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Ausgabe Nr. 18/2017 vom 02.05.2017, Fotos: Georg Pfluegl
Für Fuchs sind ein schneller, explosiver Start und ein selbstbewusstes Auftreten die Schlüssel zum Erfolg.
„Wer die ersten paar Zentimeter beim Armdrücken für sich herausholt, gewinnt.”
Fuchs trainiert an speziellen Maschinen, um Finger und Handgelenke zu stärken.
Der König der Armdrücker
Er hat einen Bizepsumfang von 54 Zentimetern und liebt Filme vom Hollywood-Muskelmann Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger. Hans-Peter Fuchs, 39, aus Lienz (T) ist hierzulande im Armdrücken oder „Armwrestling”, wie es neuerdings heißt, seit fünf Jahren ungeschlagen und will am Samstag bei den heimischen Meisterschaften in Purgstall an der Erlauf (NÖ) erneut alle Gegner über den Tisch ziehen.
Die geölten Armmuskeln schwellen zwei Mal pro Woche gehörig an, wenn Hans-Peter Fuchs, 39, in einem zum Übungsraum umfunktionierten Holzstall nahe Lienz (T) mit dem Training beginnt. 110 Kilo vorrangig Muskelmasse verteilen sich beim Osttiroler auf 186 Zentimeter Körpergröße, in den Schraubstockgriff seiner Arme mit einem Bizepsumfang von 54 Zentimetern möchte keiner freiwillig kommen. Und wenn doch, dann verliert er.

Früher hieß der einstige Wirtshausspaß Armdrücken, heute nennt sich die internationale Disziplin „Arm-
wrestling“. Seit fünf Jahren ist Fuchs im eigenen Land ungeschlagen, sowohl mit der rechten als auch linken Hand. Allerdings zerstört der oberste „Drückeberger“ der Nation alle Illusionen. „Es ist falsch zu glauben, dass meine großen Muskeln mir die Titel eingebracht haben“, schmunzelt er. „Die sind nur Draufgabe. Denn das Äußere eines Armdrückers gibt wenig Aufschluss über seine Stärke. Viel mehr ist die Qualität der Muskelfasern entscheidend, von der Hebelwirkung her sind aber lange Arme und große Hände von Vorteil. Am Tisch zählen dann nur Technik, Schnelligkeit und mentale Stärke.“

Etwa 40 starke Männer in den Gewichtsklassen bis 75, 87, 100 Kilo und darüber sowie ein paar Frauen drücken am Samstag in Purgstall an der Erlauf (NÖ) um den Meistertitel. Eigens geschulte Schiedsrichter überwachen die korrekte Handhaltung auf dem Spezialtisch, wo meist nach einer Sekunde schon alles vorbei ist. „Zuletzt ist es ruhiger geworden um das Interesse von Sportlern
und Zuschauern an diesem Sport, der vor allem in Westösterreich dominant ist“, erzählt der Organisator Christian Eiter. „Wir möchten nun verstärkt in den Osten gehen.“

Seriensieger Fuchs selbst hat schon in der Volksschule seine Gegner gerne über den Tisch gezogen, der daheim auch eine DVD-Sammlung mit Filmen seiner Idole, muskelbepackte Actionhelden wie Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, besitzt. Eine Zeitlang widmete sich Fuchs intensiv dem Bodybuilding, bevor er vor fünf Jahren begann, gezielt für Armwrestling zu trainieren und auf speziellen Maschinen Finger und Handgelenke zu stärken. In Dölsach, fünf Kilometer vor Lienz, baute sich der Kraftlackel vor einigen Jahren mit den eigenen starken Händen auch ein Einfamilienhaus, wo der Katzenliebhaber heute mit den Vierbeinern „Felix“, „Amor“, „Lily“ und „Rambo“ lebt. „Halte ich eine meiner Katzen nur fünf Minuten auf dem Arm, ist das, als würde ich meine eigene Seele streicheln.“

Auch im Berufsleben kann Fuchs seine körperliche Stärke weniger zum Einsatz bringen. „Ich bin als Außendienstmitarbeiter einer Firma tätig, für die ich unter andem Türen und Fenster verkaufe“, erklärt er. Umso mehr mag er es, wenn abends beim Training der Schweiß rinnt. Eine Leidenschaft, die seine Familie jedoch nie mit ihm teilte. Weder die Eltern, deren Hobbylandwirtschaft mit Rindern und Schafen er bald übernehmen wird, noch seine drei Geschwister wollen den Fünffach-Staatsmeister anfeuern. Selbst seine Lebensgefährtin Sonja ist kein Stammgast in der rauen Armdrückerszene. „Ich muss wohl zur Kenntnis nehmen, dass ich ein wenig aus der Art geschlagen bin“, lacht Fuchs.

Tipps vom Meister
„Setzen Sie sich breitbeinig hin, halten Sie die Hand mittig vorm Körper. Nun beugen Sie die Schulter nach vorne, machen alle Winkel klein, um den Gegner mit dem gesamten Körper über den Tisch zu ziehen”, weiß Fuchs.
Wolfgang Kreuziger
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