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Ausgabe Nr. 14/2017 vom 04.04.2017, Fotos: Artothek, zvg, Trölß, Morlock
Prof. Martin Stowasser, Uni Wien: „Judas setzte große Hoffnung in Jesus und versprach sich von ihm die Befreiung Israels.“
Susanne Sifkovits, 56 Jahre, Inhaberin von „IKUMHAM Resilienz-Trainings für Frauen“: „Mein Lebenspartner stahl mir mein ganzes Erspartes“
Johannes Katzenbeihser, 52, Projektorganisator: „Der Jahrzehnte zurückliegende Verrat hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt“
Julia Priller, 29, Angestellte: „Meine beste Freundin hat meine Liebe zerstört“
Wir wurden verraten
Im Laufe unseres Lebens werden wir alle des Öfteren betrogen. Viel schlimmer ist es aber, wenn der Verrat von einem Freund, Liebespartner oder Familienmitglied begangen wird, also einem Menschen, dem wir blind vertrauen sollten. Doch selbst Jesus war davor nicht gefeit.
Jesus wurde vor knapp 2.000 Jahren nicht etwa von einem Feind hintergangen. Vielmehr soll es einer seiner engsten Vertrauten, einer seiner zwölf Jünger, gewesen sein, der ihn auslieferte, Judas.

„Judas galt den frühen Christen als Abgefallener und wird deshalb im Neuen Testament äußerst negativ dargestellt. Er setzte vermutlich große Hoffnung in den neuen Messias und versprach sich von ihm die Befreiung Israels von den Römern. Jesus jedoch ließ oftmals Güte walten und rief zu keiner gewalttätigen Revolution auf. Wahrscheinlich wurde Judas mit der Zeit immer desillusionierter“, erklärt Prof. Martin Stowasser vom Institut für Bibelwissenschaften der Universität Wien.

Und so kam es, dass sich Judas eines Tages dazu entschloss, Jesus für den Lohn von 30 Silberlingen an die jüdische Obrigkeit auszuliefern. Damit sie den Messias auch erkennen würde, vereinbarte Judas mit ihr, Jesus mit einem Kuss bloßzustellen.

Darüber, wann der Verrat begangen wurde, existieren zwei unterschiedliche Chronologien. „Die Synoptiker gehen davon aus, dass es sich am Tag des Paschafestes zutrug, im Johannesevangelium wiederum ist zu lesen, dass der Verrat etwas früher stattfand. In jedem Fall fiel das Ereignis auf die Nacht von Donnerstag auf Freitag, da der jüdische Tag mit dem Vorabend beginnt, geschah es also an einem Freitag“, weiß Stowasser, der aber auch darauf hinweist, dass es sich „bei den Evangelien um keine historischen Berichte, sondern um Glaubensschriften handelt.“

Es ist also ein heikles Thema, denn oft wurde die Geschichte über Judas, dessen Name mit dem Begriff Jude gleichgesetzt wurde, für antisemitische Erklärungsmuster missbraucht. Darüber hinaus hätte sich ohne Judas Jesus‘ Wiedergeburt nicht in dieser Art zutragen können. Und auf diesem Wunder beruht schließlich das höchste Fest der Christen, Ostern.
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Susanne Sifkovits, 56 Jahre, Inhaberin von „IKUMHAM Resilienz-Trainings für Frauen“: „Mein Lebenspartner stahl mir mein ganzes Erspartes“
„Vor rund zehn Jahren trat ein Mann in mein Leben, der sich äußerst hilfsbereit und liebevoll gab. Er war als Finanzberater tätig und so ergab es sich, dass er mir eines Tages anbot, für meine Zukunft vorzusorgen. Ich vertraute ihm natürlich, weil wir ja eine Liebesbeziehung führten. Doch nach einiger Zeit wurde ich misstrauisch. Denn immer, wenn ich auf mein veranlagtes Geld zugreifen oder Einsicht in die Investitionspapiere haben wollte, vertröstete er mich. Aus blinder Liebe zu ihm habe ich mein Bauchgefühl aber viel zu lange ignoriert. Denn er konnte äußerst charmant sein und lud mich immer wieder großzügig ein. Später stellte sich dann heraus, dass er dafür stets mein eigenes Geld verwendet hatte. Als ich ihn dann doch zur Rede stellte, versuchte er mich zunächst emotional unter Druck zu setzen. Aber ich habe mich nicht erpressen lassen und bin zum Staatsanwalt gegangen. Denn mein vorgeblich Liebster hatte mich um 100.000 Euro betrogen. Mein ganzes hart erspartes Geld war weg. Ich habe es auch nie wieder gesehen. Er wurde dann zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Allerdings zog sich der Prozess über Jahre. Das war eine harte Zeit für mich. Aber schließlich habe ich aus diesem Verrat viel gelernt. Heute hege ich keinen Groll mehr gegen ihn, denn im Grunde hat mich dieser Verrat zu einer starken und mutigen Frau gemacht.“
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Johannes Katzenbeihser, 52, Projektorganisator: „Der Jahrzehnte zurückliegende Verrat hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt“
„Es ist zwar schon lange her, dass ich in der Schule war, aber der Verrat, der dort an mir begangen wurde, hat sich bis heute in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich war damals auch Schulsprecher. Eines Tages habe ich mir erlaubt, meinen Lehrern einen Streich zu spielen. Ich sperrte die versammelte Pädagogenschar im Lehrerkammerl ein, indem ich unter die Tür einen Keil schob. Die Lehrer waren natürlich in heller Aufregung und haben laut nach Hilfe gerufen. Aber der Schulwart hat sie erst nach geraumer Zeit gehört und schließlich befreit. Danach wollten sie selbstverständlich sofort den Schuldigen finden, sie waren äußerst wütend. Aber zwei Wochen lang haben wir alle den Mund gehalten, schließlich war es ja nur ein blöder Bubenstreich und nicht böse gemeint. Als ich mich schon in Sicherheit wähnte, folgte aber schließlich der Verrat. Ein befreundeter Mitschüler ist von sich aus zu den Lehrern gegangen und hat mich verpetzt. Dann war ich dran, mein Lieber. Ich durfte zwei Stunden nachsitzen, musste einen langen Aufsatz schreiben und einige Rechnungen lösen. Noch dazu herrschte zu dieser Zeit gerade wunderschönes Wetter. Während also alle draußen Fußball spielten oder ins Freibad gingen, war ich drinnen eingesperrt. Meine ganze restliche Schulzeit habe ich kein Wort mehr mit diesem ehemaligen Kameraden gewechselt.“
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Julia Priller, 29, Angestellte: „Meine beste Freundin hat meine Liebe zerstört“
„Meine ehemals beste Freundin wurde zu meiner größten Verräterin. Wir sind 15 Jahre durch dick und dünn gegangen, doch als ich vor drei Jahren meinen damaligen Partner kennenlernte, konnte sie es nicht ertragen, dass ich nun einen Freund hatte und sie nicht. Also hat sie versucht, mir meinen Freund mit fiesen Tricks hinter meinem Rücken auszuspannen. Sie hat ihm etwa Nachrichten von verschiedenen Mobiltelefonen geschrieben, damit ich glaube, dass er mich mit anderen Frauen betrügt. Außerdem hat sie Gerüchte gestreut, dass ich mich noch mit anderen Männern treffe und nicht treu sei. Die ganze Situation war äußerst belastend für meine Beziehung und hat schließlich dazu geführt, dass die Liebe zerbrach. Damit mich diese Frau endlich in Ruhe ließ, habe ich auch meine Nummer gewechselt und bin sogar umgezogen. Was sie gemacht hat, war krankhaft.“
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