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Ausgabe Nr. 27/2017 vom 04.07.2017, Fotos: gruene.at, chrissinger.com
Harald Walser, Gernot Blümel
Ist die gemeinsame Schule bis 14 die Zukunft?
Mit der jetzt beschlossenen „Bildungsreform“ sind auch Gesamtschul-Modellregionen möglich. Die gemeinsame Schule bis 14 Jahre darf aber nicht mehr als 5.000 Gymnasiums-Unterstufenschüler umfassen. Damit könnte das gesamte Burgenland oder ganz Vorarlberg die gemeinsame Schule einführen. Allerdings müssen Lehrer und Eltern zustimmen. Und selbst das reformfreudige „Ländle“ wird frühestens in zehn Jahren die Gesamtschule einführen. So lange dauert die Vorbereitung.
JA: Harald Walser,
Bildungssprecher der Grünen

„Kinder, die schon in der Volksschule Nachhilfe bekommen? Zunehmender Konsum von Psychopharmaka bei Kindern? Schlaflosigkeit bei Neunjährigen? All das sind Auswirkungen der viel zu frühen Trennung von Kindern mit neuneinhalb Jahren. Das ist inhuman und gegen jede pädagogische Vernunft. Wohin hat uns dieses Schulsystem geführt? Ein Drittel der Kinder kann nach neun Jahren Schulpflicht nicht sinnerfassend lesen, auch im Spitzenbereich hinkt Österreich den führenden Nationen nach: egal, ob Finnland oder Südtirol, Neuseeland oder Kanada. Das muss anders werden. Kinder sind von Geburt an neugierig, wissbegierig und lernwillig. Sie dürfen nicht für soziale und kulturelle Defizite ihres Herkunftsmilieus bestraft werden. Deshalb brauchen wir eine humane und dennoch leistungsfähige gemeinsame Schule, in der alle Kinder Zeit für ihre Entwicklung bekommen – unabhängig vom Elternhaus. Individualisiertes Lernen muss möglich sein. Dafür braucht es ,Teamteaching‘, Förderunterricht, Kleingruppen, Kooperationen, Aufgabenbetreuung und Sozialarbeit. Wann, wenn nicht jetzt? Wir haben schon viel zu lange gewartet.“


NEIN: Gernot Blümel,
Wiener ÖVP-Landesparteiobmann

„Die Zukunft der Bildung muss sich mit den grundlegenden Problemen beschäftigen, dass Kinder lesen, schreiben und
rechnen können, wenn sie aus der Schule kommen. Das Gleiche für alle ist definitiv nicht das Beste für jeden. Daher geht es mir vor allem um Wahlfreiheit für Eltern und Schüler. Kinder haben unterschiedliche Talente und Fähigkeiten, diese müssen auch unterschiedlich wahrgenommen werden können. Das Gymnasium ist der Schultyp, der bestens funktioniert und äußerst beliebt ist. Ich verstehe nicht, warum man einen funktionierenden
Schultyp abschaffen soll, weil ein anderer Schultyp nicht funktioniert. Dadurch werden keine Bildungsprobleme beseitigt, sondern das Bildungsniveau generell gesenkt. Ich will aber, dass Leistung wieder positiv gesehen wird und wir wieder Exzellenz statt Mittelmaß anstreben. Wir alle freuen uns über die Leistungen unserer großartigen Schifahrer. Aber dort gewinnen auch diejenigen mit der besten und nicht mit der durchschnittlichsten Leistung. Gerade in einer Wissensgesellschaft dürfen wir uns nicht mit Mittelmäßigkeit zufrieden geben.“
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