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Ausgabe Nr. 29/2017 vom 18.07.2017, Fotos: JackF/Fotolia, cooperr/Fotolia
Ob weiße oder rote Trauben, gegessen werden sie alle gerne.
Trauben sind ein wahrer Gaumenschmaus, in welcher Gestalt auch immer.
Süß und berauschend
Der Weinstock gewinnt immer mehr Liebhaber. Er verschönert kahle Hauswände, liefert schmackhaft süße Trauben und unterstreicht die Naturverbundenheit seines Besitzers. Höchste Zeit, sich dieses Gewächs einmal genauer anzusehen.
Wann die Menschen entdeckten, dass offen stehen gelassener Traubensaft in Gärung übergeht und sich nach einer Weile in Wein verwandelt, wissen wir nicht genau.
Sicher ist, dass bereits im Alten und Neuen Testament Bezug auf den Weinstock genommen wird. „Der Heiligen Schrift zufolge war Noah auch der erste Winzer, da er nach der Sintflut den ersten Weinstock pflanzte und sich später an dem köstlichen Saft betrank“, erklären Bibelforscher. Und natürlich wusste auch der griechische Weingott Dionysos um die Wirkung der Früchte im Wein, „der dem Menschen anfangs die Leichtigkeit eines Vogels verleiht, ihn dann stark macht wie einen Löwen und zuletzt dumm wie einen Esel“.

Wenn wir heute an Weintrauben denken, dann vermutlich erst einmal an die süßen Beeren in Grün, Blau oder Rot, die wir zu Genüge im Supermarkt angeboten bekommen. „Doch wenn wir es genau nehmen, dann sind das eigentlich keine Weintrauben, sondern Tafeltrauben. Der Grund dafür liegt darin, dass für die Erzeugung von Weinen völlig andere Rebsorten verwendet werden als zur Erzeugung von Tafelobst“, erklärt der Naturgärtner Siegfried Tatschl aus Kirchberg am Wagram (NÖ). So wird bei Trauben „zum Essen“ eher Wert auf größere Beeren mit wenig Säure gelegt. Zudem sollten sie möglichst keine Kerne enthalten, auf die Naschkatzen beim Verzehr beißen könnten.

Traubensorten „zum Trinken“, also zum Keltern von Wein, sind hingegen eher kleinbeerig, haben eine feste Schale und viele Kerne. Mittlerweile kennen und züchten wir weltweit mehr als 16.000 verschiedene Rebsorten, weiße und rote, mit und ohne Kerne.

Die ursprüngliche Wildform unserer Kulturrebe ist im südlichen Europa allerdings eine Bewohnerin der Auwälder. Sie ist eine Kletterpflanze, die im Schatten der Bäume wurzelt und bis in deren Kronenbereich auf etwa 15 Meter emporsteigt. Dort breitet sie dann ihre Triebe in der vollen Sonne aus. „Deshalb ist die Rebe auch so vielseitig und kann praktisch zu jeder gewünschten Form gezogen werden“, erzählt Tatschl.

Der Naturgärtner hat aus einigen Ästen seines ersten Weinstockes der Sorte „Aron“, einer weißen Tafeltraubensorte, eine Pergola gebaut. Bei nassem August-
wetter verderben jedoch regelmäßig große Trauben, da die Luftfeuchtigkeit unter der Überdachung hoch ist. „Einen Ast habe ich daher zehn Meter entlang der Hausmauer geleitet. Auch bei schlechtem Sommerwetter entwickeln sich hier die Trauben meist ohne Schimmel, da sie luftig hängen und gut abtrocknen können“, berichtet der Fachmann.

Zu sehen, wie der Wein blüht, wie die Beeren dicker werden und letztendlich erntereif sind, ist für viele Menschen in unserem Land bereits zu einem unverzichtbaren Sommervergnügen geworden. Schließlich können Weinstöcke hierzulande fast überall unkompliziert angebaut werden. Es empfiehlt sich aber, außerhalb der Weinanbaugebiete auf früh- oder mittelfrüh-reifende Sorten wie beispielsweise „Cardinal“ zurückzugreifen und ihnen einen sonnigen Standort an einer Hauswand zu geben. „Dann verbreiten die gesunden Triebe mit ihren schönen, handförmigen Blättern den ganzen Sommer hindurch ein südliches Flair. Selbst ein Balkon kann ein guter Platz für einen Rebstock sein, denn genau wie viele andere Gehölze lässt sich auch eine Rebe im Kübel halten“, sagt Tatschl.

Es lohnt sich übrigens auch, bei der Wahl der Sorte den Laubaspekt mit im Auge zu haben. Schließlich bringen einige blaue Traubensorten wie die „Königliche Esther“ im Herbst schmückende, rote Blätter hervor, die sich optisch äußerst reizvoll präsentieren. Doch ob als Frucht oder in Form eines guten Tropfens, „die Weintraube ist und bleibt ein Gaumenschmaus, in welcher Gestalt auch immer“, weiß der Naturgärtner.
Hwie
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