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Ausgabe Nr. 15/2017 vom 11.04.2017, Foto: Judith Maria Trölß
Beatrix Mayrhofer: "Gefühle gab es schon, aber ich wollte ins Kloster."
„Frauen als Priester wären gut“
Sie ist die oberste Klosterschwester unseres Landes. Einfach ausgedrückt. Genau genommen ist Sr. Dr. Beatrix Mayrhofer, 68, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden und als solche die Sprecherin der Ordensfrauen. Und gerade jetzt zu Ostern eine wichtige Stimme, um sie zu hören. Das ist zu selten der Fall. Schon in der Leidensgeschichte Jesu standen Frauen in der zweiten Reihe, und doch weinte Maria um ihren Sohn. Mit der Diskussion um das Kopftuchverbot gibt es auch einen aktuellen politischen Bezug.
Wie sind Sie in das Amt der obersten Klosterschwester unseres Landes gekommen?
Es gibt jährlich ein Treffen der Höheren Ordensoberinnen und alle drei Jahre wird bei dieser Konferenz eine Präsidentin, deren Stellvertreterin sowie eine Generalsekretärin gewählt. Für die nächsten drei Jahre habe ich das Amt der Präsidentin inne. Ich bezeichne mich als Sprecherin der Ordensfrauen unseres Landes.

Welchem Orden gehören Sie an?
Den „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“, weltweit sind wir bekannt als SSND-Schulschwestern Notre Dame. Es hat eine historische Bedeutung, warum diese Bezeichnung in der deutschen Sprache so ein langer Bandlwurm ist.

Sind Ihre Mitschwestern tatsächlich in aller Welt tätig?
Derzeit in 36 Ländern der Erde, ja. Wir sind ein großer Schulorden, der nur hierzulande nie groß geworden ist, weil gleichzeitig viele verschiedene Schulorden entstanden sind. Die Bildungsnot im 19. Jahrhundert war groß und daher sind an vielen Stellen Schwesterngemeinschaften neu gegründet worden. Unserer Gemeinschaft gehören heute 3.600 Schulschwestern weltweit an. Wir sind hierzulande dagegen nur eine kleine Gruppe von 32 Schwestern, aber zur Provinz Österreich, wie das in der Klostersprache heißt, gehören die Niederlassungen in Tschechien und das eine Haus in Italien, also umfasst die Provinz Österreich-Italien-Tschechien.

Warum wollten Sie Klosterschwester werden?
Ich bin in einer gläubigen Familie aufgewachsen. Schon mit zehn Jahren stand für mich fest, einmal Nonne zu werden. Das Gebet hat mir immer viel bedeutet, ebenso das Bewusstsein, dass Gott existiert, und, dass er für mich präsent ist. Dass ich ihm dienen wollte, ihm gehören wollte, mein Leben in den Dienst Gottes und der Menschen stellen wollte, das war für mich schon in der Volksschule klar. Mein Vater war überdies Mesner in Wels (OÖ). Deshalb wuchs ich praktisch in der Kirche auf. Sie war mein Spielplatz. Mit meiner Schwester Ernestine, 71, bin ich darin sogar um die Wette gelaufen, obwohl wir eigentlich die Bänke abstauben sollten.

Wann sind Sie der Gemeinschaft der Schwestern beigetreten?
Am 5. Jänner 1970, nach meinem Studium der Pädagogik und Psychologie. Ich war aber zunächst Novizin, seit 1977 bin ich Klosterschwester. Anschließend habe ich Religionspädagogik und Philosophie studiert, um am Gymnasium unterrichten zu können.

Welche Kindheits-Erinnerungen haben Sie an Ostern?
Wir sind regelmäßig zu meinem Geburtsort gefahren, ich bin ja in Taufkirchen an der Trattnach geboren, in Oberösterreich. Dort lebte die Großmutter, also die Mutter meines Vaters. Die Großmutter hatte drei Zicklein, mit denen wir Mädchen spielen durften. Sonst war Ostern von der Liturgie geprägt, von der Überzeugung, wir feiern die Auferstehung Jesu, wir feiern das große Fest. Ich wäre auch gern Ministrantin beim Ostergottesdienst gewesen. Aber das ging damals nicht.

Sind Sie froh darüber, dass dies Mädchen heute möglich ist?
Ja, natürlich.

Wären Sie auch dafür, Frauen die Priesterwürde zu verleihen?
Ich würde sagen, es gibt theologisch keinen Grund, warum eine Frau nicht Priester sein kann. Wir machen Fortschritte, Papst Franziskus hat im vorigen Jahr auf der Versammlung der Höheren Ordensoberinnen in Rom (I) reagiert. Er will sich mit der Frage des Diakonats der Frau historisch befassen. Es gibt ja dazu einen Forschungskreis, es wird untersucht, wie das mit den Diakoninnen in der frühen Kirche war.

Welchen Zeitraum meinen Sie mit früh?
Die ersten 200 Jahre der Kirche.

Also Priesterinnen sind für Sie vorstellbar?
Ich glaube, dass wir Frauen viele Aufgaben übernehmen können und auch übernehmen, und, dass es viele Leitungspositionen gibt. Ich glaube, dass auf die Dauer die Katholische Kirche auf die Frauen, auch im Weihsakrament, nicht verzichten kann.

