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Ausgabe Nr. 15/2017 vom 11.04.2017, Fotos: zvg, duty
Eytan Reif, Rolf Gleissner
Soll der Karfreitag für alle frei sein?
In Ungarn ist der Karfreitag seit heuer ein Feiertag, in Tschechien seit dem Vorjahr. Auch bei uns könnte der Freitag vor Ostern bald arbeitsfrei sein. Denn im Vorjahr klagte ein Wiener Angestellter, weil er am Karfreitag arbeiten musste, während seine evangelischen Kollegen frei hatten. Das Oberlandesgericht Wien gab ihm Recht und sah darin einen Verstoß gegen die EU-Gleichbehandlungsrichtlinie. Jetzt hat der Oberste Gerichtshof (OGH) den Europäischen Gerichtshof um Klarstellung ersucht.
JA: Eytan Reif,
„Initiative Religion ist Privatsache“


„,Gleiches Geld für gleiche Arbeit‘ suggerieren das Österreichische Arbeitsrecht, die Bundesverfassung und der Hausverstand. Die heimische ,Karfreitagsregelung‘ sieht aber vor, dass sich ausschließlich Protestanten, Altkatholiken und Methodisten einen Tag früher ins Wochenende verabschieden dürfen als ihre anders- oder nichtgläubigen Kollegen. Bei gleichem Lohn, versteht sich. Diese Regelung ist eine der bedenklichsten Facetten des österreichischen Religionsrechts, das ja ohnehin diskriminierend ist. Ungeachtet der noch ausstehenden gerichtlichen Entscheidung in dieser Sache stellt sich mittlerweile nicht die Frage ob, sondern wie dieser Missstand behoben werden soll. Es liegt nahe, den Karfreitag gänzlich aus dem Gesetzbuch zu streichen. Denn der Kreis der Betroffenen ist sehr überschaubar und religiös geprägte gesetzliche Feiertage gibt es hierzulande ohnehin mehr als genug. Wer hingegen der Meinung ist, dass der Karfreitag für alle frei sein soll, der müsste, konsequenterweise, erst recht für eine analoge Behandlung der drei muslimischen Hauptfeiertage eintreten.“


NEIN: Rolf Gleissner,
Wirtschaftskammer


„Wir haben mehr Feiertage als die meisten Länder. Diese gelten unabhängig von der Konfession für alle Mitarbeiter. Einem Konfessionslosen reichte das aber nicht, er forderte vor Gericht auch am Karfreitag frei. Er sei ,diskriminiert‘, weil am Karfreitag nur die Protestanten frei haben und er nicht. Hintergrund: Für Protestanten ist der Karfreitag der höchste Feiertag, für alle anderen nicht. Angehörige der israelitischen Glaubensgemeinschaft haben frei am Versöhnungstag. Somit haben zwei historisch verfolgte Minderheiten, die weniger als vier Prozent der Bevölkerung ausmachen, einen Zusatzanspruch. Das sei ihnen gegönnt. Sind deshalb die anderen 96 Prozent diskriminiert und brauchen das auch? Nein, lassen wir die Kirche im Dorf. Der Rest von uns ist mit 25 Urlaubstagen und 13 Feiertagen keineswegs diskriminiert, sondern im internationalen Vergleich sogar privilegiert. Zudem würde ein weiterer freier Tag für alle die Wirtschaft 600 Millionen Euro kosten, die man teilweise wieder beim Personal einsparen müsste. Und wer einen freien Karfreitag will, der bekommt ihn meist. Denn in der Praxis werden, soweit betrieblich irgendmöglich, Urlaubswünsche berücksichtigt.“
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