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Ausgabe Nr. 13/2017 vom 28.03.2017, Fotos: Juniors Bildarchiv / Fotolia, MyImages-Micha Klootwijk / Fotolia, Fauna Press
Das Halali auf Fischotter in Niederösterreich empört Tierschützer.
Elektrozäune haben sich als effektive Schutzmaßnahme gegen das Eindringen der Otter in Teichanlagen bewährt.
Er jagt auch mit dem Schnurrbart
• Fischotter sind Einzelgänger, die amphibisch leben, also an Land und im Wasser.
• Bis zu 300 Meter weit und 18 Meter tief können die flinken Wirbeltiere tauchen.
• Im trüben Wasser spüren sie ihre Beute mit den langen Schnurrbarthaaren auf, die auch als Tastorgan dienen.
• Fischotter bleiben meist ihr Leben lang in einem Revier, das zwei bis 50 Kilometer lang sein kann.
• Manchmal sind junge Fischotter äußerst wasserscheu.
• Größe: 60 bis 90 cm (mit Schwanz 100 bis 130 cm)
• Gewicht: 7 bis 12 Kilo
• Alter: bis zu 15 Jahre
Er sieht dem Tod ins Auge
Sie sehen putzig aus und haben einen enormen Appetit auf Fisch. Vor allem in Niederösterreich gilt der Fischotter als Platzhirsch in Bächen, Flüssen und Teichen. Zum Ärger vieler Fischzüchter, die auf massive, teils existenzgefährdende Schäden verweisen. Weshalb es den streng geschützten „Vielfraßen“ per Ausnahmebescheid nun an den Kragen geht.
Einst war der Fischotter in ganz Europa weit verbreitet. Doch gegen Anfang des 20. Jahrhunderts begann ein unbarmherziger Vernichtungsfeldzug gegen den possierlichen Wassermarder, der seit jeher als Fischräuber verschrien war. Mit Knüppeln und Stechhaken, Netzen und Schlageisen sowie speziell ausgebildeten Otterhunden wurde ihm überall aufgelauert. Ein einzelner Waldviertler Jäger soll im Winter des Jahres 1908 gar mehr als 50 Tiere erlegt haben. Schließlich lieferte ihr dichtes Fell mit bis zu 80.000 Haaren auf einem Quadratzentimeter Otterhaut auch einen herrlichen Pelz und ihr Fleisch war als Fastenspeise heiß begehrt.

Am Ende war Mitteleuropa fast otterfrei, der Marder so gut wie ausgestorben. Durch strenge Schutzbestimmungen und das Fehlen natürlicher Feinde wie Wolf und Luchs konnten sich die Fischotter in den vergangenen 25 Jahren jedoch wieder ausbreiten, vor allem hierzulande. Genauer gesagt im niederösterreichischen Waldviertel, wo sich nach aktuellen Schätzungen etwa 800 Exemplare tummeln. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber es herrscht keine Jubelstimmung.

„Weil nach Anträgen der Teichwirte und des Fischereiverbandes nun ein Bescheid des Landes Niederösterreich in Kraft getreten ist, der die ‚Entnahme‘, wie die Tötung im Amtsdeutsch genannt wird, von 40 Tieren bis Sommer 2018 erlaubt“, ärgern sich die Tierschützer. Als Grund für das „Halali“ auf das Raubtier mit dem langen, schlanken Körper und den kurzen Beinchen wird der Rückgang von Fischbeständen angeführt. Denn um zu überleben, braucht der Fischotter etwa ein Kilo Fleisch am Tag.

„Außerdem geht es darum, durch Fischotter entstandene Schäden an Teichwirtschaften zu reduzieren“, erklärt der zuständige VP-Landesrat Stephan Pernkopf. Bekanntlich jagt der Otter dort, wo er mit geringstem Energieaufwand am leichtesten an Nahrung kommt und ernährt sich somit auch von zahlreichen Karpfen in Fischteichen. Der Politiker betont, „wir haben uns die Entscheidung über die Otter-Entnahme nicht leicht gemacht. Und wir haben neben den Bedürfnissen der Fischzüchter natürlich auch den Naturschutz genau im Blick.“ Immerhin ist der gefräßige Wassermarder laut Helmut Belanyecz, Präsident vom Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, „mitverantwortlich für den teils massiven Rückgang an freilebenden Bachforellen und Koppen, einer äußerst bedrohten Fischart in unserem Land“.

In den nächsten Tagen sollen jedenfalls die ersten Tiere in Lebendfallen gelockt, die Weibchen freigelassen, die Männchen sofort getötet werden. „Weil Fischotterweibchen ganzjährlich Nachwuchs bekommen können, besteht die Möglichkeit, dass sie nicht mehr zu ihren Jungen zurückkehren. In diesem Fall würden die Jungtiere in ihrem Nest verenden“, erklärt Belanyecz die Maßnahme. Trotzdem darf laut Bescheid für wenige Wochen im Winter auf beide Geschlechter geschossen werden, „weil zu dieser Zeit die Weibchen fast keinen Nachwuchs bekommen“.

Danach wird geklärt, ob der Tod der Tiere auch wirklich etwas gebracht hat. „Oder ob die erhöhte Förderung von Zäunen auf bis zu 5.000 Euro pro Teich und die aufgestockten Ausfraßentschädigungen reichen, um den Verlust der Züchter auszugleichen“, sagt Pernkopf. Während Waldviertler Teichwirte bereits ein wenig aufatmen, befürchten Otterfreunde, dass eine temporäre Bejagung des europaweit streng geschützten Wildtieres „alle Schleusen öffnen“ könnte. Für Christian Pichler von der Umweltorganisation „World Wide Fund For Nature“, kurz WWF, ist die Tötung keine Lösung. Er fordert das Land Niederösterreich stattdessen auf, die Jagd sofort abzublasen und „seriös“ zu untersuchen, „was die tatsächliche Ursache für die schlechte Situation der Fische ist“.

Für ihn liegt das Hauptübel für den besorgniserregenden Rückgang der Fischfauna nicht am Otter, „sondern am katastrophalen Umgang des Menschen mit seinen Gewässern“. Davon abgesehen droht in Niederösterreich auch schon das nächste Unheil. Und zwar mit einem anderen niedlichen Tier, dem Biber. „Fast täglich werden in unseren liebevoll gepflegten Obstgärten Dutzende Bäume von diesem Nager gefällt“, beklagen sich Kleingärtner am Stammersdorfer Marchfeld-Kanal. Stadtpolitiker fordern deshalb bereits eine Expertenrunde, die ein Hilfspaket für die geplagten Baumbesitzer schnüren soll. „Aber ohne gleich zur Flinte zu greifen“, heißt es.
Hwie
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