Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 19/2017 vom 09.05.2017, Fotos: actionpress, picturedesk.com
Emmanuel Macron, 39, und Ehefrau Brigitte, 64, ziehen in den Präsidenten-Palast
„Gemeinsam, Frankreich“ war der Wahlspruch Macrons. Das muss er erst beweisen.
Der Sieg ist nicht glänzend
Emmanuel Macron ist der neue Präsident der „Grande Nation“. Doch viele Franzosen haben ihn nur gewählt, um Marine Le Pen zu verhindern. Die Wahlbeteiligung war mit knapp 75 Prozent so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht. Jeder zehnte Wähler hat zudem ungültig gestimmt.
Ein Viertel der Franzosen ist gar nicht zur Wahl gegangen. Von jenen, die gewählt haben, hat jeder Zehnte einen ungültigen Stimmzettel eingeworfen. Der Sieg des neuen französischen Präsidenten ist beileibe nicht glänzend. Nur rund 20 der 47 Millionen Wahlberechtigten haben Emmanuel Macron ihre Stimme gegeben. Und viele davon wollten vor allem Marine Le Pen verhindern.
Der 39jährige hat seine größte Bewährungsprobe noch vor sich. Im Juni wird das Parlament gewählt. Der frühere Roth-
schild-Banker will in allen Wahlkreisen einen Kandidaten seiner Bewegung „En marche“ („Vorwärts“) aufstellen. Doch die Chancen für eine Parlamentsmehrheit stehen schlecht. Die etablierten Parteien werden zurückschlagen. Und auch der „Front National“ kann auf gute Ergebnisse hoffen.
Unklar ist zudem, was der neue Präsident will. Sein Programm ist in vielen Punkten vage. Im Wahlkampf hat er versprochen, gegen die Vetternwirtschaft in der Politik vorzugehen und der EU neuen Schwung zu geben. Aber viele Franzosen sehen im neuen Präsidenten vor allem einen überheblichen Schnösel, der vom Alltag der einfachen Menschen keine Ahnung hat.
Dazu trägt auch seine Frau Brigitte Macron, 64, bei, die gerne Designer-Kleidung trägt und andauernd an seiner Seite ist. Ihre Rolle als erste Dame will Macron mittels Statut festlegen. „Sie wird an meiner Seite sein wie jetzt, ohne Beraterstatus, ohne Lohn. Man soll nicht so tun, als lebten Präsidenten allein“, sagte Macron im Wahlkampf.
Das ungewöhnliche Paar hat sich im Gymnasium kennengelernt. Der 16jährige Emmanuel war dort Schüler, Brigitte Lehrerin. Seine Eltern schickten ihn nach Paris, um die Matura zu machen. „Sie können versuchen, mich loszuwerden. Aber ich komme wieder und werde Sie heiraten“, versprach Emmanuel seiner Flamme. Im Jahr 2007 heirateten sie tatsächlich. „Er hat meinen Widerstand auf eine unglaublich geduldige Art gebrochen“, erzählt Brigitte Macron. „Der Bursche hatte ein großes Selbstbewusstein und eine große Intelligenz. Ich weiß heute noch nicht, was er alles im Kopf hat.“
Den Gerüchten, dass er in Wahrheit homosexuell sei und einen heimlichen Geliebten habe, entgegnete Macron: „Wenn ich es wäre, würde ich dazu stehen und offen damit leben.“ Zu seiner ungewöhnlichen Familie steht er. „Nur die Liebe zählt. Ich habe jetzt sieben Enkerl, und ich liebe sie, als wären sie meine
eigenen.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung