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Ausgabe Nr. 30/2017 vom 25.07.2017, Fotos: picturedesk.com, all4price, Getty Images
Mit 70 blickt der Bodybuilder, Schauspieler und Politiker Arnold Schwarzenegger auf ein bewegtes Leben zurück.
Schwarzenegger als Kind.
Die Eltern und der Bruder.
Das Haus in der Steiermark, in dem Schwarzenegger seine Kindheit verbrachte.
1977 erhielt er einen „Golden Globe“
Schwarzenegger mit seiner Mutter.
Er macht sich für die Umwelt stark
Vom steirischen Landei zum Leinwandhelden und Gouverneur von Kalifornien. Arnold Schwarzenegger, der am 30. Juli seinen 70. Geburtstag feiert, machte eine Bilderbuchkarriere. Mit Immobilien und seinen Filmrollen wurde er zum Millionär, er heiratete seine Traumfrau, die Kennedy-Nichte Maria Shriver und mischte schließlich in der US-Politik mit. Sich zur Ruhe zu setzen, scheint aber für die „steirische Eiche“ nicht in Frage zu kommen. Vor sechs Jahren endete seine Zeit als Gouverneur, seitdem dreht er wieder Filme und reist zudem als Botschafter des Umweltschutzes um die Welt.
Er hat in Hollywood Karriere gemacht, in den mächtigen Kennedy-Clan eingeheiratet und sieben Jahre lang als Gouverneur Kalifornien regiert. Nun ist Arnold Schwarzenegger wieder da – als selbsternannter Retter der Umwelt.

Während sein republikanischer Parteifreund Donald Trump die Abkommen zum Schutz der bedrohten Erde zerreißt, jettet der „Terminator“ um den Globus, um für den Klimaschutz zu werben. Mit einer von ihm geleiteten internationalen Organisation will er die Erde grüner machen. Durch geringeren Energie-Verbrauch, weniger Treibhausgase und mehr „saubere“ Arbeitsplätze. Sein Ruhm könnte ihm dabei helfen.

Ein Ruhm, den sich seine Eltern, Aurelia und Gustav Schwarzenegger, nie für ihren zweitgeborenen Sohn hätten träumen lassen, als Arnold Alois Schwarzenegger am 30. Juli 1947 in Graz das Licht der Welt erblickte. Im Gegenteil. Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren sie froh, ihre beiden Söhne überhaupt ernähren zu können – zu essen gab es nicht viel.

„Wenn meine Mutter mich daran erinnern wollte, wie viel sie und mein Vater für mich geopfert hatten, erzählte sie mir noch Jahre später, wie sie von Hof zu Hof gezogen war und um ein bisschen Butter, Zucker und Getreide gebettelt hatte“, schreibt Schwarzenegger in seiner Autobiografie („Total Recall“, Heyne Verlag).

Kindheit und Jugend verbrachte die „steirische Eiche“, wie er oft genannt wird, in Thal, einem Dorf in der Nähe von Graz. Der unnahbare und bisweilen despotische Vater war von Beruf Gendarm und setzte gern Stock und Gürtel zur Züchtigung seiner Söhne ein, die sanfte Mutter war Hausfrau und ihrem um 15 Jahre älteren Mann treu ergeben. Zusammen mit Arnold und seinem um ein Jahr älteren Bruder Meinhard bewohnten sie die obere Etage eines gelben Steinhauses in Thal. Einen Stock unterhalb, im Erdgeschoß, lebte ein Förster.

Es waren einfache Verhältnisse, in denen Schwarzenegger aufwuchs, ohne Auto und, bis er 14 Jahre alt war, auch ohne Kühlschrank. Es gab keinen Wasseranschluss im Haus, folglich auch kein Badezimmer oder eine Toilette, nur einen Brunnen mehrere hundert Meter vom Haus entfernt. „Einer von uns Brüdern musste dort Wasser holen, selbst wenn es regnete oder heftig schneite. Entsprechend sparsam gingen wir mit dem Wasser um“, erinnert sich der heutige Multi-Millionär. Im Zuber mit dem heißen Wasser habe sich immer als erste die Mutter gewaschen, dann der Vater und am Schluss kamen er und sein Bruder an die Reihe.

