Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 14/2017 vom 04.04.2017, Foto: Universal Music
Jay Kay: "Ich bin ein kleiner Prophet"
„Mischwesen werden uns unterjochen"
Jay Kay von „Jamiroquai“ sieht eine dunkle Zukunft für uns.
Die Frühpension hatte für ihn keinen Reiz. Da setzte sich der 47jährige Jay Kay, Frontmann der erfolgreichen britischen Band „Jamiroquai“ lieber hin und schrieb mit seinem Partner Matt Johnson noch ein paar Lieder. Das Ergebnis heißt „Automaton“ und ist das achte Studioalbum der Gruppe. Es ist seit Freitag im Handel. Ein Vorgeschmack auf die kommende Tour, die Jay Kay und seine Mannen am 15. November in der Wiener Stadthalle Halt machen lässt. Mit einem Mix aus souligen, elektronisch angehauchten, lässig groovigen und funkigen Liedern. Es gibt auch einen Song für seine Tochter Carla, meinte der in einem riesigen Anwesen samt Schwimmbecken im englischen Buckinghamshire lebende Sänger gegenüber dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth.

Eines Ihrer Lieder auf dem neuen Album „Automaton“ heißt „Cloud 9“. Gemeint ist damit ein Ort voller Glückseligkeit. Entspricht das Ihrem derzeitigen Lebensgefühl?
Voll und ganz. In den vergangenen Wochen haben wir bis zur Erschöpfung geprobt, damit die Konzerte unserer neuen Tour geschmeidig ablaufen. Wir haben ein paar neue Kollegen in der Band und viele neue Songs, deshalb bin ich ordentlich nervös. Andererseits – was soll ich sagen? Ich bin ein hocherfreuter alter Knabe.

Waren Sie nervös, weil Sie nicht sicher waren, ob die neuen Lieder ankommen?
Ja, ich war alles andere als überzeugt davon, dass die Reaktionen nach sechs, sieben Jahren so phantastisch sind. Die Menschen empfangen uns wieder mit offenen Armen in ihrer Mitte, das ermutigt mich.

Das letzte Lied auf dem neuen Album heißt „Carla“. Wer ist das?
Meine Tochter.

Daher die Pause?
Ja, Carla ist fast zwei Jahre alt. Der Song ist für sie. Und inzwischen hat sie sogar schon eine kleine Schwester namens Talullah.

Ein Lied namens „Talullah“ gibt es auf „Automaton“ nicht. Hoffentlich macht Ihnen die Kleine später keine Vorhaltungen.
Dazu hat sie keinen Grund. Ein Lied namens „Talullah“ gibt es bereits auf meinem Album „Dynamite“ aus dem Jahr 2005. Das habe ich also schon erledigt (lacht).

Der ewige Schwerenöter Jay Kay ist also Vater von zwei kleinen Mädchen. Wer hätte das gedacht?
Tja, so kann es gehen. Mein Leben hat sich radikal verändert. Ich glaube, es hat Vorteile, etwas später im Leben Vater zu werden. Für mich war es der richtige Zeitpunkt. Ich bin ruhiger, kein Vergleich mehr zu meinen wilden, verrückten, ausschweifenden Zeiten.

Drogen, Alkohol, Frauen – Sie haben bekanntlich nichts ausgelassen …
Richtig, richtig. Es war extrem. Und verstehen wir uns nicht falsch: Das alte Leben hat mir auch Spaß gemacht. Aber so ein unerwachsenes Dasein, wie ich es bis tief in meine Dreißiger hinein geführt habe, lassen dir zwei kleine Mädchen daheim nicht mehr so einfach durchgehen. Ist auch gut so.

Handelt das Liebeslied „Cloud 9“ von der Mutter Ihrer Töchter? Wobei – sind Sie verheiratet?
Ja, also nein, ich glaube nicht …

Das heißt, Sie wollen über Ihren Beziehungsstatus nicht reden. Sagen Sie uns trotzdem, um wen es in dem Song geht?
Um die schrägen Wendungen des Lebens. Wir alle waren einmal in einer Beziehung, die nicht gut lief, und auf einmal lernen wir jemanden kennen und stellen schnell fest, wie glücklich wir mit diesem Menschen sind. Auch mir ging es schon so. Ich kann mir vorstellen, es gibt so manche Ex-Freundin von mir, die das Lied heimlich hört und dazu im Wohnzimmer tanzt. Dann kommt ihr jetziger Freund, und sie drehen das Lied rasch ab.

Auf „Automaton“ geht es um den Kampf zwischen Mensch und Maschine. Warum?
Ich bin ja ein kleiner Prophet, was die Zukunft angeht. Schon vor 20 Jahren habe ich mit „Virtual Insanity“ vieles prophezeit, was auch eingetreten ist. Ich mache mir Sorgen darüber, wie schnell sich die Technologie entwickelt, und dass irgendwo in einem Labor jemand sitzt, der Böses plant. Ich stelle mir vor, wie Mischwesen gezüchtet werden, halb Mensch, halb Roboter, die uns irgendwann unterjochen.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung