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Ausgabe Nr. 18/2017 vom 02.05.2017, Fotos: picturedesk.com, Jonathan Irwin
Alle 25 Tage wandert der neu entdeckte Planet an seinem Heimatstern, dem Roten Zwerg LHS 1140, vorbei.
Diese acht Roboter-Teleskope, die sich auf dem Berg Cerro-Tololo (2.200 Meter) in Chile befinden, haben die neue Super-Erde „LHS 1140b“ aufgespürt.
Fremde Welten
In unserer galaktischen Nachbarschaft entdeckten Astronomen schon einige Planeten, auf denen außerirdisches Leben existieren könnte. Der jüngste Kandidat bringt die Himmelsforscher aber geradezu ins Schwärmen. Denn bei der neu erspähten „Super-Erde“ passt erstmals alles nahezu perfekt zusammen.
Es ist die wohl spannendste Frage nicht nur für Weltraumforscher: Gibt es außerhalb der Erde Leben, wie wir es kennen? Voraussetzung dafür wäre fließendes Wasser. Und genau aus diesem Grund wird seit Jahrzehnten tief ins All geblickt. Mit beachtlichem Erfolg. Sammeln Planetenjäger doch inzwischen erdähnliche Himmelskörper wie andere Briefmarken. Ständig fliegen ihnen neue vor die Teleskoplinsen.

Insgesamt haben Astronomen bereits mehr als 3.600 „Exoplaneten“, also erdähnliche Himmelskörper, in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, entdeckt. Davon sind etwa 50 Planeten bekannt, auf denen es Wasser und somit Leben geben könnte. Dutzende werden in naher Zukunft vermutlich noch dazukommen. Weshalb es Skeptiker für sinnlos erachten, „dass über solche kosmischen Entdeckungen überhaupt noch berichtet wird“.

Doch nun wurde mit der Katalogbezeichnung LHS 1140b ein Exoplanet erspäht, „der sich als bislang aussichtsreichster Ort für die Suche nach Leben jenseits unseres Sonnensystems entpuppen könnte“, meint der Entdecker Jason Dittmann vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik in Cambridge (USA). Der Grund für seinen Optimismus ist zum einen die relative Nähe des Trabanten, der „nur“ 40 Lichtjahre, also 400 Billionen Kilometer, von unserer Erde entfernt liegt.

„Unerreichbar weit, um hinzufliegen und Aliens zu begrüßen. Aber nach kosmischen Maßstäben nur ein Katzensprung, weil allein unsere Milchstraße einen Durchmesser von mehr als 100.000 Lichtjahren hat“, erklärt der Astrophysiker. Zur Nähe kommt diesmal jedoch hinzu, „dass der Planet seine Bahnen zufälligerweise genau so zieht, dass er von uns aus gesehen alle 25 Tage an seinem Heimatstern, dem Roten Zwerg LHS 1140, vorbeiwandert“ (Bild links oben). Bei dieser Mini-Sternenfinsternis beleuchtet also der Stern für einen kurzen Zeitraum seinen umkreisenden Planeten von hinten. Und falls LHS 1140b, der mit einem Durchmesser von 18.000 Kilometern etwa 1,4 Mal größer als die Erde ist, tatsächlich eine Atmosphäre besitzt, geht auch die Sternenstrahlung durch die Lufthülle hindurch.

„Dabei werden dem Licht die Signaturen der in der Atmosphäre vorhandenen Gase aufgeprägt, was Spektrografen in Zukunft sichtbar machen und messen sollen“, berichtet Jason Dittmann.

Große Hoffnungen setzt der Wissenschaftler diesbezüglich in das „James Webb“-Weltraumteleskop, das im Jahr 2018 ins All geschossen werden soll, und genau für diese Messungen ausgelegt ist. Fänden sich dann tatsächlich Hinweise auf Gase wie Sauerstoff oder Ozon, „wäre dies ein starkes Indiz für die Existenz von Leben“.

Immerhin umrundet der neu entdeckte Planet seinen Stern auch in der sogenannten „habitablen Zone“. Das heißt, er ist seinem Heimatstern nicht zu nah, die Oberflächentemperatur daher nicht zu hoch, um Wasser zu verdampfen. „Andererseits ist der Trabant auch nicht so weit vom Stern entfernt, als dass extreme Minusgrade auf ihm herrschen würden“, erklärt der Himmelsforscher begeistert.

Außerirdisches Leben könnte es auf LHS 1140b somit durchaus geben. Dass wir Menschen aber dort jemals Fuß fassen, ist nicht nur wegen der Entfernung so gut wie ausgeschlossen. Schließlich ist die Neu-Entdeckung eine „Super-Erde“. Was bedeutet, dass der Himmelskörper im Sternbild Walfisch eine fast sieben Mal größere Masse aufweist als unser blauer Planet. Daraus folgern Astrophysiker, dass es sich um einen Gesteinsplaneten handeln muss, der einen massiven Kern aus Eisen besitzt.
„Wer also dort landet, wiegt auch sieben Mal so viel wie hier. Und wer nicht das Schicksal eines gestrandeten Wales teilen will, der unter seinem eigenen Körpergewicht erstickt, sollte sich von dessen Oberfläche fernhalten“, schmunzelt Dittmann, für den der rund fünf Milliarden Jahre alte Himmelskörper das bislang aufregendste ist, „was ich in den vergangenen Jahrzehnten erblickt habe“.
Hwie

VON RIESEN UND ZWERGEN
Planeten
Ein Himmelskörper gilt als Planet, wenn er sich auf einer Bahn um die Sonne befindet und über eine ausreichende Masse verfügt, um durch seine eigene Schwerkraft eine annähernd runde Form zu bilden. Außerdem muss ein Planet das dominierende Objekt seiner Umlaufbahn sein, was bedeutet, dass er durch sein Gravitationsfeld alles andere aus dem Weg geräumt hat. Ein Planet ist „kalt“ und
leuchtet im Gegensatz zu einem Stern nicht von alleine. Wir können ihn also nur sehen, wenn er von einem Stern angeleuchtet wird.
Exoplaneten
Grob gesagt, handelt es sich dabei um Himmelskörper ähnlich unserer Planeten. Sie können um ein Zentralgestirn kreisen oder frei durch das All ziehen, außerhalb unseres Sonnensystems. Sie können fest wie die Erde oder gasförmig wie der Jupiter sein. Genau ist das nicht definiert.
Super-Erden
Als „Super-Erde“ bezeichnen Astronomen riesige Gesteinsplaneten, die größer als die Erde sind und deutlich mehr Masse besitzen. Sie dürfen aber nicht die Ausmaße des Gasplaneten Uranus in unserem Sonnensystem erreichen, der etwa vier Mal so groß wie die Erde ist und die 14,5-fache Masse besitzt. Die Bezeichnung „Super-Erde“ macht allerdings keine Aussagen zur Bewohnbarkeit des Himmelskörpers.

Rote Zwergsterne
Sie sind deutlich kleiner und kühler als unsere Sonne und
leuchten so lichtschwach, dass kein einziger von der Erde aus mit bloßem Auge gesehen werden kann. Dafür werden sie unglaublich alt. So reicht ihr Wasserstoff oft für hundert Milliarden Jahre, während das Universum erst 14 Milliarden Jahre alt ist. Etwa drei Viertel aller Sterne sind Rote Zwerge.
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