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Ausgabe Nr. 14/2017 vom 04.04.2017, Fotos: Caters News
Carys Grants Schwangerschaftsübelkeit kostete sie fast das Leben.
Für ihren Partner Steven (li.) ist Carys Grant eine Heldin.
„Ich erbrach 90 Mal am Tag“
Viele Frauen leiden während ihrer Schwangerschaft an heftiger Übelkeit. Die bei der Britin Carys Grant aber so extreme Formen annahm, dass ihr Leben und das ihres Kindes in Gefahr war. Ab der fünften Schwangerschaftswoche konnte sie nichts mehr in ihrem Magen behalten.
Eigentlich wollten wir zwei Kinder. Aber noch einmal möchte ich das nicht durchmachen“, sagt Carys Grant. Dass der zweieinhalbjährige Leuan ein Einzelkind bleiben wird, scheint ihn nicht zu stören. Er klettert auf seiner Mutter herum und freut sich seines Lebens. Der Bub weiß nicht, dass seine Mutter fast gestorben wäre, als sie mit ihm schwanger war. Die Zeit, die er im Bauch der 23jährigen Altenpflegerin aus Cardiff (Wales) heranwuchs, entwickelte sich für Carys Grant zur schrecklichsten Tortur ihres Lebens.

Dabei fing alles im April 2014 so an, wie es für die meisten schwangeren Frauen beginnt. „In der fünften Schwangerschaftswoche wurde mir übel und ich musste mich nach dem Aufstehen zum ersten Mal übergeben“, erinnert sich die Waliserin. Während diese Schwangerschaftsübelkeit zwar unangenehm ist, aber normalerweise glimpflich verläuft, nahm sie bei Grant lebensbedrohliche Formen an. „Sobald ich etwas gegessen hatte, kam es mir umgehend wieder herauf“, erzählt die junge Mutter. Tee und homöopathische Tropfen halfen nicht. Nach einer Woche ging es ihr so schlecht, dass sie nicht mehr als Pflegerin arbeiten konnte.

Gelang es ihr anfangs noch, ein wenig pürierte Nahrung in kleinen Bissen und Flüssigkeit zu sich zu nehmen und bei sich zu behalten, verschlechterte sich ihr Zustand bald, dass sie sich auch erbrechen musste, wenn sie etwas getrunken hatte. Bis zu 20 Mal am Tag peinigte sie der Würgereiz und ebenso oft übergab sie sich. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

In der zwölften Woche ihrer Schwangerschaft wurde die Britin vollkommen dehydriert ins Spital eingeliefert. Nachdem ihr zwei Infusionen verabreicht wurden, entließen die Ärzte sie. „Zwölf Stunden später war ich wieder in der Klinik, weil ich zusammengebrochen war.“ Die Mediziner standen vor einem Rätsel. Sie konnten den Zustand der Patientin zwar benennen, aber nicht heilen. „Wenn die Schwangere öfter als fünf Mal am Tag erbricht und gar keine Nahrung behalten kann, sprechen wir von einer Hyperemesis gravidarum“, erklärt ihr behandelnder Arzt Dr. Henry Lewis. „Diese schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit war bei Carys Grant aber in einer extremen Ausprägung vorhanden.“

Trotz der Versuche, ihre Übelkeit mit Medikamenten in den Griff zu bekommen, erbrach sich die Schwangere weiter. „Bis zu 90 Mal am Tag, nichts blieb mehr in meinem Magen. Dem Spital sind wegen mir sogar die Brechschüsseln ausgegangen“, kann Grant heute darüber lachen.

Zum Lachen war ihr damals aber nicht zumute. „Ich hatte nur noch zwei Lebenszustände. Entweder ich schlief oder mir war übel“, erinnert sich die 23jährige. Da es ihrem Körper an allem mangelte, fielen ihr die Haare aus und die Nieren begannen zu versagen. „Zu Beginn der Schwangerschaft wog ich 85 Kilo, in der 20. Woche nur noch 44 Kilo.“

Da mittlerweile höchste Gefahr für das Leben der werdenden Mutter und das ihres ungeborenen Kindes bestand, wurde sie in eine Art Dämmerzustand versetzt und über eine Nasensonde, die in ihren Magen führte, ernährt.

„Es war fürchterlich, die Frau, die ich so sehr liebte und die mein Kind in sich trug, in diesem hilflosen Zustand zu sehen“, erinnert sich Grants Lebensgefährte Steven James. „Ich kann mich ab dieser Zeit wegen der Medikamente an meine Schwangerschaft überhaupt nicht mehr erinnern“, sagt die Waliserin. So wichtige Momente im Leben einer Mutter wie der Zeitpunkt, wenn sie das erste Mal die Bewegungen ihres Kindes im Bauch spürt, fehlen ihr.
Aber sie konnte hören. Und so vernahm sie, wie die Ärzte mit ihrem Freund sprachen. „Sie rieten ihm, einem Schwangerschaftsabbruch zuzustimmen, um mein Leben zu retten.“ Was dann geschah, schildert ihr Lebensgefährte. „Carys bäumte sich auf und zeigte, dass sie etwas schreiben wollte“, sagt James. Nachdem er ihr einen Zettel und Papier gegeben hatte, las er die fünf Worte, die sie notiert hatte. „Ich trage mein Baby aus.“ Damit war die Entscheidung gefallen.

Als Grants Zustand soweit stabil war, dass sie die Geburt überleben würde, beschlossen die Ärzte, die dämpfenden Medikamente abzusetzen und die Geburt einzuleiten. In der 36. Schwangerschaftswoche gebar sie schließlich einen Sohn. „Ich durfte ihn aber nur kurz auf mir spüren. Dann nahmen sie mir Leuan weg.“ Auf einer Beobachtungsstation wurde das Baby genau untersucht, um auszuschließen, dass der Nährstoffmangel bleibende Schäden bei dem Baby verursacht hatte.

Die Trennung von ihrem Kind bewirkte, dass Grant in eine schwere postnatale Depression verfiel. „Es war schrecklich. Ich fühlte eine unglaubliche Leere in mir, sodass ich mich weder waschen noch anziehen konnte.“

Erst als sie ihren gesunden Sohn nach zehn Tagen in ihre Arme nehmen konnte, begann es der jungen Mutter besser zu gehen. Carys Grant nahm wieder zu, die Depressionen verschwanden. „Carys ist meine Heldin“, streut James seiner großen Liebe Rosen. „Hätte sie nicht so selbstlos entschieden, würde unser Sohn heute nicht leben.“
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