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Ausgabe Nr. 32/2017 vom 08.08.2017, Fotos: picturedesk.com, Sissi Furgler/Mediendienst.com
Ein Mal zuviel ...
... ein Mal zuwenig.
Im Marchfeld soll ein riesiges Kanalsystem zur Bewässerung errichtet werden.
Bürgermeister Stefan Visotschnig: „Wir suchen fieberhaft nach neuen Quellen, die wir erschließen können.“
Wasser – Extreme Gegensätze in unserem Land
Unser Land scheint aus zwei Klimazonen zu bestehen. Vor allem, wenn es um die Verteilung von Wasser geht. Im Westen sorgen reichlich Niederschläge für Überschwemmungen und Murenabgänge, im Osten bedroht der Mangel an Regen die Existenz der Bauern. Sogar die Feuerwehren müssen ausrücken, um private Haushalte mit Wasser zu versorgen.
Katastrophenalarm. Im steirischen Bezirk Murau sorgten am Wochenende starke Regenfälle für ein Chaos. Bäche und Flüsse traten über die Ufer und überschwemmten Ortschaften, Menschen in den Tälern waren abgeschnitten, weil Muren die Straßen verschüttet oder weggerissen hatten. Mehr als 1.000 Feuerwehrmänner waren in der Steiermark im Einsatz, um Wasserbarrieren mit Sandsäcken zu errichten, den Schlamm wegzuräumen und Wasser abzupumpen.

In Salzburg sah es nicht besser aus. Dort mussten im Pongau, Pinzgau und Lungau fast 700 Feuerwehrmänner wegen zahlreicher Überschwemmungen der gleichen Arbeit nachgehen.

Derartig starke Regenfälle gab es in den vergangenen Wochen von Vorarlberg bis in die Steiermark immer wieder. Die Messstationen der Experten von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien belegen dies. In Zell am See (S) wurden bislang 707 Millimeter Niederschlag gemessen, diese Menge liegt über dem langjährigen Mittel. Ähnlich niederschlagsreich war es im tirolerischen Reutte. Dort fielen 835 Millimeter Regen nieder. Im Mittel sind es 854 Millimeter. „Im Westen unseres Landes bewegen wir uns also im Nomalbereich“, erklärt Thomas Wostal von der ZAMG.

Katastrophenalarm. Der Osten unseres Landes trocknet aus. Das bestätigt Wostal. „Nehmen wir Poysdorf her. In der kleinen Stadt im nordöstlichen Niederösterreich haben wir bislang nur 264 Millimeter Niederschlag gemessen. Im Mittel sind es jedoch 330 Millimeter.“ Ein Trend, der sich über Wien, das Burgenland, die Südsteiermark bis nach Südkärnten zieht. Diese Region unseres Landes durstet. Die Menschen ebenso. Quellen geben kaum noch Frischwasser. Wie in Bleiburg. Dort muss bereits die Feuerwehr Wasser liefern, erklärt der Bürgermeister Stefan Visotschnig. „Unsere St. Margarethener Quelle liefert gewöhnlich 0,25 Liter pro Sekunde. Damit werden elf Haushalte sowie fünf Bauernhöfe versorgt. Durch die Trockenheit ging die sogenannte Schüttung zurück auf 0,01 Liter pro Sekunde. Eine Katastrophe. Die Familien und die Tiere der Landwirte müssen nun mit Wasser versorgt werden.

Bisher haben die Feuerwehren 600.000 Liter von der Wasserversorgungsanlage der Gemeinde zu den Häusern gebracht.“ Und ein Ende der Trockenperiode ist nicht in Sicht. „Daher suchen wir fieberhaft nach neuen Quellen, die wir erschließen könnten. Doch das ist ein langwieriger Prozess. Zunächst muss eine passende Quelle gefunden und dann das Wasser auf Reinheit untersucht werden“, sagt der Bürgermeister.

Die extreme Trockenheit zwingt auch die Energieversorger zum Handeln. So ist etwa die Stromproduktion der zehn Verbund-Draukraftwerke, die normalerweise zwei Drittel des Strombedarfes in Kärnten abdecken, auf ein Rekordtief gesunken. Grund dafür ist der extrem niedrige Wasserstand, die Turbinen im Kraftwerk können nicht auf vollen Touren laufen. Kärnten ist zurzeit besonders von der niedrigen Wasserführung der Flüsse betroffen. Um die Netzstabilität zu sichern, musste der Verbund aufgrund der Hitzewelle sogar Gaskraftwerke in der Steiermark in Betrieb nehmen.

Auch die südöstliche Steiermark wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. „Im Bezirk Bad Radkersburg sind einige Grundwasserspiegel im Juli bereits einen halben Meter gesunken“, erklärt Robert Schatzl von der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Steiermark. Vor allem die Bauern haben darunter zu leiden und blicken mit Sorge auf ihre ausgedörrten Böden. Aufgrund der Trockenheit gibt es schon Ernteeinbußen bei Mais, Heu und Silage.

Um ähnlichen Ausfällen im östlichen Niederösterreich, im Marchfeld, einem wichtigen Anbaugebiet für Getreide und Gemüse, entgegenwirken zu können, soll ein riesiges Kanalsystem zur Bewässerung errichtet werden. „Denn wir verzeichnen in diesem Gebiet um bis zu 400 Millimeter weniger Regen pro Jahr“, sagt Dr. Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur in Wien. Die noch vorhandenen knapp 600 Millimeter reichen für die Bewirtschaftung nicht aus. Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer sieht dringenden Handlungsbedarf. „Ohne Bewässerung drohen im Osten unseres Landes Trocken- und Klimaverhältnisse wie in der östlichen Türkei. Deshalb soll Wasser aus der Donau abgepumpt und zu den Feldern geleitet werden.

Wir haben bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.“ Bis zu 50 Kilometer weit soll Donauwasser geleitet werden. Bei hohem Wasserstand sollen dann auch Staubecken gefüllt und ein Gebiet von 250.000 Hektar bewässert werden können. Das entspricht sechs Mal der Fläche Wiens. Die Kosten für dieses Projekt dürften bei etwa einer Milliarde Euro liegen.
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