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Ausgabe Nr. 14/2017 vom 04.04.2017, Fotos: ORF/ARD/SWR/Jacqueline Krause-Burber, picturedesk.com
Frank Elstner: "Ein gutes Gespräch ist mir lieber als eine große Feier."
Auch mit Tieren weiß Elstner umzugehen. Obwohl der Fuchs lieber flüchten würde.
Mit „Wetten, dass …?“ gelang Elstner ein riesiger Erfolg.
„Als Kind wurde ich ausgelacht“
Er ist einer der kreativsten Köpfe im Showgeschäft und nicht nur der Erfinder von „Wetten, dass …?“. Am 19. April feiert der gebürtige Linzer Frank Elstner seinen 75. Geburtstag. Bereits am Samstag, 8. April, lassen ihn der ORF und die ARD hochleben. Mit der Show „Top, die Wette gilt“.
Herr Elstner, kommen Sie noch hin und wieder nach Linz?
Natürlich, jedes Jahr.

Allzu groß dürfte Ihr Bezug zur oberösterreichischen Landeshauptstadt wohl nicht sein, denn Sie sind zwar dort geboren, aber schon als Baby mit den Eltern weggezogen …
Ich bin in der Kriegszeit in Linz auf die Welt gekommen und im Alter von drei Wochen mit meinen Eltern nach Brünn (heute Tschechien) übersiedelt. Deshalb haben wir keine Verwandten. Aber einen Freund in Linz zu haben ist vielleicht wichtiger als Verwandte. Und den habe ich in Person von Reinhard Waldenberger. Er ist der Programmchef des ORF-Landesstudios Oberösterreich. Außerdem habe ich meiner Frau und meinen Kindern Linz gezeigt. Sie waren von der Stadt begeistert.

In Brünn blieben Sie aber auch nicht?
Stimmt, wir zogen durch Europa. Von Brünn nach Wien und dann nach Berlin, nach Köln, Baden-Baden (alle Deutschland) und schließlich nach Luxemburg.

Sie sind heute in dritter Ehe verheiratet. Haben Sie mit
jeder Ehe dazugelernt?

Meine anderen Ehen sind lange, lange vorbei. Ich bin jetzt mit meiner Frau seit 32 Jahren zusammen, da müsste die Frage lauten, was ich von ihr gelernt habe.

Dürfen wir diese Frage stellen?
Ein Stückchen Gelassenheit, weil meine Frau einen wunderbaren Charakter hat, wenn es um ernste Dinge geht. Nicht zu verzagen, wenn es schwer wird und sie motiviert mich.

Sie haben Fehler in Ihren Ehen gemacht?
Natürlich, sonst wäre ich heute noch mit meiner ersten
Frau verheiratet. Natürlich gibt es Fehler. Wir machen viele Fehler im Leben und jetzt, wo ich 75 Jahre alt werde, ist mir auch klar geworden, dass ich, wenn ich das Leben noch einmal leben würde, an vielen Stellen anders handeln würde. Wir werden ja klüger, wenn wir älter werden.

Können Sie ein Beispiel geben, was Sie anders machen würden?
Nein, das bleibt mein Geheimnis.

Keineswegs ändern müssten Sie wohl Ihre berufliche Karriere. Nur wenige Menschen sind so kreativ wie Sie, der unter anderem die erfolgreiche Show „Wetten, dass …?“ erfunden und auch moderiert hat. Bedauern Sie, dass die Show Ende 2014 eingestellt wurde?
Ich würde so sagen, alles hat seine Zeit und „Wetten, dass …?“ lief ja mehr als 30 Jahre lang. Das ist für eine Unterhaltungssendung ein unglaublicher Zeitraum. Ich bedauere es, wie es zu Ende gegangen ist. Aber ich möchte mich dazu nicht mehr äußern, das ist ein Kapitel in meinem Leben, mit dem ich abgeschlossen habe.

Haben sich die Sendungs-Verantwortlichen letztlich keine Mühe mehr gegeben, die Sendung zu retten?
Ich will mich dazu wirklich nicht mehr äußern, denn das wäre ein Nachtreten und das ist nicht meine Art.

Die Zuschauerzahlen am Samstagabend sind generell schlechter geworden. Wäre Freitag oder Sonntag ein besserer Termin?
Ich glaube nicht. Das hat damit überhaupt nichts zu tun, ob das ein guter oder ein schlechter Termin ist. Die Zeiten sind anders geworden. Es wird nie wieder diese großen Zuschauerzahlen geben, weil nur ein, zwei oder drei Programme früher zur Auswahl standen. Heute gibt es viele Möglichkeiten, die Interessen des Publikums zu bedienen, mit Hunderten von Programmen. Die Zeit hat sich geändert und ich finde, wir sollten uns darüber freuen, dass heute die Auswahl größer ist als früher und nicht immer Relikten hinterherweinen.

Es gibt heute viele Talente-Shows und Tanzsendungen, die das Geschehen beherrschen. Stimmt Sie das traurig?
Im Gegenteil, ich finde Talente-Shows wunderbar, wenn sie gut gemacht sind. Ob da nun begabte Menschen tanzen oder ob da begabte Menschen singen, die Talente-Shows gab es schon immer. Ich kann mich erinnern, vor 50 Jahren hatte der damalige Südwestfunk, jetzt heißt er SWR, immerhin der zweitgrößte Sender in der ARD, einen großen Talentschuppen, bei dem Talente auftraten, aus denen viele bekannte Interpreten hervorgegangen sind. Zum Beispiel Michael Schanze, Cindy & Bert und ich glaube, der Dieter Thomas Heck war da auch dabei.