Als Kind träumte „Arnie“ davon, reich und berühmt zu sein und in Amerika zu leben – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dass er seinen Traum tatsächlich verwirklichte, schrieb er später unter anderem den Entbehrungen in der Kindheit zu. „Mein Glück war, dass ich nach dem Krieg unter schwierigen Bedingungen aufwuchs. Da gab es wenig zu essen und kaum Geld. So wurde ich zum Kämpfer.“

Der Zufall wollte es, dass er Bekanntschaft mit Kraftsportlern machte, die sich am Wochenende immer am nahe gelegenen Thalersee herumtrieben. Von deren Gehabe und vom Aussehen der Muskelprotze war Schwarzenegger tief beeindruckt. Der Anführer der Gruppe, Kurt Marnul, war Leiter des ersten Gewichtheberklubs der Umgebung. Er nahm Schwarzenegger auf dessen Bitte hin im Sommer 1962 das erste Mal zum Training mit.

Bodybuilding wurde zu seinem Lebensinhalt

Von da an war es um den 15jährigen geschehen – Muskeltraining wurde zu seinem erklärtem Lebensinhalt. Jede freie Minute, die er neben seiner Tischlerlehre erübrigen konnte, verbrachte er in der Kraftkammer. Dass der Sportverein am Wochenende geschlossen war, konnte Schwarzenegger in seiner Trainingsbesessenheit irgendwann nicht mehr ertragen und schlug eines Sonntagnachmittags eine Fensterscheibe ein, um hineinzugelangen. „Er hat trainiert, bis die Polizei kam, die glaubte, es wären Einbrecher“, erzählt Marnul.

Dabei war es nur ein 15jähriger Bursche, der seine Gewichte stemmen wollte. Schließlich erhielt er eine Sondergenehmigung für sein Training am Wochenende.
Schwarzenegger war schon damals von dem Gedanken getrieben, mit Bodybuilding einmal „jemand“ zu werden. Ein Film über den griechischen Helden Herkules, in dem der Engländer und ehemalige Bodybuilder Reg Park auftrat, begeisterte den Jugendlichen nachhaltig. So wie Park, der in den Jahren 1951 und 1958 den Bodybuilder-Titel „Mr. Universum“ gewonnen hatte, wollte auch er sein, „ein Mann wie ein Tier“.

Marc Hujer, der Schwarzenegger ab dem Jahr 2006 immer wieder für eine Biografie über die „steirische Eiche“ interviewen durfte, schreibt in seinem Buch („Arnold Schwarzenegger. Die Biographie“, DVA): „Park war für ihn der lebende Beweis, dass man es mit einem perfekten Körper zur Leinwandgröße bringen kann.“

Der junge Arnold hatte also sein erstes Ziel gefunden. „Wenn Reg Park es geschafft hatte, konnte ich es auch schaffen. Ich würde ‚Mr. Universum‘ werden. Ich würde ein Filmstar, ich würde reich werden.“

Sein hartes Training mit Bankdrücken, Klimmzügen, Hantelkniebeugen und dergleichen machte sich bezahlt. In nur wenigen Jahren legte Schwarzenegger 20 Kilo an Muskelmasse zu und gewann seine ersten Titel. Zu dieser Zeit lebte und arbeitete er als Trainer in München (D). Doch bald zog es ihn weiter weg. Nachdem er 1967 mit nur 20 Jahren als jüngster „Mr. Universum“ aus dem Wettbewerb in London (GB) hervorgegangen war und den Titel im Jahr darauf noch einmal gewann, schien der Weg in die USA geebnet. Mit einer Sporttasche und 20 Dollar in der Geldbörse kam er 1968 in Amerika an.

