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Ausgabe Nr. 30/2017 vom 25.07.2017, Fotos: Shutterstock, koszivu/Fotolia, All mauritius, jivimages/Fotolia, doc-stock health & wellness
Gut für leicht verbrannte Haut, ein größerer Nutzen ist nicht belegt, im Gegenteil.
Wer zu Hause eine echte Aloe-vera-Pflanze hat, kann das Gel im Blattinneren für die Haut nützen.
Der gelbe Aloe-Saft wirkt stark abführend. Ärzte raten ab, damit eine Verstopfung (selbst) zu behandeln.
Das Gel der Aloe vera kühlt und befeuchtet (sonnen-)verbrannte Haut.
Aloe-Gel in Getränken oder Speisen verarbeitet.
Aloe vera wirkt, aber keine Wunder
Sie erlebt derzeit einen Höhenflug und wird sogar als Zutat in Kosmetika und Joghurt, als Saft und Kapseln feilgeboten. Die Aloe vera, pur oder verarbeitet, soll für die Gesundheit kleine Wunder bewirken. Doch in Aloe-vera-Blättern steckt ein Inhaltsstoff, der zu Durchfall führen und den Nieren zusetzen kann.
Die Versprechen klingen verlockend, die Lobeshymnen ertönen lauter und zahlreicher denn je zuvor. Aloe vera, so ist zu hören und mitunter zu lesen, hilft bei Entzündungen, innerlich wie äußerlich, unterstützt beim Aufbau von Zellen, kann den Blutzucker bei Diabetes regulieren und verbessert die Aufnahme von Vitamin C. So mancher Aloe-Freund spricht schon von einem Alleskönner oder einer Wunderpflanze.

Die Erfahrung zeigt jedoch, Wunder gibt es nicht, weder in der Pflanzenwelt noch in der Medizin. Daher haben jüngst die Gesund­heits­experten der Internetplattform medizintransparent.at, ein Zusammenschluss von Ärzten und Wissenschaftlern, sowie die Experten der Stiftung Warentest die vorliegenden Studien über die Wirksamkeit der beliebten Wüsten-Pflanze zusammengetragen und ausgewertet. Das Ergebnis ist ernüchternd. Nur für ein Anwendungs­gebiet ist der positive Nutzen der Aloe vera wissenschaftlich belegt.

Durchgefallen bei Schnitten, Neurodermitis oder Schuppenflechte

Welt­weit gibt es mehrere hundert Aloe-Arten. In der Kosmetik und Medizin kommt vor allem Aloe vera zum Einsatz, auch Aloe barbadensis oder Wüstenlilie genannt. Ursprüng­lich stammt sie wohl aus arabischen Ländern. Heute wird sie vieler­orts auf Plan­tagen angebaut. Das klare Gel in den läng­lichen, seitlich mit Stacheln besetzten Blättern speichert enorm viel Wasser. Tritt es bei Verletzungen aus der Pflanze, verschließt es sie wie ein natürlicher Wund­kleber. Diese Eigenschaft sei auch auf der menschlichen Haut zu beobachten, behaupten Anwender. Wissenschaftler sind vorsichtiger. „Es gibt zwar mehrere Studien, die belegen, wie Aloe vera bei frischen Wunden durch Verbrennungen, Schnitte oder Operationen sowie bei schwer heilenden Geschwüren hilft, doch die Studien sind mangelhaft. Noch magerer sieht es bei Neurodermitis aus. Für diese Hauterkrankung ist die Wirkung von Aloe vera bisher gar nicht in klinischen Studien untersucht worden“, sagt Mag. Bernd Kerschner von medizintransparent.at. Ebenso wenig sicher kann belegt werden, ob Aloe vera tatsächlich etwas gegen Schuppenflechte ausrichten kann.

Verdacht der Geldmacherei

Während es bei der Behandlung von Wunden nach Verbrennungen (auch nach Sonnenbrand) und von Entzündungen im Mund zumindest Hinweise auf Linderung durch eine kühle und befeuchtende Wirkung des Aloe-vera-Gels gibt, sind Hoffnungen auf eine innere Wirkung durch Joghurts, Säfte und Nahrungsergänzungsmittel kaum gerechtfertigt. Experten sprechen bei solchen Produkten sogar von hinausgeschmissenem Geld, weil es dazu nur Ergebnisse gibt, die von Zellen im Labor oder in Tierversuchen gewonnen wurden. Ob diese Wirkungen tatsächlich beim Menschen eintreten, dahinter steht ein großes Fragezeichen.

Gefahr für den Darm

Der gute Ruf der Aloe vera verstellt leider den Blick auf ihre weniger verträglichen Eigenschaften. Die betreffen vor allem Aloe-Latex, einen gelb­lich-bitteren Saft aus der äußeren Blatt­rinde, der immer wieder gegen Verstopfung einge­setzt wird. Er enthält spezielle Pflanzenin­halts­stoffe, die Anthrachinone Aloin A und B, die zwar abführend wirken, aber dem Darm nicht gut tun. „Die Einnahme von Aloe-Latex kann zu starkem Durchfall, Pigmentverfärbung der Darmwand, Nierenschäden, erhöhter Lichtempfindlichkeit der Haut und allergischen Reaktionen führen. Zusätzlich wird dieser Aloe-Extrakt als krebserregend eingestuft. Von einer Anwendung wird daher abgeraten“, warnt der Internist und Magen-Darm-Spezialist Dr. Hans Peter Gröchenig von den Barmherzigen Brüdern im Spital St. Veit/Glan (Kärnten). Zusätzlich bewirkt der Aloesaft eine starke Durchblutung in den Unterleibsorganen. Eine unerwünschte Wirkung während der Menstruation, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Hämorrhoiden oder bei Nierenentzündungen.

Gut bei Sonnenbrand

Um die (verbrannte) Haut im Sommer mit einer Extraportion Kühlung und Feuchtigkeit zu verwöhnen, kann die echte Aloe vera in Blumengeschäften und Gartenzentern in Töpfen gekauft werden. Für das fast durchsichtige Aloe-vera-Gel empfehlen Experten, immer die untersten, ältesten Blätter zu verwenden.

Ist das Blatt von der Pflanze getrennt, wird das untere Ende um zwei Zentimeter gekürzt. Danach zirka drei Minuten warten, bis das gelbliche bittere Aloin aus dem Blatt getropft ist und von der Schnittstelle noch einmal eine hauchdünne Scheibe von etwa einem Millimeter abschneiden, um mögliches Rest-Aloin zu entfernen. Nun ein zwei Zentimeter dickes Stück abschneiden, das Blattstück längs in der Mitte teilen und das freigelegte Pflanzengel auf die Haut auftragen und mit kleinen Kreisen sanft einmassieren.
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