Am 8. April gibt es eine große Show zu Ihrem bevorstehenden Geburtstag am 19. April. Wissen Sie schon, was in „Top, die Wette gilt“ geboten wird, welche Gäste zu Ihnen kommen werden, um zu gratulieren?
Im Moment weiß ich nur, dass Kai Pflaume moderiert und ich weiß, dass sich die Redaktion vom MDR große Mühe gibt, alles Mögliche zusammenzutragen, was ich in meinem Leben alles gemacht habe. Und ich bin auch froh, dass der Österreichische Rundfunk die Show mit überträgt, weil mein Herz natürlich immer auch für Österreich schlägt und eine Eurovisionssendung zu meinem 75. Geburtstag ist eine Auszeichnung, für die kann ich nur ganz bescheiden sagen, vielen herzlichen Dank, ihr Lieben.

Sie haben seit der Geburt Probleme mit dem rechten Auge …
Ja, mein rechtes Auge ist klein und die Krankheit heißt Mikrophthalmie, also Mikros von klein und Ophthalmos vom Auge im Griechischen. Das heißt blind geboren und deswegen kann ich sagen, wer sich mit mir unterhält, tut dies mit einem Einäugigen.

War das je ein Problem für Sie?
Natürlich, Kinder sind grausam. In der Schule wurde ich ausgelacht und der eine oder andere hat mir auf mein Brillenglas auf die rechte Seite Tinte geschmiert, weil er gemeint hat, da siehst du ja sowieso nichts. So sind Kinder halt, aber als ich dann erwachsen wurde und mit diesem Auge gut gelebt habe, erinnerte ich mich an einen Spruch meiner Großmutter, die zu mir gesagt hat: „Mensch, weißt du was, wenn du groß bist, trägst du ein Monokel, das macht einen großen Eindruck.“ Ich habe zwar nie eines getragen, aber sie hat mich getröstet.

Sie tragen aber ein Glasauge …
Ja, das erste hat noch 150 Mark gekostet. Heute bezahle ich dafür 800 Euro.

Haben Sie mehrere?
Natürlich, wenn ich eines im Bad fallen lasse, ist es kaputt. Da ich aber noch kein Tattagreis bin, habe ich mein jetziges seit sechs Jahren (schmunzelt).

Treiben Sie Sport oder haben Sie andere Hobbys?
Ich jogge gerne, auch auf meinem Laufband. Ich mache ein bisschen Gymnastik, also Sport in allen Variationen. Als ich noch etwas jünger war, bin ich gerne gesurft. Ich spiele auch ganz gerne Tennis, wobei ich im Alter jetzt ein bisschen Angst habe, dass ich mir den Rücken verdrehe. Das ist mir vor drei Jahren passiert. Damals konnte ich mich drei Wochen lang nicht mehr richtig bewegen.

Sie nehmen aber immer wieder Strapazen auf sich. Vor allem für Ihre Tierdokumentationen „Elstners Reisen“. Wird Ihnen das nicht zu anstrengend?
Jeder lange Flug ist anstrengend, aber ich habe gelernt, mich zu entspannen. Im Flugzeug mache ich die Augen zu und schlafe. Ich bin mit einem jungen Team unterwegs, das mir jeden Wunsch von den Augen abliest. Eigentlich ist das für mich eine wunderbare Aufgabe, noch viele Orte in der Welt zu sehen, an denen ich etwas dazulernen kann. Wo ich eine Botschaft vermitteln und mich für aussterbende Tierarten einsetzen kann. Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe das große Los gezogen, für meine alten, späten Jahre im Fernsehen ein Thema gefunden zu haben, das mich und die Zuschauer gleichermaßen interessiert.

Sind Hitze, Kälte oder die Zeitumstellung kein Problem für Sie?
Hitze macht mir schon zu schaffen, das ist in den Beiträgen zu sehen. Da moderiere ich mit klitschnassem Hemd. Aber im Urwald ist niemand eitel.

Waren Sie je eitel?
Ich glaube, dass jeder, der in meinem Beruf arbeitet, einen Schuss Eitelkeit braucht, um ordentlich auszusehen, also ja.

Wird es weitere Tier-Geschichten geben?
Wir haben drei Ziele im Auge und werden uns in den nächsten Wochen überlegen, wo es hingehen wird. Im Juli und September sollen dann die Aufnahmen stattfinden, der Sendetermin wird voraussichtlich im Dezember sein. Ich klopfe drei Mal auf Holz, dass es mir weiterhin so gut geht wie bisher. Und dass ich weiterhin verletzungsfrei bleibe.

Die Fernsehstationen lassen Sie hochleben. Wird es auch eine private Geburtstagsfeier geben?
Eine ganz private, und ich sage keinem Menschen, mit wem und wo und wann.

Feiern Sie gern oder ist Ihnen das eher lästig?
Also, ein gutes Gespräch ist mir lieber als eine große Feier.
ZUR PERSON

Frank Elstner wurde am 19. April 1942 in Linz (OÖ) geboren, übersiedelte aber schon im Alter von drei Wochen mit den Eltern nach Brünn im heutigen Tschechien. Elstners voller Name lautet Timm Maria Franz Elstner. Zum Frank wurde er bei Radio Luxemburg. „Der Chef meinte damals: ,Wir haben schon einen Tom und jetzt noch einen Timm, das hört sich an wie Fix und Foxi. Haben Sie nicht einen anderen Namen?‘ Da habe ich gesagt, mein Bruder heißt Frank. ,Gut, dann sind Sie jetzt der Frank.‘“ Elstner wollte ursprünglich Theaterwissenschaft studieren, war aber durch die Matura gefallen und musste das Studium sausen lassen. Elstner ist in dritter Ehe mit Britta Gessler verheiratet und Vater von fünf Kindern. Er lebt in Baden-Baden (D).
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