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Ausgabe Nr. 20/2017 vom 16.05.2017, Fotos: Trölß
Susanne Höggerl ist eine Frohnatur.
Höggerl am Arbeitsplatz. Hier bereitet sie sich auf die Sendungen vor.
„Mein Mann bügelt besser als ich"
Seit 1. Mai präsentiert Susanne Höggerl, 44, mit Tarek Leitner die „Zeit im Bild 1“. Privat wünscht sich die Zweifachmama einen Hund, überwand ihre Flugangst und gibt alten Pferden ein Gnadenbrot.
Ich bin glücklich. Ich bin glücklich über alles, was ich in meinem Leben habe“, sagt Susanne Höggerl und die Freude ist der 44jährigen gebürtigen Steirerin regelrecht ins Gesicht gezeichnet. Seit Anfang Mai ersetzt Höggerl ihre Kollegin, die „ZiB 1“-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann, 41, die ihres Sohnes zuliebe in die Elternteilzeit wechselte, und präsentiert mit Tarek Leitner die größte Nachrichtensendung unseres Landes, die „Zeit im Bild“ ab 19.30 Uhr.

Aufgeregt ist sie deswegen nicht oder besser gesagt nicht mehr. „Meine allererste ‚ZiB‘-Moderation war im Jänner 2014. Ich musste einspringen, weil beide Moderatorinnen Nadja Bernhard und Marie-Claire Zimmermann krank waren. Damals habe ich keine Zeit gehabt, nervös zu sein. Als ich eineinhalb Jahre später die Karenzvertretung für Marie-Claire Zimmermann antrat, erst da hatte ich richtig Herzklopfen, weil ich wusste, ‚Das mache ich jetzt einen längeren Zeitraum‘“, erinnert sich Höggerl. Heute ist sie Profi durch und durch.

Dass die Welt der Nachrichten eines Tages ihr tägliches Brot sein würde, nahm schon in der Kindheit seine Anfänge. „Ich bin in Unterpremstätten, einer kleinen Siedlung bei Graz aufgewachsen. Damals haben wir Kinder oft draußen gespielt. Wir waren stundenlang im Wald unterwegs, hatten viel Freiheit und gründeten einen Detektivklub. Meine Schwester, die drei Jahre älter ist, ich und zwei Nachbarsfreundinnen haben sogar eine Zeitung gemacht. Wir waren damals zehn, zwölf Jahre alt. Die Zeitung nannten wir ‚Pinkus‘. Wir haben Witze, Wissenswertes über die Natur und andere Informationen gesammelt und in die Zeitung gegeben. Wir schrieben die Texte selber und haben uns gegenseitig interviewt. Das hat sich natürlich irgendwann erschöpft, aber ich glaube, wir haben unsere Zeitung fünfzehn Mal herausgebracht.“
Die Kindheit verlief glücklich, die Schulzeit ohne Sitzenbleiben. „Ich hatte kurz den Wunsch, Tierärztin zu werden. Bis ich daraufgekommen bin, dass das mit viel Blut und Leid verbunden ist. Da war klar, das möchte ich nicht.“

Nach der Matura und mit dem Gefühl, die Liebe zu Deutsch und anderen Sprachen sei ihre Stärke, begann Höggerl das Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Sie sammelte danach Erfahrungen in einer Werbeagentur, bei privaten Radiosendern und stellte sich schließlich den Aufnahme- und Vorstellungsgesprächen beim ORF, dem sie nun bald seit zwei Jahrzehnten „treu“ ist.

Dem beruflichen Erfolg steht das Glück im Privatleben gegenüber. Susanne Höggerl ist Mutter eines zehnjährigen Sohnes und einer siebenjährigen Tochter. Mit ihrem Mann Felix Kossdorff, 46, lebt die Familie in einem Haus in Niederösterreich an der Grenze zu Wien. 13 Jahre waren die beiden ein Paar, ehe sie sich im Jahr 2005 das Jawort gaben. „Wir haben zuerst in Kumberg bei Graz nur standesamtlich geheiratet und es niemandem gesagt. Dann wollten wir aber doch mit allen feiern. So haben wir ein paar Wochen später auch kirchlich geheiratet. Jetzt haben wir zwei Hochzeitstage. Den 2. Juni und den 13. August“, erzählt Höggerl lachend.

Den Spagat zwischen Beruf und privat schafft die Familie mit Hilfe von Oma und Leih-Oma. „Ich komme erst nach Hause, wenn die Kinder schlafen. Aber mein Mann unterstützt mich. Er bügelt sogar besser als ich, weil er in jungen Jahren als Au-Pair bei zwei Amerikanerinnen den Haushalt geschmissen hat. Seither weiß er mit dem Eisen umzugehen.“

Für die gröberen Gartenarbeiten ist ebenfalls ihr Mann zuständig. Auf achthundert Quadratmetern verteilen sich ein Schwimmteich und viele Blumenbeete. „Ich hätte auch gern einen Hund. Ich bin mit großen Hunden aufgewachsen. Meine Oma hatte einmal einen Leonberger. Der wog 65 Kilo. Jetzt hat sie einen Berner Sennenhund. So groß müsste er nicht sein, aber einer, der mit mir Schritt halten kann. In der Familie ist das aber noch nicht ganz ausdiskutiert“, erzählt Höggerl.

Bleibt genug Zeit, schaut sich die 44jährige gerne die Welt an. 2004 ging es in die USA, ein Jahr später zur Hochzeitsreise nach Australien. „Ich hatte lange Zeit Flugangst. Das hat mich gestört, weil sie mich einschränkte. Deshalb habe ich ein bisschen Literatur gelesen, wie Flugzeuge funktionieren, welche Technik dahintersteckt und nun habe ich mehr Vertrauen. Fliegen ist noch immer nicht meine Leidenschaft, aber es ist in Ordnung“, gesteht Höggerl.

Amerika fasziniert sie wegen der Weite und der Gegensätze. „Das ist spannend. Das laute Las Vegas, dann der Grand Canyon mit seiner Stille.“ Einmal im Monat zieht es die Moderatorin in die Steiermark. Nicht in den Urlaub, sondern weil vier Schützlinge auf sie warten. „Es sind Pferde, die niemand mehr wollte. Sie sind bei mir in Pension, dürfen auf der Weide stehen und sich des Lebens
erfreuen.“ Höggerl kommt, putzt und striegelt die Pferde, genießt das Zusammensein und fährt wieder.

Mit Hektik und Termindruck kann die Zweifachmama und leidenschaftliche Nachrichtenmoderatorin gut umgehen. „Wird es zu stressig, versuche ich, ruhige Phasen in mein Leben zu bringen. Das gelingt mit einem Kinobesuch, einem guten Essen oder einem Treffen mit Freunden.“
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