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Ausgabe Nr. 28/2017 vom 11.07.2017, Fotos: duty
Einradfahren will gelernt sein.
Teller balancieren lernen die Kinder bei Wilma Navratil.
Bei den kleinen Artisten zeigt Moses, wie‘s geht.
Bei Michael Schuller wird zuerst gestaunt und dann gezaubert.
Gemeinsam geht‘s zum Essen in die Luftburg. In der Mittagspause werden neue Freundschaften geschlossen, wenn sich die Kinder von ihren Erlebnissen erzählen.
Akrobat schöööön
Eine Schule, in die Kinder gerne gehen, gibt es am Gelände des Wiener Praters. Zum siebenten Mal veranstaltet der Circus Louis Knie in den Ferien seine Circus-Schule. Am Ende der sechs abwechslungsreichen Tage heißt es dann „Manege frei“, wenn die Kinder zeigen, was sie gelernt haben.
Meine sehr verehrten Damen und Herren. Hier sehen Sie eine leere Schachtel“, sagt Christina. Enthusiastisch zeigt das elfjährige Mädchen ihrem Publikum, das aus etwa 15 Kindern besteht, die leere Schachtel. „Diese drei Bälle werden jetzt in der Schachtel verschwinden“, sagt das Mädchen und zeigt wie ein Profi dem Publikum die kleinen Schaumstoffbälle. Dann gibt sie die Kugeln in die Box, streicht mit dem Zauberstab über das Kästchen und murmelt die Zauberformel „Abrakadabra“. Als Christina langsam die Schachtel wieder öffnet, sind die Bälle – noch immer da. „Ach ja, was habe ich vergessen?“, fragt sie gespielt verwirrt ihre Zuseher. „Auf den Zauberhut klopfen“, sagt der kleine Jonas, bringt einen Zylinder, setzt ihn Christina auf und klopft drei Mal auf die Kopfbedeckung. Als sie die Schachtel wieder öffnet, sind die Bälle verschwunden. Das ist nur einer von vielen Tricks, die die Kinder-Zaubergruppe der Circus-Schule Louis Knie unter der Anleitung von Michael Schuller eine Woche lang lernen.

„Es sind einfache Tricks und die Kinder lernen schnell, weil sie mit Begeisterung bei der Sache sind“, sagt der Profi-Magier. Neben der präparierten Schachtel und dem Zylinder liegen so typische Utensilien wie ein Zauberseil, Spielkarten, Münzen und Seidentücher bereit. „Im Vordergrund steht der Spaß an der Sache, aber die Kinder sollen ja auch etwas lernen“, sagt der 36jährige und demonstriert, dass ein Seil mit einem Zauberspruch auch waagerecht an einem Ende gehalten werden kann. „Zeig, wie das geht, Michi“, rufen die Kinder wissbegierig. Der ausnahmsweise das tut, was unter Zauberern verpönt ist, und zwar erklären, wie das Kunststück funktioniert. „Aber ihm nichts verraten“, deutet er schmunzelnd mit dem Kopf auf den Streifzügler. Und wie „echte“ Magier halten die Kinder dicht.

Sind die kleinen Zauberer im Zirkuszelt untergebracht, übt die Jongliergruppe von Wilma Navratil bei schönem Wetter im Freien. „Je nach Alter und Geschicklichkeit machen wir unterschiedliche Übungen“, erklärt die 40jährige Artistin, die selbst aus einer Zirkusfamilie stammt. „Nur ganz kleine Bewegungen und nur aus dem Handgelenk, nicht mit dem ganzen Arm“, sagt sie, Sandras Hand führend. Das 14jährige Mädchen versucht, mit einem Stab einen Teller in Rotation zu versetzen. Ziel ist, den Teller auf der Spitze des Stabes zu balancieren. Was mit Starthilfe der fachkundigen Artistin schon ganz gut gelingt. Äußerst beliebt sind die Gemeinschaftsspiele, die die Geschicklichkeit der Kinder trainieren und bei denen alle mitmachen können.

„Schau Moses, ich bin fast ganz unten“, sagt Sandra aus der Akrobatik-Gruppe und zeigt ihrem Kursleiter, was sie nach zwei Tagen Circus-Schule schon kann. Nur noch 15 Zentimeter fehlen dem Mädchen für einen perfekten Spagat. „Die Kinder sind so beweglich, wenn sie ein bisschen trainieren“, sagt der 38jährige Artist aus Kenia, der seit 14 Jahren in unserem Land lebt. „Vor zwei Tagen war Sandra noch einen halben Meter vom Boden entfernt“, sagt Moses, bei dem auch Purzelbäume, Rad schlagen und Tanzen am Programm stehen. „Das Wichtigste ist aber, dass sich die Kinder nicht verletzen“, sagt der Artist, weshalb er mit seiner Gruppe auch ausgiebig Dehnungsübungen macht.

„Am Ende der Kurswoche veranstalten wir für die Eltern eine kleine Vorstellung in der Manege, bei der die Kinder zeigen, was sie gelernt haben (gr. Bi. li.)“, sagt der Zirkusbesitzer Louis Knie, der ständig vor Ort ist und auch die kleinen Artisten zum Mittagessen in die Luftburg begleitet, wo alle herzhaft zugreifen.

„War ich heute brav, Louis?“, fragt Matthias den Zirkusbesitzer, der neben ihm am Esstisch sitzt und ihm
dabei vertraulich die Hand auf die Schulter legt. „Ja, du warst heute sehr brav“, schmunzelt er, legt sein Besteck zur Seite und umarmt den Buben.

„Sagst es auch meiner Mama?“, fragt Matthias mit leuchtenden Augen weiter. „Klar mach ich das“, sagt Louis Knie mit einem Augenzwinkern. Genau das, was der kleine Mann hören wollte, denn jetzt fasst auch er das Besteck und beginnt zu essen. Es sind oft die kleinen Gesten, die große Gefühle zeigen. Und sie zeigen, dass sich die Kurskinder bei Louis Knie für eine Woche als Teil einer Zirkusfamilie sehen dürfen. Für Kinder, die einmal Zirkusluft schnuppern wollen, sind in der letzten Turnuswoche vom 17.7. bis 22.7. noch wenige Plätze frei. Die Kursgebühr beträgt € 249,–, Infotel.: 0664/19 19 701.
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