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Ausgabe Nr. 13/2017 vom 28.03.2017, Fotos: Trölß
Der Pfarrer Gerhard Maria Wagner, 62, sorgt wieder einmal für Aufregung.
Margit Maratschek, 59, Sekretärin: „Ich weiß, dass Yoga vielen Menschen geholfen hat“
„Unser Pfarrer ist äußerst beliebt. Er macht viel für unsere Region und ist begeisterter Schifahrer. Freilich sorgt er immer wieder für Diskussionen, derzeit zum Thema Yoga. Wobei ich seine Einstellung nicht teile. Ich weiß, dass Yoga vielen Menschen geholfen hat, aus der Depression zu kommen oder Krankheiten zu lindern. Mir hat Yoga geholfen, meinen Brustkrebs zu besiegen.“
Gottfried Sölkner, 39, Wirt: „Der Pfarrer vertritt einfach seinen Standpunkt“
„Herr Wagner leistet in unserer Gemeinde ausgezeichnete Arbeit. Auch mit den Jugendlichen. Er hat aber seine eigenen Ansichten. Unter anderem möchte er keine Mädchen unter seinen Ministranten haben. Das ist derzeit auch nicht nötig, weil es genügend Buben gibt. