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Ausgabe Nr. 32/2017 vom 08.08.2017, Fotos: Olivia Bee, Sony Music
Nach ihren großen Erfolgen verlor Kesha den Boden unter den Füßen.
Am Freitag, 11. August, kommt das neue Album von Kesha in den Handel. Es trägt den Titel „Rainbow“.
Ihre Qualen hat sie hinter sich gelassen
Sie gehörte zur ersten Garde der Frauen im Popgeschäft. Dann kam die große Krise. Doch Kesha, 30, hat sich wieder einigermaßen aufgerappelt und veröffentlicht nach fünf Jahren Pause das neue Album „Rainbow“ (ab 11. August im Handel).
„Ich habe eine lange, lange kreative Reise hinter mir“, sagt die Sängerin stockend. „Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt jemals wieder Musik machen würde. Ich musste mich erst wieder daran erinnern, ein Mensch zu sein.“

Denn nach ihren großen Erfolgen mit Liedern wie „TiK ToK“, „Die Young“ und „Timber“ verlor sie den Boden unter den Füßen. Anfang des Jahres 2014 begab sich Kesha, die sich nun mit „s“ schreibt, nicht mit „$“, für zwei Monate in eine psychiatrische Einrichtung, um ihre Bulimie-Erkrankung behandeln zu lassen. Im Sommer darauf verklagte sie den Produzenten Lukasz Gottwald unter anderem auf „sexuellen und emotionalen Missbrauch“, sie wollte per Klage auch ihren Vertrag beenden, zudem soll der Produzent wegen abfälliger Bemerkungen schuld an ihrer Essstörung gewesen sein. Gottwald antwortete mit einer Verleumdungsklage. Inzwischen sind die wesentlichen Anklagepunkte entweder vom Gericht zurückgewiesen oder von Kesha zurückgezogen worden, der Kompromiss in groben Zügen: Kesha muss ihren Vertrag mit Gottwalds Firma „Kemosabe Records“ erfüllen, aber Sony, zu dem Kemosabe gehört, enthob Gottwald heuer seines Chefpostens bei Kemosabe. Nun arbeitet Kesha also noch für seine Firma, aber nicht mehr direkt für ihren vorgeblichen Peiniger.

Gewinner gibt es in dieser bitteren, selbst für Musikindustrie-Verhältnisse abgründigen und diffusen Geschichte keinen. Doch während Lukasz Gottwald vorerst wie vom Erdboden verschluckt ist, versucht Kesha jetzt einen Neubeginn. Sie ist fraulicher geworden, die harten Jahre sind ihrem Gesicht anzusehen. „Ich war depressiv“, sagt die 30jährige, „lag total am Boden. Songs zu schreiben, war das einzige, das mir helfen konnte. Ich habe jahrelang von dem Moment geträumt, wieder eine Platte präsentieren zu können.“

Doch zum Glück ist „Rainbow“ keine reine Therapiesitzung. In „Bastards“, einem Countrysong mit Anti-Mobbing-Botschaft und immens hohem Schmutzwörteranteil, der zum Ende hin an „Hey Jude“ von den „Beatles“ erinnert, zeigt Kesha den Stinkefinger schon recht frohgemut. Allerdings bleibt im Kern auch immer eine versteckte Verbindung zu ihrer schweren Zeit. Das Titel-Lied „Rainbow“ etwa, eine schöne Ballade, an der Keshas Mutter mitgeschrieben hat, spielt auf ihre Qualen an.
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