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Ausgabe Nr. 25/2017 vom 20.06.2017, Fotos: Imago, Thomas und Thomas
Der ehemalige „Beatle“ Paul McCartney feierte seinen 75. Geburtstag. Jetzt gibt‘s eine neue Biografie.
Zunächst zu fünft, traten die „Beatles“ 1960 zu viert in Leder auf. Schließlich, wie sie bekannt wurden. Paul, John, George und Ringo.
Paul (li.) mit Bruder Michael.
Ein Musik-Genie, dem Tod entrissen
Der Start ins Leben verlief bei Paul McCartney dramatisch. Er wurde zum Mädchenschwarm, verlor früh seine Mutter und entwickelte sich zum Musik-Genie, das ohne nennenswerte professionelle Ausbildung auskam. Der schmerzliche Verlust seiner ersten Frau und eine teure Scheidung machten ihm zu schaffen.
Er gehörte der erfolgreichsten Band der Musikgeschichte an, rauchte jahrzehntelang Marihuanazigaretten und trägt die Asche seiner verstorbenen Frau Linda in einem Medaillon bei sich. Paul McCartney ist eine lebende Legende. Ein Musik-Genie, das am 18. Juni 75 Jahre alt wurde. Zu diesem Anlass veröffentlichte der britische Autor Philip Norman eine fast eintausend Seiten umfassende Biografie mit dem schlichten Titel „Paul McCartney“ (Verlag Piper). Die erste, die vom früheren „Beatle“ genehmigt wurde. Ein Muss für jeden Anhänger des Musikers, der um ein Haar gar nicht die Möglichkeit bekommen hätte, Ohrwürmer wie „Yesterday“ zu schreiben. Zum Glück gab‘s eine gläubige Hebamme.

Im April 1941 hatte der 41jährige Dreher einer Munitionsfabrik, freiwillige Feuerwehrmann und Hobbymusiker Jim McCartney die 32jährige Krankenschwester Mary geheiratet. Am 18. Juni des darauffolgenden Jahres brachte sie ihren ersten Sohn Paul zur Welt. In seiner Biografie schreibt Philip Norman dazu, „… die Geburt fand im Walton General Hospital in Liverpool statt. Mary hatte dort als Krankenschwester einst die Entbindungsstation geleitet und kam daher in den Genuss eines Einzelzimmers. Das Baby kam scheintot zur Welt, verursacht offensichtlich durch eine Sauerstoffunterversorgung im Gehirn, und offensichtlich atmete es nicht. Die Geburtshelferin wollte das Kind für tot erklären, aber die Hebamme, die Mary gut kannte und wie die junge Mutter Katholikin war, betete inbrünstig zu Gott, und nach wenigen Augenblicken erwachte es zum Leben. Der Vater hielt Brandwache und erreichte das Spital erst einige Stunden später, als das Baby definitiv atmete und auch gar nicht mehr totenbleich war. Der Bub hatte ein Auge geöffnet und plärrte ununterbrochen, erinnerte sich der Vater mit wahrer Liverpooler Freimütigkeit. Sie hielten ihn in die Höhe und er sah aus wie ein fürchterlich rohes Stück Fleisch.“

Im Jänner 1944 kam Bruder Peter Michael zur Welt, der fortan Mike gerufen wurde. Der Wohnraum der Familie war begrenzt, daher zog sie immer wieder um. Als Paul fünf Jahre alt war, nahm die Mutter eine Anstellung als Hebamme an und die McCartneys bekamen eine Sozialwohnung. An die Mutter hat er die besten Erinnerungen. „Es gab viele Umarmungen und Küsschen. Tröstlicher aber war noch ihre professionelle Geschicklichkeit, mit der sie Verbände oder Pflaster anlegte und das Fieberthermometer schüttelte, bevor sie es mir unter die Zunge schob.“

Der Vater nahm den Buben dagegen gern zu Konzerten der Blasmusikkapellen mit, die in den weitläufigen Parks von Liverpool gegeben wurden. Er liebte unter anderem diese Art der Musik und hatte sich selbst das Klavierspielen beigebracht. Sein Sohn sollte es richtig lernen, deshalb ermöglichte er ihm einen Privatunterricht bei einer älteren Dame. Das gefiel Paul jedoch gar nicht. „Es muffelte nach alten Menschen und ich hatte dadurch zusätzliche Hausaufgaben“, wird der Musiker in der Biografie zitiert. Deshalb gab er es auf, schaffte aber mit elf Jahren die Aufnahme an das renommierte Liverpool Institute High School for Boys, es war die angesehenste Schule der Stadt. Paul McCartney war einer von nur vier Buben aus seiner Volksschule, dem dies gelang. Er war ruhiger als sein jüngerer Bruder, der immer wieder in Streitereien verwickelt wurde und nicht selten die flache Hand des Vaters zu spüren bekam. Der Ältere konnte dagegen Auseinandersetzungen meist ausweichen. Seine zurückhaltende, höfliche Art machte dies möglich. Dazu zeigte er ein derart unschuldiges Gesicht, dass er damit sogar die Lehrer an der Mittelschule täuschen konnte. Seine Leistungen blieben mäßig, obwohl er der Klassenbeste hätte sein können. „Aber Paul hasste es, gesagt zu bekommen, was er zu tun hatte.“ Dafür wusste der Teenager, welche Wirkung er mit seinen braunen Augen auf die Mädchen erzielte. Damit lockte er sie scharenweise an. Eine Klassenkameradin erinnerte sich: „Paul hatte ein Engelsgesicht. Ich war, wie die meisten meiner Freundinnen, in ihn verliebt. Wenn er im Bus auf dem Weg zur Schule an uns vorüberfuhr, winkten wir ihm zu und sprangen auf und ab.“

Bis zum 14. Lebensjahr verlief das Leben von Paul und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder recht sorglos. Dann wurde bei ihrer Mutter Brustkrebs diagnostiziert. Es gab keine Rettung mehr. Zu viele Metastasen hatten sich gebildet. Mary McCartney starb im Alter von siebenundvierzig Jahren. „Das Schlimmste war für mich“, erinnerte sich Paul McCartney, „meinen Vater weinen zu sehen.“ So sehr auch er trauerte, in der Öffentlichkeit rollte keine Träne. „Ich war fest entschlossen, es nicht an mich heranzulassen. Ich habe weitergemacht. Und gelernt, mich mit einer harten Schale zu umgeben.“
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