Die erste Zeit in den USA war eine herbe Enttäuschung

Zunächst allerdings war nichts so, wie er es sich vorgestellt hatte. Beim ersten „Mr. Olympia“-Wettkampf 1968 wurde der Steirer „nur“ Zweiter, eine Platzierung, die er als schlimme Niederlage empfand. Den Grund glaubt Biograf Hujer zu kennen: „Er will sich nie einfach nur messen, sondern gewinnen, über allen stehen, aus dem Weg räumen, was ihn aufhalten will.“ Auch die amerikanischen Frauen waren alles andere als angetan von dem europäischen Kraftprotz, ganz anders, als er es von den deutschen Mädchen gewohnt war, die ihm massenhaft hinterherliefen.

Amerika schien insgesamt – allen hochfliegenden Träumen des jungen Mannes zum Trotz – nicht auf Arnold Schwarzenegger gewartet zu haben. Eine herbe Enttäuschung. Doch seinem Mentor, Joe Weider, dem Begründer der „Mr. Olympia“-Wettkämpfe, gelang es, ihn wieder aufzubauen. Weider vermittelte Schwarzenegger auch seine erste Filmrolle in „Herkules in New York“. Die Kritiker vernichteten den Streifen zwar. „Ein Produkt von seltener Dümmlichkeit“, lautete ihr Resümee, doch der Einstieg ins Filmgeschäft war damit getan.

Privat war Schwarzenegger zu der Zeit mit Barbara Outland liiert, einer 19jährigen Studentin aus San Diego, die der 22jährige im Juli 1969 in einem Hamburger-Restaurant kennengelernt hatte. Während sie ihn zuerst als „Abtörner“ empfand, wusste er von der ersten Sekunde an, was er wollte. Sie. Und es gelang ihm, sie von sich zu überzeugen.

Outland wurde eine der wichtigsten Frauen in Schwarzeneggers Leben und war neben seiner späteren Frau, Maria Shriver, die einzige, die er selbst immer aus der Menge seiner Frauengeschichten heraushob. „In einer Zeit, in der ich mich auf meine Ziele konzentriert habe, zeigte mir Barbara, nicht nur an mich zu denken, und diese Lektion hat mich mein ganzes Leben begleitet“, zitiert der Biograf Hujer Schwarzenegger. Wahrscheinlich war sie es auch, die ihn anspornte, Kurse in Betriebswirtschaft zu belegen; Jahre später hatte er dann seinen Abschluss als Bachelor in internationaler Wirtschaftslehre in der Tasche.
Zu Barbara Outlands großem Kummer blieb ihr Freund ein Frauenheld. Immer wieder hatte er Affären und meinte sogar, dies seinem Image als Draufgänger schuldig zu sein.
Schwarzeneggers Zügellosigkeit, was Frauen betraf, sollte noch gravierende Probleme verursachen. Outland sah zwar darüber hinweg, weil sie ihn heiraten wollte. Doch dafür war Schwarzenegger nicht bereit; die Beziehung zerbrach.

Für den nächsten Schritt auf seiner Karriereleiter waren zwei Männer mitverantwortlich, der Fotograf George Butler und der Schriftsteller Charles Gaines. Zuerst brachten die beiden ein Buch über die Geschichte des Bodybuildings heraus, mit Schwarzenegger im Fokus. „Pumping iron“ (engl. für „Eisen stemmen“) wurde ein Bestseller. Wenig später produzierten Butler und Gaines den gleichnamigen Dokumentarstreifen und verfilmten zuvor mit Schwarzenegger auch Gaines Romanvorlage
„Stay hungry“ (engl. für „Bleib hungrig“) unter dem Titel „Mr. Universum“ – dafür gewann der Steirer im
Jahr 1977 sogar einen „Golden Globe“ als bester Nachwuchsdarsteller.

Seine Bodybuilder-Karriere verfolgte er erfolgreich weiter. Insgesamt errang er in den 70er Jahren sechs Mal den Titel „Mr. Olympia“. Nebenbei nahm er Schauspiel- und Sprachunterricht, begann einen Versandhandel mit Fitnessartikeln und handelte mit Immobilien. Er kaufte heruntergekommene Wohnungen, renovierte sie und verkaufte sie weiter. Dieses Geschäft war äußerst lukrativ
und brachte ihm seine erste Million, „irgendwann zwischen 1976 und 1977“, sagt Schwarzenegger.
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