Sollte dann das Zölibat aufgehoben werden?
Nein, davon halte ich nichts. Es hat schon seinen Sinn, dass ein Priester nicht heiratet, sondern ganz für den Dienst an Gott und den Menschen verfügbar ist. Die Aufhebung des Zölibates löst keine Probleme. Wir sehen ja an der evangelischen Kirche, in der Pastoren heiraten dürfen, dass es nicht weniger Probleme gibt. Nur andere.

Und was wäre mit einer Frau im höchsten Kirchenamt – als Päpstin?
Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube aber schon, dass es der Kurie gut täte, wenn Frauen in der Kurie Positionen beziehen würden und der Vatikan ein bisschen aufgemischt würde.

Können Sie sich als Frau vorstellen, welche Leiden die Mutter Gottes während der Kreuzigung durchlebte?
Leider müssen wir uns nicht viel in der Phantasie ausdenken, wir müssen nur den Fernseher aufdrehen und schauen, was in Syrien, im Irak, in Ägypten, in der Ukraine und in Somalia heute passiert. Wenn ich als Lehrerin früher in der Schule mit den Kindern über den Kreuzestod Jesu gesprochen habe, war das eine schreckliche Geschichte, die aber vor 2.000 Jahren passiert ist. Plötzlich passiert sie jetzt, denn die Menschen werden heute gekreuzigt. Das ist Realität.

Die Grausamkeit und Verbohrtheit des Menschen kennen scheinbar keine Grenzen?
Dennoch ist nicht der Tod die stärkste Macht, sondern die Liebe. Dieser ruinierte, zerschundene, am Kreuz vernichtete Jesus Christus bleibt nicht im Tod, sondern überwindet ihn. Das ist das alles sprengende Geheimnis des christlichen Glaubens.

Viele Menschen wenden sich von diesem Glauben ab, ebenso sinkt die Zahl der Klosterschwestern …
Reden wir nicht von Klosterschwestern, sondern von Ordensfrauen. Weil die Menschen mit einer Klosterschwester eine Frau verbinden, die über Jahrhunderte als brave Schwester die Sakristei geputzt hat. Ordensfrauen übernehmen in verschiedenen Berufen Verantwortung in einer Ordensgemeinschaft. Um Zuwächse verzeichnen zu können, bedarf es einer Gesundung der Gesellschaft. Denn wenn in einer Familie nur eine Tochter lebt, dann kann die doch um Gottes willen nicht in einen Orden eintreten.

Die Frau soll also die freie Wahl haben, wie sie ihr Leben gestaltet. Sollte das auch für das Tragen eines Kopftuches gelten?
Grundsätzlich geht es um die Würde der Frau und um die Freiheit der Religion. Dann stellt sich für mich die Frage: Wer sagt denn einer Frau, was sie aufsetzen soll? Es ist der Mann. Warum diskutieren wir nicht über die Kopfbedeckung des Mannes?

Wir müssten also den Turban des Mannes in Frage stellen?
Natürlich, denn Kopfbedeckung bleibt Kopfbedeckung. Wenn wir den Jägerhut in öffentlichen Gebäuden zulassen, dürfen wir auch den Schleier der Ordensfrau sowie das Kopftuch nicht verbieten.

Sie tragen aber kein Kopftuch, nicht wahr?
Nein, ich trage natürlich einen Schleier. Ich habe in unserem Land die Freiheit, als Ordensfrau den Schleier zu tragen und gerade deswegen setze ich mich dafür ein, dass eine Muslima, wenn sie das möchte, ebenfalls das Kopftuch tragen darf. Allerdings gehört meiner Meinung nach die Ganzkörperverschleierung verboten, weil ich glaube, dass sie nicht der Würde der Frau entspricht.

Wann legen Sie den Schleier ab?
Bei der Gartenarbeit setze ich mir ein anderes Tuch auf, damit mir der Dreck nicht in die Haare fällt. Beim Wandern zum Beispiel trage ich keinen Schleier. Oder wenn ich mir ein Fußballspiel ansehe. Der Linzer Klub LASK wird heuer wahrscheinlich wieder in die oberste Spielklasse aufsteigen. Ich war immer ein Anhänger der Schwarz-Weißen (lacht). Deshalb werde ich mir wieder das eine oder andere Spiel ansehen.

Haben Sie selbst einmal Fußball gespielt?
Freilich, mit meiner Schwester und Buben auf dem Sportplatz, der zur Pfarre in Wels gehört hat.

Hat damals nie ein Bub Annäherungsversuche unternommen?
Das weiß ich nicht.

Und Sie, waren Sie nie verliebt?
Gefühle gab es schon, aber ich wollte ins Kloster.

Ein Mann hatte nie eine Chance bei Ihnen?
Nein, nie.


ZUR PERSON

Schwester Dr. Beatrix Mayrhofer wurde am 15. April 1948 in Taufkirchen an der Trattnach in Oberösterreich geboren. Im Jahr 1967 hat sie an der damaligen Frauenoberschule der Vöcklabrucker Schulschwestern in Wels maturiert. Sie hat Pädagogik und Psychologie studiert und später noch ein Lehramts-Studium in Religionspädagogik angehängt. Im Februar wurde sie für drei Jahre zur Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden unseres Landes gewählt. Sie lebt und arbeitet in Wien.
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