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Ausgabe Nr. 20/2017 vom 16.05.2017, Foto: Trölß
Die Regierung ist geplatzt, die vorgezogene Nationalrats-Wahl die Folge. Der FPÖ-Chef sieht sich und seine Partei dafür gerüstet.
Strache ist überzeugt, nun
sei seine Stunde gekommen
Der Wille des Volkes bleibt wieder einmal ungehört und unbedacht. Denn von neuerlichen Wahlen halten die Menschen in diesem Land nichts. Gleichwohl werden wir im Herbst zu den Urnen schreiten müssen, weil der neue ÖVP-Chef Sebastian Kurz die Regierung platzen ließ. Heinz-Christian Strache reibt sich die Hände. Er sieht seine FPÖ nun reif für die Regierungsarbeit. Mehr noch, er will Kanzler werden und hat schon ein Programm.
Die vergangenen Tage waren turbulent. Auch wenn SPÖ-Kanzler Christian Kern immer wieder betont hat, von vorgezogenen Wahlen nichts wissen zu wollen, und auch die Menschen in unserem Land der gleichen Meinung sind, war es doch absehbar, dass diese Zusammenarbeit zwischen der SPÖ und der ÖVP nicht mehr funktionieren kann. Schon gar nicht nach dem Rücktritt des Vizekanzlers und ÖVP-Chefs Reinhold Mitterlehner. Jetzt sollen wir also schon im Herbst dieses Jahres, statt wie geplant im nächsten, unsere Stimmzettel abgeben. Der neue starke Mann in der Volkspartei, Sebastian Kurz, will dann mit einem von ihm aufgestellten Team an die Macht. Dieses Vorhaben hat auch Heinz-Christian Strache. Er sieht die Stunde für seine FPÖ gekommen – und für ihn. Denn er will endlich Kanzler werden.
Ein Partner muss her, weil die Absolute nicht drin ist

Ganz so blauäugig zeigt sich der Partei-Chef allerdings nicht. „Voraussetzung ist natürlich, einen Partner zu finden, der bereit ist, unsere Themen umzusetzen. Die absolute Mehrheit werden wir nicht schaffen, aber alles, was jenseits von 25 Prozent liegt, wäre ein großer Erfolg für die FPÖ“, erklärt der 47jährige. Umfragen zufolge liegt er derzeit mit Kern und Kurz Kopf an Kopf bei etwa 27 Prozent.

Dass in den Niederlanden und in Frankreich zuletzt die Rechts-Parteien Niederlagen erlitten haben und auch sein Kandidat Norbert Hofer gegen Van der Bellen bei der Wahl zum Bundespräsidenten nicht zum Zug kam, sieht er nicht als schlechtes Omen. „Wir Freiheitlichen haben den Stimmenanteil in unserem Land innerhalb von nur zwölf Jahren verzehnfacht und bei der Präsidentschafts-Wahl denkbar knapp verloren. Einen derartigen Stimmenanteil hat uns niemand zugetraut. Auch Marine Le Pen hat in Frankreich bei der Präsidentschafts-Wahl den historisch größten Erfolg der Front National eingefahren. Auf der
anderen Seite verschwinden die Altparteien SPÖ und ÖVP zunehmend in der Bedeutungslosigkeit. Von Großparteien kann längst keine Rede mehr sein. Sie tauschen Schaufensterpuppen aus und verkaufen dies als große Neuerung. In Wahrheit ändert sich nichts.“

Der FPÖ-Chef will für die Menschen in unserem Land etwas weiterbringen. Und hat bereits sein Kanzler-Programm in der Schublade.

„Der Staatshaushalt gehört saniert. Um dies zu erreichen, werde ich Experten, auch aus der Schweiz, beauftragen, unsere budgetäre Situation ehrlich aufzuarbeiten und sie dann dem Volk zu präsentieren. Denn ich fürchte, dass es um unsere Staatsverschuldung schlimmer steht, als wir derzeit wissen. Wir haben ja ohnedies die höchste Verschuldung der Zweiten Republik. Obwohl wir im Vergleich zu anderen Ländern die höchste Abgabenquote haben. Um den Haushalt sanieren zu können, ist es wichtig, Förderungen zu kürzen. Ich meine damit jene, die missbräuchlich erhalten werden. Ich möchte eine Gesellschaft aufbauen, in der Leistung gefördert wird. Das fängt schon in der Schule an. Dort sinkt das Niveau ständig, was natürlich mit einer falschen Zuwanderungs- und Migrationspolitik zu tun hat. Das liegt aber auch daran, dass Leistung nicht mehr, so wie früher, gefördert und entsprechend bewertet wird. Es ist notwendig, eine Auslese vorzunehmen und zu sagen, dieser oder jener kann keine Matura machen, bitte erlerne einen Fachberuf.“
Kopftuchverbot und höhere Pensionen

Wichtig sei ihm obendrein, meint Strache, umgehend das Islam-Gesetz und alle Placebo-Gesetze, die eine Katastro-
phe darstellen würden, zu reformieren. Denn es könne seiner Meinung nach nicht sein, dass Saudi-Arabien oder die Türkei Parallel-Gesellschaften finanzieren und auch noch vom Steuerzahler subventioniert werden. „Dazu gehört ein Kopftuchverbot in Kindergärten, in öffentlichen Schulen und im öffentlichen Dienst.“

Sein Hauptaugenmerk will Strache aber auf die Einführung eines Mindestlohnes legen. „Brutto 1.700 Euro sind notwendig, damit einhergehend muss es eine steuerliche Entlastung der Firmen geben. Damit am Ende für alle gilt: Es bleibt mehr Netto vom Brutto.“ Dadurch würde sich in letzter Konsequenz freilich auch die Pension erhöhen. „Eine durchschnittliche Rente von derzeit 930 Euro ist inakzeptabel.“

Strache teilt nach wie vor gern aus, doch er ist gemäßigter, ruhiger geworden, wie er sagt. Keineswegs resigniert. Im Gegenteil, er geht davon aus, dass er als derzeit längstgedienter Parteichef über die nötige Erfahrung verfügt, unserem Land neuen Schwung zu geben. Über seinen 30jährigen politischen Kontrahenten Sebastian Kurz meint er, ihm und dessen Partei um Längen voraus zu sein. „Denn Kurz plappert das nach, was die FPÖ bereits vor zehn Jahren gesagt hat.“

Damit seine neuen Thesen gehört werden, bedient sich Strache einer engen Vertrauten – seiner Frau Philippa Beck, 29, die er im vergangenen Oktober geheiratet hat. Sie sorgt für die entsprechende Kommunikation und berät ihn im Hintergrund.

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