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Ausgabe Nr. 17/2017 vom 25.04.2017, Fotos: voren1/Fotolia, Erik T. Frank
Henne und Hahn sind in Wirklichkeit schlau wie ein Fuchs.
Hier trägt eine „Matabele“-Ameise einen verletzten Artgenossen zurück ins Nest.
Sie sind klüger, als wir glauben
Im Tierreich beobachten Verhaltensbiologen verblüffend kluges Verhalten beileibe nicht nur bei Affen, Delfinen oder Rabenvögeln. Auch Haushühner sind erstaunlich gewitzt und bekommen eine Menge davon mit, was in ihrer Welt vor sich geht. Selbst bei einigen Ameisen haben Forscher nun ein einzigartig-schlaues Helferverhalten gegenüber verletzten Artgenossen entdeckt.
Schluss mit dem ewigen Mythos
von den dummen Hühnern

Ein roter Kamm wackelt auf dem kleinen Kopf, dazu albernes Gegacker. Wenn es um kluge Vögel geht, dann fällt uns wohl kaum das Geflügel ein, das uns Hühnerfleisch und Eier liefert. Im Rampenlicht stehen stattdessen meist Krähen, Raben oder die gesprächigen Papageien.

Doch das klassische Bild vom „dummen Huhn“ könnte falscher nicht sein, wie eine amerikanische Studie nun belegt. „Die Tiere haben persönliche Eigenheiten, können einander austricksen und sind zu logischen Schlussfolgerungen fähig“, berichtet die Verhaltensbiologin Lori Marino. Sie kommt zu dem Schluss, „dass Hühner weit intelligenter sind, als landläufig angenommen“.

Überraschend umfangreich ist beispielsweise das „Huhnisch“. 24 verschiedene Laute wurden bislang identifiziert, die Hühner nutzen, um ihren Artgenossen gezielt Informationen zu übermitteln, „etwa über die Art des Futters oder des Feindes“, sagt die Forscherin. Zudem kann sich ein Hahn oder eine Henne auch bis zu 100 Gesichter merken und selbst einfache Rechenaufgaben lösen. „Äußerst verblüffend ist jedoch die Fähigkeit des Federviehs zum Täuschen und Tricksen. Unterlegene Hähne locken Hennen mit dem typischen Gebaren bei gefundenem Futter an. Jedoch ohne die üblichen ‚Dok-dok‘-Rufe, um den dominierenden Hahn nicht auf das brisante Stelldichein aufmerksam zu machen“, erzählt die Geflügelexpertin. Die Hennen wiederum merken sich, „welche Männchen zuverlässig sind und welche nicht“.

Auch einen Sinn für Zeit besitzen die vermeintlich dummen Hühner. „Sie sind in der Lage, für besseres Futter den Schnabel zu halten und nicht gleich gierig loszufuttern. Eine Leistung, die wir Menschen erst im Grundschulalter beherrschen“, weiß die Verhaltensforscherin. Sogar eine Art Persönlichkeit besitzt das gackernde Federvieh. So zeigen Hennen eine breite Spanne von mütterlichem Verhalten, „von der sprichwörtlichen Glucke bis hin zur eher losen Betreuung ihrer Küken“. Ein Hühnerhirn sollte also nicht unterschätzt werden, auch wenn es nur walnussgroß ist.

Dass uns ihre geistigen Fähigkeiten bislang kaum auffielen, liegt laut Biologen schlicht daran, dass das Geflügel primär als Ware und Lebensmittel betrachtet wird. „Allein die Idee, dass Hühner eine Psyche besitzen, klingt für die meisten Menschen absurd und würde nur ethische Probleme aufwerfen, was die schrecklichen Lebensbedingungen in der Massentierhaltung betrifft“, beklagen Tierschützer.
Sie retten ihre lädierten
Kriegskameraden

Die südlich der Wüste Sahara weit verbreitete und äußerst kriegerische „Matabele“-Ameise hat sich auf eine besondere Nahrung spezialisiert: Termiten. Zwei bis vier Mal am Tag marschieren die sechsbeinigen Krabbler in bis zu 500 „Mann“ starken Kolonnen los, um ihre Opfer zu töten und zu verschleppen. Doch die Termiten mit ihren kräftigen Kiefern wissen sich zu verteidigen, was buchstäblich verbissene Kämpfe zur Folge hat. „Aus diesem Grund haben Matabele-Ameisen ein kluges Rettungsverhalten entwickelt, das wir in dieser Form bei Insekten noch nicht kannten“, sagt der Tierökologe Erik Frank von der Universität Würzburg (D). Er konnte mit seinen Forschungskollegen beweisen, dass die verwundeten Ameisen mithilfe eines chemischen Signalstoffes in den Beißwerkzeugen quasi um Hilfe „rufen“. Was Artgenossen dazu animiert, sie vorsichtig aufzuheben und zurück ins Nest zu tragen. Die lädierten Ameisen ziehen dabei sogar ihre übriggebliebenen Beine ein, damit sie leichter getragen werden können (Bild links).

Im Nest angekommen, erholen sie sich in aller Ruhe und lernen die Gangart mit fünf oder vier Gliedmaßen, damit sie bei künftigen Beutefängen wieder dabei sein können. „38 der 40 im Kampf verwundeten und von uns mit Farbe markierten Ameisen haben wir wenig später bei einem Raubzug wieder gesehen“, berichtet der Forscher. Ein einzigartiger Rettungsdienst, der nicht nur der einzelnen Ameise hilft, sondern der gesamten Kolonie, „die ohne ‚Sanitäter‘ um etwa ein Viertel kleiner wäre“. Die enorme Angriffslustigkeit der bis zu zwei Zentimeter großen Insekten bekam Erik Frank übrigens schon Dutzende Male am eigenen Leib zu spüren. „Sie haben auch einen Stachel. Der tut ungefähr so weh wie ein Wespenstich“, erinnert sich der Ameisenexperte.
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