Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 16/2017 vom 18.04.2017, Fotos: Alexander Ess
Fabian Spies, 20, aus Bludenz, ist jüngster Minigolf-Europameister
Spies kann aus 800 Minigolf-Bällen auswählen.
Fabian Spies hat bereits viele Trophäen erspielt.
Spies ist leidenschaftlicher Saxophonspieler.
Der Herr über 800 bunte Bälle
Fabian Spies, 20, weiß als Minigolf-Europameister seine kleinen Bälle so präzise zu versenken wie sonst kaum ein Konkurrent. Neben dem Saisonstart rund um den rot-weiß-roten Minigolftag am Sonntag, 30. April, feiern die Loch-Experten heuer auch den 100. Geburtstag ihres Sportes Minigolf.
Sie sind gelb, blau, grün, andere wiederum rosa oder gemustert. Es gibt sie aus hartem oder weichem Gummi. „Im Gegensatz zu Freizeitspielern kann ich vor jedem Loch aus 800 verschiedenen Minigolfbällen wählen“, sagt der leidenschaftliche Saxophonspieler Fabian Spies, 20, und führt in seine Welt der bunten Spielgeräte ein. Er sortiert sie in mehreren Koffern, die er im Haus seiner Eltern unweit des Kinos in Bludenz (Vorarlberg) aufbewahrt, wo er an Sonntagen im Garten Unkraut jätet und Samen aussät.

Spies und die Bahnengolfszene feiern heuer den 100. Geburtstag der Miniaturvariante des Golfsportes. Als im Jahr 1916 in Pinehurst (USA) die erste Anlage, wie wir sie heute kennen, in Betrieb ging, hätte der Erbauer eine Materialschlacht, wie sie heute tobt, kaum für möglich gehalten. „Mittlerweile ist Bahnengolf zu einer kleinen Wissenschaft geworden“, schmunzelt der Vorarlberger, der seine Spielgeräte gerne mit kräftigen Temperaturschocks aufpeppt.

Manchmal heizt er die Turnierbälle auf 40°C oder kühlt sie, wenn nötig, wieder künstlich mit Akkus auf ein paar Grad herunter. Die Gummikugeln werden bei Bedarf lackiert oder händisch aufgeraut. „Geheizte Bälle springen stark, kalte nicht. Raue Bälle nehmen mehr Spin an, glatte weniger“, erklärt das 50-Kilo-Leichtgewicht die feinen Unterschiede, die er beim Schlag zu berücksichtigen hat. Im Vorjahr krönte sich das „Wunderkind“ mit nur 19 Jahren zum jüngsten Minigolf-Europameister aller Zeiten – vielleicht auch, weil Spies die Mathematik und Physik des Minigolfballes perfekt beherrscht. „Ich denke, dass ich im Vergleich zu den anderen sehr viel und sehr vielseitig trainiere.“

Nebenbei absolviert der 20jährige in Innsbruck (T) das Studium „Management und Recht“, das er in den nächsten zwei Jahren abschließen möchte. Bis dahin übt der Zahlenjongleur drei Mal pro Woche die schwierigsten Schläge zwei Stunden lang auf der Anlage des BGC Bludenz, bei dem sein Vater Stephan heute Obmann ist.
Den Erstkontakt mit seinem Sport hatte er schon früh. „Ich war nicht älter als zwei oder drei Jahre, als mir mein Papa das erste Mal einen Schläger in die Hand drückte“, erinnert er sich. Obwohl Fabian Spies später auch in anderen Sportarten erfolgreich war und unter anderem geprüfter Schilehrer ist, ließen ihn die ganz kleinen Löcher nicht mehr los. Wobei das Entscheidendste dabei laut Experten der Kopf ist, nicht die Hände. „Alles hängt von einer kleinen leichten Bewegung ab, bei der im Bruchteil einer Sekunde alles passen muss“, sagt der 20jährige. Bei der Europameisterschaft 2016 etwa behielt Spies trotz des hohen Lärmpegels und schreiender Spieler auf der Nebenbahn die Nerven und spielte locker die Goldmedaille nach Hause. „Für diese Stärke trainiere ich mit einem Mentaltrainer.“

Gemeinsam mit den rot-weiß-roten Europameisterinnen Elisabeth Gruber und Karin Heschl eröffnet Spies in rund einer Woche, 24 Stunden vorm heimischen Minigolftag am Sonntag, 30. April (an dem Tag haben einige Verbandsanlagen gratis für Interessierte geöffnet), eine neue Anlage im Wiener Museumsquartier. Nur einen Tag später würde er mit seinem Saxophon auch als Mitglied der Stadtmusik Bludenz beim Maimarsch benötigt werden, doch beim Hobbymusiker haben der Sport und neue Ansätze, ihn ins Rampenlicht zu rücken, Vorrang. Seinen bisherigen Sponsor, MG Minigolf, hat sich der angehende Manager selbst organisiert. „Es ist schwer, weil uns die Öffentlichkeit nicht als Spitzensportler ernst nimmt“, klagt er. „Preisgeld gibt es nicht. Und trotz intensiver Bemühungen hat sich kein zusätzlicher Sponsor gefunden.“

Allerdings hält ihn der Stolz für das Geleistete ebenso bei der Stange wie die Aussicht, bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer erneut zu den Medaillenkandidaten zu gehören. „Wenn ich mir vor Augen halte, wie wenige Sportler in unserem Land einen Europameistertitel gewonnen haben, versöhnt mich das wieder mit meinem Sport.“
w. kreuziger
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung