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Ausgabe Nr. 27/2017 vom 04.07.2017, Fotos: duty, picturedesk.com
Ab 16. August wird im Großen Redoutensaal in der Hofburg getagt.
Ein Gebäude mit Geschichte
• Das Parlament wurde von 1874 bis 1883 nach einem Entwurf von Ringstraßen-Architekt Theopil Hansen errichtet. Es sieht nicht zufällig aus wie ein antiker griechischer Tempel. Griechenland gilt als Wiege der Demokratie.
• 1945 wurde das Haus am Wiener Ring schwer von Bomben getroffen. Der Nationalrats-Sitzungssaal brannte vollkommen aus. Mit dem Wiederaufbau wurden die Architekten Max Fellerer und Eugen Wörle beauftragt. Sie gestalteten den Saal neu.
• Im Jahr 2005 öffnete das Besucherzentrum seine Pforten. Es wurde im Zuge der Sanierung der Rampen- und der Brunnenanlage des Parlaments errichtet.
Noch ist nicht alles fertig, die Adler-Kopie hängt schon.
Hofburg statt Hohes Haus
Am 13. Juli findet die letzte Sitzung des Nationalrates im Haus am Ring statt. Dann wird übersiedelt. Ab Mitte August steht der umgebaute Redoutensaal in der Hofburg für die Abgeordneten bereit. Drei Jahre dauert die Renovierung des Parlamentsgebäudes. Das soll die Steuerzahler insgesamt höchstens 437,5 Millionen Euro kosten.
Der Adler ist schon gelandet. Auch wenn es nur eine Kopie ist. Das echte Wappentier „ist zu sperrig und zu schwer. Weil er aus einem einzigen Stück gefertigt ist, kann er auch nicht zerlegt werden“, erklärte SPÖ-Nationalratspräsidentin Doris Bures einmal.
Das Original, ein 650 Kilo schweres, vier Meter breites und fast drei Meter hohes Stahlblech-Ungetüm, hängt noch im Sitzungssaal des Parlaments. Sein leichterer Bruder wurde schon Mitte Juni im Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg montiert. Dort wird der Bundesadler die nächsten drei Jahre auf die Parlamentarier herunterschauen. National- und Bundesrat tagen während der Parlaments-Sanierung in dem 680-Quadratmeter-Saal.

Wenn sie am 13. Juli die Neuwahl beschließen, sitzen die Abgeordneten wohl zum letzten Mal auf ihren abgewetzten braunen Sesseln. Sie werden versteigert, nachdem Mitte August das Parlament seine Pforten schließt. Aus dem Hohen Haus wird eine Baustelle.

An die 700 Schreibtische, 1.400 Kästen, 1.700 Sessel sowie 68 Stahlschränke und Tresore müssen bis dahin übersiedelt werden. Mehr als 700 Arbeitsplätze „wandern“ unter anderem in die drei Pavillons im Bibliothekshof der Hofburg und auf dem Heldenplatz.

Die Büro-Übergangsquartiere sind mit Netzfolien verkleidet. Auf ihnen prangen Gesetzestexte, etwa aus der Verfassung. Die Folien sollen „mit der Umgebung kommunizieren“, aber vor allem Sicht- und Sonnenschutz sein. Ausmisten mussten die Parlaments-Mitarbeiter schon vorher. Jeder hat nur acht Umzugskartons zur Verfügung. Ein großer Teil der Akten wurde aber auch digitalisiert, ein Zehntel des Papierwustes soll mit übersiedeln. Der letzte Umzugs-LKW fährt am 10. August.

Drei Jahre dauert die Renovierung des Parlaments. Die Sanierung und Neugestaltung soll höchstens 352,2 Millionen Euro kosten. Dazu kommen rund 51 Millionen für die Ausweichquartiere und die Übersiedlung. Insgesamt haben Rechnungshof-Experten Kosten von fast 440 Millionen Euro berechnet. Kritik gibt es vom Rechnungshof an den „hoch angesetzten Reserven für Risiken und Unvorhergesehenes in der Höhe von 76,3 Millionen Euro“. Das sei notwendig gewesen, weil „die Sanierung eines historischen Gebäudes doch zahlreiche unbekannte Faktoren birgt“, erklärt allerdings ein Parlamentssprecher.

Auch der Ausbau unter dem Reichsratssaal ist für die Rechnungshof-Prüfer riskant. „Die geplanten massiven Baumaßnahmen unterhalb des Saales könnten Schäden und bisher nicht berücksichtigte Mehrkosten verursachen“, heißt es im Bericht. Doch im Parlament wird der Ausbau verteidigt. Sonst hätten „Fremdflächen“ angemietet werden müssen.

Der historische Reichsratssaal hat 512 Plätze, die einst für die Abgeordneten der Habsburger-Monarchie gedacht waren. Neun Jahre wurde am Parlament gebaut, das der Architekt Theophil Hansen nach „griechischem Stil“ entwarf. Heute wird der Saal vor allem für die Angelobung des Bundespräsidenten benutzt. Er ist in seiner ursprünglichen Form aus dem Jahr 1883 erhalten.

Im Gegensatz zum Nationalratssaal, der in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Fast die Hälfte des Gebäudes lag nach 1945 in Schutt und Asche. Erst 1956 wurde der neugestaltete Sitzungsraum fertiggestellt.

Er wird nach der Sanierung ein anderes Gesicht haben. Bequemere Sessel, ein neues Glasdach und Terrassen sind vorgesehen. Der Umbau sei notwendig, beschlossen die Abgeordneten einstimmig, weil nach dem Wiederaufbau nur einmal saniert worden sei. Im Jahr 2005 wurde die Parlamentsrampe erneuert. Seither gibt es das Besucherzentrum und ein ORF-Stadtstudio. Die Kosten lagen damals bei rund 30 Millionen Euro.

Doch die erste Hürde für das Großprojekt hat sich schon aufgetan. Die Ausschreibung der Baumeisterarbeiten musste widerrufen werden. Alle drei „abgegebenen Angebote lagen deutlich über der festgesetzten Kostenobergrenze“, heißt es. Bau-Verzögerungen soll es dadurch aber derzeit keine geben.
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