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Ausgabe Nr. 27/2017 vom 04.07.2017, Foto: ARD/Christof Arnold
Simone Rethel: „Ich habe keine Angst vor meinem eigenen Tod, nur davor, noch mehr Menschen zu verlieren.“
„Mehr als einen Flirt brauche ich nicht“
Sie hat sich jahrelang nur um die Pflege ihres Mannes Johannes Heesters gekümmert. Nach dessen Tod im Jahr 2011, er starb im Alter von 108 Jahren, musste sich Simone Rethel, 68, wieder ins Schauspiel-Geschäft zurückkämpfen. Es ist ihr gelungen. In den nächsten Wochen ist sie in einer Gastrolle in der Telenovela „Sturm der Liebe“ (Mo. bis Fr., 15.20 Uhr, ORF2) zu sehen.
Frau Rethel, Sie hatten Ihr Leben gut 20 Jahre lang völlig auf Ihren Mann Johannes Heesters eingestellt. Wie schwer war es für Sie, nach seinem Tod wieder Rollen zu bekommen?
Anfangs haben Jopie und ich ja noch viel zusammen gespielt. Die tatsächliche Pause dauerte etwa neun Jahre, in denen ich nur noch für meinen Mann da war. Damals habe ich hier und da noch bei seinen Konzerten die Conférence gemacht. Nach Jopies Tod war es dann natürlich nicht so leicht, wieder reinzukommen. Die Regisseure und Produzenten, mit denen ich früher gearbeitet habe, sind inzwischen pensioniert oder verstorben. Deshalb stand ich vor der Schwierigkeit, mir die nötigen Kontakte erst aufbauen zu müssen. Dem Direktor René Heinersdorff vom Theater in Düsseldorf (D) habe ich zu verdanken, dass er mich wieder für die Bühne engagiert hat. Nach und nach kam ich wieder ins Geschäft, habe in der Zwischenzeit schöne Rollen gespielt.

Nun sehen wir Sie in einer Gastrolle in der Telenovela „Sturm der Liebe“ …
Ja, auch eine schöne Rolle. Wobei mir zunächst im Besetzungsbüro gesagt wurde, ich würde zu jung aussehen, für die Rolle aber graue Haare brauchen. Ich sprach daraufhin mit meinem Frisör, der mir sagte: Das geht gar nicht, wer so dunkles Haar hat wie ich, kann es nicht grau färben. Deshalb bekam ich für die Rolle eine graue Perücke – die ich derart schön fand, dass ich sie nach dem Ende der Dreharbeiten gekauft habe. Kann ja gut sein, dass ich sie noch einmal brauche.

Hatten Sie sich für die Rolle beworben?
Nein, ich wurde gefragt. Ich war auch überrascht und habe gesagt: Es gibt doch genug Kolleginnen, die wirklich graue Haare haben. Aber sie wollten mich. Ich bewundere die Kollegen, die in einer täglichen Seifenoper im festen Ensemble sind – das ist Knochenarbeit. Zwei Teams mit zwei Regisseuren drehen pro Tag eine Folge. Das schaffst du nur, wenn du gut vorbereitet bist. Aber dann macht‘s auch Spaß.

Welche Rolle haben Sie inne?
Ich verkörpere das frühere Kindermädchen der Hauptfigur Charlotte Saalfeld, dargestellt von Mona Seefried. Ich will noch nicht zu viel verraten, aber im Endeffekt geht es natürlich um eine Liebesgeschichte.

Es gibt ein Foto von Jopie Heesters, das Sie gemacht haben. „Nicht aufgeben“ steht drauf.
Das Bild habe ich für die Danksagungen nach der Trauerfeier verwendet. „Nicht aufgeben“ war Jopies Lebensmotto.

Wurde es auch zu Ihrem?
Absolut, ja. Ich habe das auch als letzten Auftrag verstanden, den Jopie mir mit auf den Weg gegeben hat. Sein letzter Wunsch an mich sozusagen.

