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Ausgabe Nr. 15/2017 vom 11.04.2017, Fotos: picturedesk.com, privat
Thomas Stelzer ist der neue Chef in OÖ.
Thomas Stelzer mit Josef Pühringer.
Mit der Familie im Schiurlaub. Beim liebsten Hobby.
Er ist der erste Landeshauptmann mit einem „Oscar“
Seit knapp einer Woche heißt der Landeshauptmann von Oberösterreich Thomas Stelzer. Der 50jährige löste Josef Pühringer ab, der nach 22 Jahren amtsmüde geworden war und seinem Nachfolger bis zur nächsten Landtagswahl im Jahr 2021 die Chance zur Profilierung geben wollte.
Stolz hält er die kleine, golden glänzende Statuette in die Kamera. „Das ist mein ,Oscar‘“, schmunzelt Mag. Thomas Stelzer. Eine Auszeichnung seiner Kinder Lukas, 16, und Lena, 12, für den „Besten Papa“.

Eine Anerkennung für gemeinsames Lernen, kurzweilige Ausflüge und die übrige Zeit, die der Politiker mit seinen Kindern verbracht hat. Der beste Vater sei er schon, nun möchte er auch der beste Landeshauptmann werden, schmunzelt der 50jährige Oberösterreicher, der in der Landeshauptstadt Linz zur Welt kam und in der Stahlstadt auch aufgewachsen ist. Und der bislang scheinbar nur haarscharf daran vorbeigeschrammt sein dürfte, auch noch als „Bester Hausmann“ ausgezeichnet zu werden, denn obwohl eine Angestellte im Haushalt mithilft, gehört das Ein- und Ausräumen des Geschirrspülers durchaus auch zu seinen Pflichten. Ebenso wie andere kleinere Tätigkeiten in den eigenen vier Wänden. „Aber beim Bügeln ziehe ich definitiv einen Schlussstrich“, lacht der neue Landeschef von Oberösterreich, für den der Langzeit-Landeshauptmann Josef Pühringer seinen Sessel geräumt hat.

Es wurde gemunkelt, dass der 67jährige nicht begeistert davon war, mit den Freiheitlichen eine Koalition bilden zu müssen. Die junge schwarze Politikerriege im Land ob der Enns hat nach dem schlechten Wahlergebnis im Jahr 2015 darauf gedrängt. Also rückte der Stellvertreter zum Landeschef auf. Schwarz bleibt Oberösterreich weiterhin. Damit die Bürger nicht ebenso düster sehen, will der studierte Jurist Stelzer anpacken, um die Industrie im Land zu behalten.

Zwar gebe es seinen Informationen zufolge mit 650.000 Beschäftigten so viele arbeitende Menschen wie noch nie, dennoch will Stelzer den Standort Oberösterreich weiterentwickeln. „Großbetriebe müssen gehalten, in die Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau des Internets muss investiert werden.“

Natürlich führt er eine schwarz-blaue Koalition an, doch für den Kulturliebhaber mit Abonnement für das Linzer Musiktheater soll seine Handschrift die nächsten Jahre prägen. Mit dem Ziel, bei den nächsten Landtagswahlen im Jahr 2021 wieder deutlich zuzulegen und im hohen 40er Prozentbereich zu landen. Am liebsten freilich wäre dem langgedienten Parteimann überhaupt die absolute Mehrheit, wie es in den 70er und 80er Jahren der Fall war.

Nicht zuletzt mit Hilfe der Frauen. „Deren Anteil habe ich bereits erhöht. In der Landesregierung sitzen nun zwei Frauen und im Parteivorstand liegt der Frauenanteil bereits bei 46 Prozent, zuvor betrug er lediglich 30 Prozent.“ Der Nachteil, sich kaum in der freien Wirtschaft behauptet zu haben, gereicht ihm hier zum Vorteil. Er kennt die Strukturen seiner Partei und deren Mitarbeiter seit Jahrzehnten. Denn nach zwei Jahren bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich wechselte Stelzer in den ÖVP Landtagsklub, danach in die Bildungsabteilung vom Amt der Landesregierung, er war Landtagsabgeordneter, gehörte dem Linzer Gemeinderat an, war seit Oktober 2015 Landeshauptmann-Stellvertreter und leitetet die Ressorts Bildung, Jugend und Forschung. Dass er vor wenigen Tagen mit 99,9 Prozent der Stimmen zum ÖVP-Obmann von OÖ gewählt wurde, machte Politiker parteiübergreifend neidisch. Sein Partei-Chef Vizekanzler Reinhold Mitterlehner sparte daher nicht mit Lob. „Thomas Stelzer ist in seinen Werten gesichert, dazu erfahren, eloquent und durchsetzungsstark.“

Eigenschaften, die wohl ebenso auf seine Frau Bettina zutreffen, die in Steyr den Betrieb ihres Vaters übernommen hat und mit der Stelzer seit 1998 verheiratet ist. Die 45jährige, „sie sieht wesentlich jünger aus“ (Zitat Ehemann), erstellt Konzepte für Gastronomie- und Hotelleriebetriebe, daneben kümmert sie sich um die bauliche Abwicklung. Da das Pendeln von Linz nach Steyr mühsam ist, hat sich die Familie im nahegelegenen Wolfern niedergelassen. Die gemeinsame Zeit ist spärlich bemessen, „doch das ist für unsere Familie normal“, sagt der neue Landeschef. „Die Kinder sind in unseren Arbeits-Alltag hineingewachsen. Durch die Mobiltelefone heutzutage ist die Kontaktaufnahme allerdings deutlich leichter geworden.“ Dennoch genießt Thomas Stelzer die Stunden mit seiner Familie. Vor allem, wenn er dabei im Urlaub seinem liebsten Hobby, dem Schifahren nachgehen kann. Für die zweite Leidenschaft Tennis fehlt die Zeit.

Weil der 50jährige nun vorausgehen möchte. Dies sei eine wesentliche Funktion seines neuen Amtes, meint er. „Es gilt, Verantwortung zu übernehmen, nicht warten, was politische Gegner machen, sondern selbst das Tempo vorgeben.“ Da er zusätzlich die Ressorts Finanzen, Kultur, Personal und Jugend innehat, bleibt ihm dafür ausreichend Spielraum. Unter anderem, um das Mühlviertel besser durch öffentliche Verkehrsmittel mit Linz zu verbinden. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss, der eine neue Bahnbrücke in Linz einschließt, ist bereits gefasst. Und um für 400 behinderte Menschen in den nächsten vier Jahren lebenswerten Wohnraum zu schaffen. „Das ist dringend nötig.“
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