaretten“, sagt Willi Tomaschitz, 56, Krankenpfleger von Beruf, und schüttelt den Kopf. Rückblickend kann er nicht glauben, was er mit seinem Rauchverhalten seinem Körper und seiner Gesundheit zugemutet hat.

Tausende Giftstoffe in jeder Zigarette

Eine Ausnahmeerscheinung war der Kärntner keinesfalls. Umfragen zeigen, jeder Vierte im Land raucht täglich, im Schnitt werden sogar 16 Zigaretten pro Tag geraucht, trotz der Gewissheit, mit dem Tabak und den giftigen Zusatzstoffen schwere Erkrankungen wie COPD, Lungenkrebs oder Herzinfarkt sowie Schlaganfall zu riskieren. Tatsache ist, mit jeder gerauchten Zigarette gelangen knapp fünftausend Giftstoffe in den menschlichen Körper, darunter Schwergewichte wie Arsen, Blausäure, Formaldehyd und Blei.

Welch furchtbare Folgen das haben kann, musste Willi Tomaschitz im engsten Familienkreis mit ansehen.
„Meine Mutter ist an Lungenkrebs gestorben. Eigentlich hätte mir das damals schon Warnung genug sein müssen, endlich mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt er leise und schüttelt betroffen den Kopf, wenn er auf seine frühere Wochenration an Zigaretten blickt. Elf Packungen stapeln sich am Tisch. „Es ist für mich heute unfassbar, dass ich so viel geraucht habe.“

Nach dem Aufstehen schon eine geraucht

Jedes Jahr versucht rund ein Drittel der Raucher in unserem Land, mit dem Rauchen aufzuhören, und das ist alles andere als einfach. Tabakrauchen erzeugt bei acht von zehn Konsumenten eine Abhängigkeit. Der Hauptwirkstoff dabei ist das Nikotin. Das Suchtpotenzial des Tabakrauchens ist vergleichbar mit dem von Kokain, sagen Experten.

Willi Tomaschitz kann diese Abhängigkeit aus seiner Vergangenheit nur bestätigen. „Schon in der Früh, nach dem Aufstehen, habe ich mir meine ersten beiden Zigaretten zum Kaffee gegönnt. Ohne sie ging‘s nicht. Für mich war das normal.“

Schmerzen beim Husten

Die Warnsignale seines Körpers ignorierte der Klagenfurter lange Zeit beharrlich. „Er gab mir deutlich zu verstehen, dass mit dem Rauchen endlich Schluss sein muss. Mein Hausarzt war natürlich der gleichen Meinung. Ich litt an starkem Raucherhusten. Beim Husten bekam ich immer wieder Schmerzen in der Brust. Vor zehn Jahren habe ich das erste Mal versucht, mit Hilfe von Kaugummis oder E-Zigaretten mein Laster loszuwerden. Doch das hat alles nichts gebracht. Erst als ich vor vier Jahren bei einem Vortrag war, in dem es darum ging, dass nur mit Disziplin, mit eisernem Willen und mit positivem Denken das Leben verändert werden könne, hat es bei mir ‚klick‘ gemacht.“

Der Kopf muss es wollen

Jeden Tag, so sein mentaler Trick, stellte sich der 56jährige zu Hause vor, die Zigaretten in einer Schachtel fest zu verschließen und diese dann nie wieder zu öffnen. „Freilich habe ich natürlich zuvor alle Zigarettenschachteln weggeworfen“, meint er lachend. „Am Anfang war es schwer, aber der Kopf muss es wollen. Oft genug war ich kurz davor, in eine Trafik zu gehen und mir wieder eine Packung zu kaufen. Doch ich blieb eisern. Ich war standhaft, ich wollte das und ich hielt durch.“

„Ohne Zigaretten fühle ich mich frei“

Sein starker Wille brachte Tomaschitz den gewünschten Erfolg, von der Sucht und dem Gift, von den Glimmstängeln endlich wegzukommen.

„Schon nach ein paar Wochen hatte ich kein Verlangen mehr nach dem Rauchen. Das war im Jahr 2013. Seither habe ich keine einzige Zigarette mehr angerührt und ich bin enorm stolz darauf. Mein Husten, mein Stechen in der Brust sind weg. Meine Bronchien, die schon chronisch entzündet waren, sind nun wieder vollkommen gesund. Das hat mir mein Arzt bestätigt. Natürlich fühle ich mich nun auch ganz anders. Ich bin fit wie nie zuvor und beim Joggen und Radfahren komme ich nicht mehr außer Atem. Manchmal kann ich es gar nicht glauben. Es ist wie ein anderes Leben. Ich bin freier. Für meine Disziplin habe ich mich mit einer Kamera belohnt. Die konnte ich mir schließlich durch das gesparte Geld, das ich nicht mehr für Zigaretten ausgab, locker kaufen.“

Mit dem Rauchen aufzuhören ist eine enorme psychische Belastung. Untersuchungen zufolge ähnlich schlimm wie eine Scheidung durchzumachen.

So schaden Zigaretten unserem Körper
• Neueste Studien zeigen, schon eine bis drei Zigaretten am Tag schaden der Gesundheit.
• Jede Zigarette führt im Schnitt zu etwa 30.000 Erbgut-Schäden.
• Wer täglich eine Packung Zigaretten raucht, nimmt im Jahr ein Wasserglas Teer zu sich.
• Eine Zigarette von einem Gramm Gewicht entwickelt bei voller Verbrennung etwa 600.000 kleinster Russteilchen.
• Nikotin ist eines der stärksten pflanzlichen Gifte.
• Das psychische Abhängigkeitspotenzial von inhaliertem Nikotin ähnelt dem von Kokain. (Nikotinpflaster haben fast kein Abhängigkeitspotenzial)
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