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Ausgabe Nr. 17/2017 vom 25.04.2017, Fotos: Raunig, ORF
Filmemacher Otto Retzer wirbelt derzeit als „Dancing Star“ über die Bühne.
Retzer bei seinem "Dancing-Stars"-Auftritt.
Retzer mit Kindern Michael und Olivia (li.) sowie Frau Shirley (re.).
Retzer in seinem Boot am Kärntner Wörthersee.
„Mein Haus ist wie ein Museum“
Die Glatze machte ihn als Schauspieler unverkennbar und als Regisseur ist er einer der beliebtesten in Europa. Otto Retzer ist in aller Munde, zurzeit vor allem auch durch seine Tanz-Einlagen in der Sendung „Dancing Stars“. Erholung findet der 71jährige in seinem Haus in Kärnten.
Otto Retzers Haus in Velden am Wörthersee (K) könnte glatt als Museum durchgehen. Überall stehen Kunstwerke, Buddha-Statuen in allen Größen und Materialien und an den Wänden hängen Gemälde wie ein Bild von Kaiser Franz Joseph. „Ich habe die Möbel aus aller Welt zusammengetragen. Vieles davon stammt aus der Dominikanischen Republik, wo ich drei Jahre lang gelebt habe und wo auch die Folgen der Serie ,Klinik unter Palmen‘ entstanden sind“, erzählt der 71jährige Regisseur.
Die Wände im Wohn- und Vorzimmer kleiden zahlreiche Fotografien, die Retzer und prominente Persönlichkeiten zeigen. „Mit Falco habe ich in der Dominikanischen Republik Tür an Tür gewohnt. Wir haben uns oft besucht. Auch am Abend vor seinem Tod war ich bei ihm zuhause. Er war eine innerlich zerrissene Person“, erinnert sich Retzer, der laut einer Studie von Münchener (D) Studenten Europas meist gesehener Regisseur ist.

Schon 120 Mal war er als Produktionsleiter und 100 Mal als Regisseur tätig. Er drehte Unterhaltungsfilme mit Thomas Gottschalk, 66, und Mike Krüger (65, beide in „Die Supernasen“) und sorgte mit Fernsehserien wie „Das Traumhotel“ für Top-Quoten. Aber mit vielen seiner Kollegen verbindet Retzer mehr als nur der Beruf. So gehörte Roy Black ebenso zu seinem Freundeskreis wie der im Jahr 2016 verstorbene Schauspieler Bud Spencer. „Wenn ich in Rom war, habe ich bei ihm übernachtet“, erzählt Retzer. Auch den Dalai Lama hat der Regisseur mehrmals getroffen. „Jedes Mal bekam ich eine Gänsehaut“, erinnert sich der Filmemacher und zeigt auf eine Buddha-Statue, die er von ihm persönlich geschenkt bekommen hat. Auch eine weiße Büste von Retzer selbst ziert das Wohnzimmer. „Die hat ein chinesischer Bildhauer von mir gemacht“, sagt Retzer, der sich in seinem kleinen „Museum“ rundum wohl fühlt und hier seine Sommermonate verbringt. Den Rest des Jahres pendelt der Filmemacher zwischen Kitzbühel (T) und München (D). In diesen Tagen verbringt er seine Zeit freilich hauptsächlich in Wien, wo er jeden Tag für die ORF-Sendung „Dancing Stars“ trainiert. Ein Format, das ihm einiges abverlangt, wie Retzer zugeben muss. „Ich habe in meinem Leben schon mehr gelacht“, schmunzelt er über das schweißtreibende Training mit Tanzpartnerin Roswitha Wieland. Viele Punkte gab es für seine Auftritte zwar noch nicht, doch der Kärntner steigert sich.

Und er ist ein Kämpfer. Der Mime hat immerhin schon ganz andere Kämpfe ausgefochten. Erst im vergangenen Jahr wurde ihm ein bösartiger Tumor an der Prostata entfernt. Die Chemotherapie blieb Retzer zwar erspart, aber er müsse sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen, verriet der 71jährige nach dem Eingriff. Eine Erholungspause gönnte er sich dennoch nicht und drehte nur wenige Wochen später einen Film über Roy Black anlässlich des Todestages im vorigen Oktober.

Will er sich aber doch einmal entspannen, tut der gebürtige Kärntner das in seiner Heimat. Wobei Retzer seine Kindheit nicht am Wörthersee, sondern in Lölling, einer Gemeinde im Bezirk St. Veit an der Glan verbrachte. Sein Vater war Landwirt und die Mutter Postbotin. Nach einer Kellnerlehre wurde er „Discjockey“ und Wasserschilehrer, bis ihn 1970 der Chef von Lisa-Film, Carl Spiehs, entdeckte. „Ich legte im Hotel Schloss Seefels in Pörtschach Platten auf und Carl Spiehs hatte plötzlich Lust auf eine Leberkäs-Semmel. In dem vornehmen Haus gab es die natürlich nicht. Also bin ich in den Supermarkt gefahren und habe ihm eine besorgt. Daraufhin hat er mich als Assistenten engagiert“, erzählt Retzer. Wenige Jahre später ersetzte er kurzerhand einen kahlköpfigen Schauspieler im Film „Die Insel der tausend Freuden“ (1978). „Ich musste mir eine Glatze rasieren. Von da an wurde sie mein Markenzeichen“, erinnert er sich an den Anfang seiner Karriere zurück. Doch auch eine Durststrecke in den 80ern ist dem Mimen in Erinnerung geblieben. „Ich drehte keine Filme, außer ein paar Sex-Streifen, für die ich nichts kann, denn ich war nur als Kaffeeholer dabei“, verriet Retzer einmal. Die Flaute hatte aber spätestens Anfang der 90er ein Ende. Der Regisseur übernahm seine erste große Arbeit für die Fernsehserie „Ein Schloss am Wörthersee“ und spielte sich mit seiner Rolle als Gastarbeiter Josip in die Herzen der Zuseher. „Es war mein Comeback. Ich spielte gleichzeitig am Theater und hatte drei Lokale, es konnte nicht besser laufen“, erzählt Retzer, der sich längst auch als „Partykaiser“ vom Wörthersee einen Namen gemacht hatte.

Aber obwohl er so manches „G‘schichtl“ erzählen könnte, lässt er von einer Biografie über sein Leben lieber die Finger. „Dann könnten viele nicht mehr im Fernsehen
auftreten“, lacht der 71jährige, der trotz seines
umtriebigen Lebens seit 37 Jahren glücklich verheiratet
ist. „Ohne meine Frau wäre ich vermutlich 150 Kilo schwer und Alkoholiker. Sie passt auf mich auf“, scherzt der 71jährige, der mit Gattin Shirley, 53, die beiden Kinder Olivia, 34, und Michael, 29, hat. „Meine Familie ist das Wichtigste“, schwärmt Retzer und lässt sich gemütlich auf seinem „Lieblingsplatz“, dem Regiestuhl auf der Terrasse nieder. „Hier kann ich auf den Wörthersee schauen und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Das ist Erholung pur. Oder ich düse mit meinem Elektro-Boot über den See“, lächelt Retzer und erzählt von seinem aktuellen Projekt, einer Film-Dokumentation über Udo Jürgens († 2014).

Für seine Verdienste bekam Retzer im Jahr 2014 sogar das Goldene Ehrenzeichen der Republik verliehen. „Uschi Glas hat die Laudatio auf mich gehalten. Ich war gerührt und habe mit den Tränen gekämpft.“
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