Haben Sie nach Jopies Tod die Nähe zu seiner Familie gesucht?
Gesucht habe ich sie nicht – aber sie war einfach da. Gott sei Dank sind wir bis heute gut miteinander. Wir fahren sogar zusammen auf Urlaub. Es ist schön, von einer Familie aufgefangen zu werden. Ich hatte Jopie ja erst geheiratet, nachdem er sein Vermögen auf seine Kinder überschrieben hatte. Dadurch war von vornherein klar, dass ich es nicht auf sein Geld abgesehen hatte. Insofern konnte es dann auch gar nicht erst zu Erbstreitigkeiten kommen.

Gab es jemals einen Moment in Ihrem Leben, in dem Ihnen der Lebensmut abhanden kam?
Nein. Ich hatte eine Mutter, die manisch-depressiv war. Vielleicht war das der Grund, weshalb ich Negatives nie an mich herankommen ließ. Ich habe früh gelernt, mit dieser Krankheit umzugehen. Als Kind war ich naiv, habe in der Schule Witzheftchen gesammelt und geglaubt, damit könnte ich meine Mutter aus der Traurigkeit holen. Glücklicherweise bin ich ganz anders veranlagt, habe eine positive Lebenseinstellung. Im Gegensatz zu meiner Mami, die eher Angst vor jedem Tag hatte.

Wie sind Sie mit dieser Krankheit zurechtgekommen?
Das ist schwer. Teilweise waren ihre Depressionen so heftig, dass sie nicht mehr in der Lage war, sich anzuziehen. Diese Menschen sind dann derart blockiert, dass sie gar nichts mehr machen können. Als Kind wirst du gezwungenermaßen früher erwachsen, weil du der Mutter einiges abnehmen musst. Und was ein Kind auch schwer begreift: Diese Krankheit kommt in Wellen. Beides ist extrem – die Hochphasen ebenso wie die depressiven Phasen. Das kommt aber nicht, weil irgendetwas im Leben schiefgelaufen ist, sondern es ist eine Krankheit, die von innen kommt. Sie ist mit Medikamenten in den Griff zu bekommen. Meine Mutter weigerte sich aber, die Medikamente zu nehmen. Sie sagte: „Die lähmen mich. Ich werde davon müde.“

Es gibt ein Buch von Ihnen – „Schönheit des Alters“. Was, glauben Sie, wird bei Ihnen selber im Alter schön?
Das ist ein Fotobuch, das ich über meinen Mann gemacht habe. Und er war ja nun wirklich bis ins hohe Alter ein schöner Mann. Aber mit diesem Buch fing ich an, mich mit dem Thema zu beschäftigen, und wurde dann auch Botschafterin für die „Initiative Altern in Würde“. Das Schöne am Alter ist doch die angesammelte Lebenserfahrung. Also, ich war in jüngeren Jahren viel gehemmter und unsicherer. Das Schöne am Alter ist deshalb auch, selbstsicherer zu werden.

Auch im Umgang mit Männern?
Durchaus. Flirts kommen heute noch vor (lacht).

Wären Sie denn noch einmal bereit, sich auf eine Beziehung einzulassen?
Da kann ich nur sagen: Da müsste einer kommen, der so ist wie Jopie. Aber diesen Mann gibt es kein zweites Mal. Einen Flirt zwischendurch, dieses gewisse Flirren aus einer bestimmten Situation heraus – das lasse ich mir gerne gefallen. Mehr brauche ich nicht.


ZUR PERSON

Simone Rethel wurde am 15. Juni 1949 in Herrsching am Ammersee (D) geboren. Sie kam früh zur Schauspielerei. Noch als Schülerin im Alter von 16 Jahren übernahm sie erste Rollen. „Erstaunlicherweise verbesserten sich dadurch meine Noten in der Schule, die Doppelbelastung war für mich richtig gut. Vorher hatte mich die Schule nicht sonderlich interessiert“, meint die Darstellerin, die von 1992 bis zu seinem Tod im Jahr 2011 mit ihrem Kollegen Johannes Heesters verheiratet war. „Jopie fehlt mir immer noch“, meint Rethel. Und: „Ich habe keine Angst vor meinem eigenen Tod, nur davor, noch mehr Menschen zu verlieren.“
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