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Ausgabe Nr. 25/2017 vom 20.06.2017, Fotos: Universal Music
Lorde: "Stellen Sie sich vor – einige meiner Freunde lesen sogar wieder Zeitung."
Auf „Melodrama“ präsentiert Lorde wieder
ihre herrlich tiefe Stimme.
„Ich bin keine Drama-Königin“
Sie neigt eigentlich nicht dazu, melodramatisch zu sein. Aber sie kann gut über sich selbst lachen und Situationen intensiv erleben. Und sie lässt ihren Gefühlen gern freien Lauf. Deshalb hat die erst 20jährige Neuseeländerin Ella Yelich-O‘Connor, die sich Lorde nennt, ihr zweites Album „Melodrama“ genannt. Darauf lässt sie die Hörer offen, ehrlich und musikalisch variantenreich an ihrem Leben teilhaben, verriet sie dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth.
Lorde, Sie singen in Ihrem Lied „Green Light“ leidenschaftlich darüber, endlich losgehen zu können.
Wohin genau wollen Sie denn gehen, wenn die Ampel auf Grün schaltet?

Den Song habe ich als Motivationshilfe an mich selbst geschrieben, endlich abzuschließen mit einer Sache und weiterzumachen mit meinem Leben. Das grüne Licht, das ich wollte, war die Freiheit. Nicht länger festgezurrt in einer Situation zu stecken, in der ich nicht stecken und mir das Hirn über jemand anderen zermartern wollte.

Um welche Freiheit genau geht es?
Um die herrliche Freiheit, nach einer langen Beziehung, genauer gesagt, nach meiner ersten langen Beziehung überhaupt, wieder solo zu sein und diesen Zustand endlich genießen zu können. Ganz ohne Wirrwarr der eigenen Gefühle.

Sie haben das Album „Melodrama“ genannt. Wie melodramatisch sind Sie?
Ich denke nicht, dass ich zur Melodramatik neige. Ich mag es jedoch, alles und jedes intensiv zu spüren. Im Angesicht derartiger leibhaftiger, von mir selbst übertriebenen Gefühlsausbrüche, das gebe ich zu, habe ich meine melodramatischen Momente. Aber ich glaube, dass ich einigermaßen entspannt bin. Zur Drama-Königin neige ich nicht (lacht).

Und warum heißt das Album so?
Da gibt es einige Gründe. Erstens lache ich quasi über mich selbst und über diese Haltung, wenn du 19 Jahre alt bist und alles fühlt sich an wie die größte Sache der Welt. Meine Gefühle kamen mir so eigenartig vor, als hätte noch nie jemand auf der Welt auch nur annähernd ähnlich heftige Gefühle gehabt.

Vor vier Jahren sind Sie mit Ihren Liedern schnell berühmt geworden. Sie werden sogar als „Die Stimme einer Generation“ genannt. Was glauben Sie, beschäftigt Ihre Altersgenossen derzeit am stärksten?
Auf dem ersten Album habe ich immer über „wir“ gesungen, über ein „uns“, bestehend aus meinen Freunden und mir. „Melodrama“ dreht sich viel mehr um das „Ich“, um meine eigenen Erfahrungen. Gut möglich, dass ich damit ein untypischer Fall bin. Denn die Menschen sind politisch und sozial viel interessierter und engagierter als noch vor zwei, drei Jahren, sie wollen verstehen, was da vor sich geht. Stellen Sie sich vor: Einige meiner Freunde lesen sogar wieder Zeitung.
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