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Ausgabe Nr. 29/2017 vom 18.07.2017, Fotos: Universal Music, ddp images
Die „Kastelruther Spatzen“ sind eine Musikgruppe aus Südtirol. Deren Chef Norbert Rier, hinten Mitte.
Norbert Rier: "Die Forderungen wurden mit der Zeit immer höher. Er drohte, wenn wir nicht zahlen, passiert unseren Familien ein großes Unglück."
Der „Kastelruther Spatz“ Norbert Rier wurde jahrelang erpresst
Die „Kastelruther Spatzen“ aus Südtirol gehören zu den erfolgreichsten Musikgruppen im deutschsprachigen Raum. Sie sollen gute Laune verbreiten, aber deren Chef, Norbert Rier, 57, quälte jahrelang ein gemeiner Erpresser aus Deutschland. Er drohte mit Mord und wollte Geld. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht, verriet Rier im Gespräch.
Herr Rier, wir möchten einem Gerücht nachgehen: Sie sollen Opfer einer Erpressung geworden sein …
Ja, das ist richtig. Im Jahr 2011 ging das los. Ich und unser Trompeter Walther wurden mit Kurzmitteilungen, also SMS, überschwemmt. Die Polizei fand relativ schnell heraus, wer der Absender war, ein Deutscher aus der Region zwischen Regensburg und Augsburg.

Was wollte der Mann von Ihnen?
Geld. Das muss einer von diesen Menschen sein, die zu viel „Tatort“ schauen. Alles Schöne wird im Fernsehen ja verdrängt, es wird nur noch Gewalt gezeigt. Irgendwelche Geistesgestörten gibt es immer, die sich so was im Fernsehen abschauen und dann versuchen, Prominente zu erpressen.

Wie viel Geld wollte der Mann?
Am Anfang 180.000 Euro. Die Forderungen wurden mit der Zeit immer höher. Er drohte, wenn wir nicht zahlen, passiert unseren Familien ein großes Unglück. Wir würden das nicht überleben. Irgendwann blieb es nicht bei den SMS, er schickte auch Erpresserbriefe. Damit hatte ich dann wenigstens was in der Hand, was ich der Polizei übergeben konnte. Die nahm dann die Ermittlungen auf.

Der Erpresser soll bei Gericht schon einschlägig bekannt sein …
Ja, das ist einer dieser Typen, die von Polizei und Richtern offenbar nicht ernst genommen werden. Immer wieder ließen sie ihn laufen. Eigentlich müsste dieser Mann sofort aus dem Verkehr gezogen und weggesperrt werden. Von diesem Erpresser wissen wir, dass er bekanntermaßen nicht ganz dicht in der Birne ist. Er hat schon mehrere Menschen versucht zu erpressen.

Im Jahr 2011, sagten Sie, gingen die Erpressungsversuche los. Das ist ja schon ziemlich lange her. Warum dauert es so lange, den Mann zu fassen?
Einerseits, weil wir in Südtirol leben und dieser Mann aus Deutschland kommt. Andererseits, weil sich der Typ einmal hier und dann wieder da aufhielt. Teilweise sogar ganz bei uns in der Nähe. Er hatte sich sogar einen Meldezettel besorgt – inklusive der Unterschrift des Bürgermeisters.

Nun steht er in Bozen vor Gericht …
Ja, ich habe bereits ausgesagt. Es sind noch neun Verhandlungstage angesetzt. In ein paar Wochen soll das Urteil gefällt werden. Ich hoffe, der Richter fällt endlich einmal ein hartes Urteil.
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