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Ausgabe Nr. 20/2017 vom 16.05.2017, Foto: picturedesk.com
Campino, der Front mann von „Die Toten Hosen“
„Der Bio-Laden ist für mich wichtig geworden"
Er ist mit seinen 54 Jahren noch immer gelenkig. Weil er sich regelmäßig in einem asiatischen Kampfsport übt. Deshalb ist Campino, der Frontmann der deutschen Band „Die Toten Hosen“ recht zufrieden mit sich. Ebenso mit dem neuen Werk, das kürzlich unter dem Titel „Laune der Natur“ auf den Markt gekommen ist. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat Campino auf den Zahn gefühlt.
In wenigen Wochen beginnt die Konzertsaison. Machen Sie sich dafür entsprechend fit? Zum Beispiel, indem Sie in eine Art Trainingslager fahren?
Das würde ich gerne tun – in einer optimalen Welt würde ich mich so vorbereiten. Unsere Arbeit ist körperlich anstrengend. Aber im Gegensatz zum Fußball können die Spieler unseres Teams nicht ausgetauscht werden.

Versuchen Sie regelmäßig, ob Sie noch den Spagat hinkriegen?
Nein, ich war immer ziemlich biegsam und gehe davon aus, dass dies auch heute noch so ist. Ich habe vor Jahren dank eines Freundes das traditionelle Muay-Thaiboxen für mich entdeckt. Das mache ich zwar nicht regelmäßig, aber immer wieder einmal. Dabei muss ich mich ganz gut bewegen können – daher weiß ich, dass bei mir alles noch funktioniert.

Auf dem neuen Album „Laune der Natur“ ist alles drauf, was das Herz eines Anhängers der „Toten Hosen“ begehrt. Oder, wie Ihre Plattenfirma sagt: Alles, was Anhänger an den „Hosen“ lieben und alles, was sie an ihnen hassen. Stimmen Sie zu?
Keine Ahnung, das muss der Hörer beurteilen. Ich versuche mir immer klarzumachen, dass ich alles gegeben habe, was in dieser Zeit drin war. Wir wollen immer eine Bandbreite, textlich wie musikalisch, abliefern. Was mir dieses Mal erst im Nachhinein bewusst wurde: Es dreht sich viel um Tod und Vergänglichkeit.

Kein Wunder, Sie haben mit Ihrem früheren Schlagzeuger Wölli und Ihrem langjährigen Manager Jochen Hülder zwei Ihnen nahestehende Menschen verloren …
Grundsätzlich gehören Leben und Tod immer zusammen. Ich teile nicht das Bedürfnis vieler Menschen, den Tod zu tabuisieren. Er steht immer irgendwie neben einem. Lebenskurven verlaufen ja unterschiedlich. Wir werden nicht alle alt, manch einer wandert schon früh in die Kiste. Aber ich finde, wir sollten offen damit umgehen. Deshalb spielt der Sensenmann bei uns immer wieder eine Rolle. Aber auch die Sehnsucht, das Leben zu zelebrieren.

Im Lied „ICE nach Düsseldorf“ beschäftigen Sie sich auf
heitere Weise mit dem Tod …

Das muss auch einmal sein. Wenn ich einen Wunsch habe, dann den, dass wir keine Jammerlappen werden. Am Schluss muss immer klar sein, dass das Leben ein wahnsinniges Geschenk ist.

Fürchten Sie den Tod?
Jetzt gerade nicht. Es kommt immer darauf an. Es gibt Momente, da ist dir alles egal und dann wiederum klammerst du dich an dein Leben. Es gibt Situationen, da können wir unglaublichen Mut entwickeln und in anderen sind wir enttäuschend schwach.

Bisher sind Sie ja glücklicherweise gesundheitlich – abgesehen von einem Kreuzbandriss - von schwereren Gebrechen verschont geblieben. Das alte Punk-Motto „Lebe schnell, stirb jung“ trifft nicht auf Sie zu …
Diese Parole zieht bei mir nicht mehr, dafür ist es zu spät. Manche Menschen haben Glück, manche nicht. Einigen Freunden von uns ist es schlechter ergangen. Heroin, Koks, Alkohol – wir haben das ganze Programm durchgemacht. Sie haben gar nicht so wesentlich anders gelebt als wir, aber es war Pech dabei. Sie haben nicht mehr die Kurve gekriegt, sich davon loszulösen.

Und jetzt gibt es nur noch Bio-Produkte für Sie?
Ja, irgendwie schon. Der Bioladen als letzte Station vor dem Endbahnhof sozusagen (lacht). Tatsächlich ist es so, dass ich immer mehr auf meine Ernährung achte. Früher ernährte ich mich vorwiegend von Pommes und anderem ungesunden Zeug, mindestens zwei Mal am Tag. Heute würde mein Körper das nicht mehr schaffen.

Sind Sie Vegetarier?
Nein, aber ich esse kaum Fisch und Fleisch. In den vergangenen Monaten bin ich sogar zum Suppen-Freund geworden. Gemüsesuppen sind ein Hammer. Das kommt vielleicht von den vielen Aufenthalten in Asien, wo es ja Suppen schon zum Frühstück gibt.
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