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Ausgabe Nr. 31/2017 vom 01.08.2017, Foto: Amigos/PR
Karl-Heinz und Bernd Ulrich sind seit 1970 als "Die Amigos" unterwegs.
„Die Krebs-Vorsorge ist uns wichtig“
„Die Amigos“ erleben eine musikalische Erfolgsgeschichte, die erst im fortgeschrittenen Alter begann. Davor verdienten Karl-Heinz Ulrich (68, li. i. B.) als LKW-Fahrer und Bernd Ulrich, 66, als Bierbrauer ihr Geld. Mit der WOCHE haben die beiden über ihr neues Album „Zauberland“ gesprochen, warum sie zur Darmuntersuchung gehen und ihnen Geld nicht wichtig ist.
Mit dem Lied „Sommer 65“ von Ihrem neuen Album „Zauberland“ tauchen Sie in Ihre Jugendzeit ein. Als Sie 15 und 17 Jahre alt waren. War früher alles besser?
Bernd Ulrich: Das würde ich nicht sagen. Zumindest weine ich dieser Zeit nicht nach. Wir haben schöne Erinnerungen daran, die wir mit diesem Lied und dem Album aufleben lassen. Heute ist alles anders. Jeder hat ein Mobiltelefon und ist nur noch am Telefonieren und Nachrichten versenden. Früher haben wir uns abends für Gespräche verabredet.

Wenn Sie die Zeit also zurückdrehen könnten, würden Sie nichts anders machen?
Karl-Heinz Ulrich: Nein, wir würden unser Leben genauso wieder leben, mit allen Höhen und Tiefen. Ich war als LKW-Fahrer glücklich und bin es als Sänger auch. Zufriedenheit im Leben ist wichtig. Das haben wir auch unseren Kindern vermittelt. Mein Sohn Mario hat sich sogar die Konterfeis von Bernd und mir auf seinen Oberarm tätowieren lassen. Also irgendwas müssen wir wohl richtig gemacht haben (lacht).
Bernd Ulrich: Ich kann mir sogar vorstellen, in meiner Pension wieder mit dem Bierbrauen zu beginnen. Das habe ich vor meiner Musikerkarriere ja lange gemacht. Das war ein interessanter Beruf, der mir viel Spaß bereitet hat.

Und das, obwohl Sie wenig Alkohol trinken …
Bernd Ulrich: Ja, das stimmt. Wenn wir für Konzerte unterwegs sind, trinken wir keinen Tropfen, um fit zu sein. Karl-Heinz fährt alle Strecken selber mit unserem Bus und abends treten wir auf. Mit den Autogrammstunden danach kommen wir oft erst um Mitternacht ins Hotel. Das Rauchen ist unser einziges Laster. Ansonsten ernähren wir uns gesund und gehen auch regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung. Unsere Mutter ist ja vor zwei Jahren an Krebs gestorben, unser Vater auch.
Karl-Heinz Ulrich: Vorher auch schon die Oma und der Opa. Wir sind also erblich vorbelastet. Wir dachten, wir werden nicht alt. Aber jetzt habe ich schon 68 Jahre auf dem Buckel. Bislang war alles in Ordnung.
Bernd Ulrich: Ich mache die Untersuchung nächstes Jahr wieder. Als Routineuntersuchung und als Vorsichtsmaßnahme.

Denken Sie manchmal an den Tod?
Karl-Heinz Ulrich: Hin und wieder. Aber es ist sicher, dass er eines Tages kommen wird. So ist das Leben. Keiner bleibt für immer. Darüber haben wir auch ein Lied geschrieben, „Mein bester Freund“. Angst vorm Sterben habe ich aber nicht.
Bernd Ulrich: Ich fürchte den Tod auch nicht.
Mein Wunsch ist, so zu sterben wie Udo Jürgens. Einfach beim Spazierengehen aus dem Leben scheiden. Kurz und schmerzlos.

Wie geht es Ihnen denn zurzeit gesundheitlich? Sie haben ja lange Zeit an qualvollen Rückenschmerzen wegen eines eingewachsenen Nervs gelitten …
Bernd Ulrich: Danke der Nachfrage. Das ist schon zwei Jahre her. Mir geht es wieder blendend. Als ich wegen der Rückenschmerzen im Spital lag, habe ich ständig unsere eigenen Lieder gehört. Ich wollte so schnell wie möglich zurück auf die Bühne. Unsere Musik hat mich sozusagen geheilt. Im vergangenen Jahr hatte ich einen Oberschenkelhalsbruch, beim Auswechseln einer Glühbirne bin ich unglücklich von der Leiter gestürzt. Auch da habe ich Reha auf Tour gemacht. Rock ‘n‘ Rollstuhl. Daheim zu sitzen und Konzerte abzusagen, das kam für uns nicht in Frage.

Sie sagen ja von sich selbst auch, dass Ihre Texte den Menschen Mut machen …
Karl-Heinz Ulrich: Ja, viele Anhänger meinen sogar, wir hätten sie mit unseren Liedern gerettet. Eine Mutter hat uns vor Kurzem einen berührenden Brief geschrieben. Sie hat ihre Tochter vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall verloren. Dieser Schicksalsschlag hat sie derart getroffen, dass sie selbst nicht mehr weiterleben wollte. Aber dann hörte sie sich unser Lied „Dann kam ein Engel“ an und fasste wieder neuen Lebensmut. Solche Geschichten bewegen uns natürlich sehr und bestärken uns in unserer Musik.

Ihre Schar an Anhängern ist riesig. Mit Ihren Platten haben Sie an die 20 Millionen Euro verdient. Was war das Teuerste, was Sie sich je gekauft haben?
Bernd Ulrich: Das Teuerste, was ich mir gekauft habe, war eine Armbanduhr um 500 Euro.
Karl-Heinz Ulrich: Auch unsere Frauen stehen nicht auf Luxus. Sie verstehen nicht, wie manche Damen 100 Paar Schuhe im Schrank haben können.


ZU DEN PERSONEN
Im Jahr 1970 gründeten die Brüder Bernd Ulrich
(2.12.1950) und Karl-Heinz Ulrich (19.11.1948) das Musikduo „Die Amigos“. Sie stammen aus Villingen (D). In der Anfangszeit traten sie vor allem auf Veranstaltungen in verschiedenen Dörfern und Städten auf. Der Durchbruch gelang ihnen 2006, als sie in „Achims Hitparade“ auftraten und den Titel „Musikantenkönig“ gewannen.

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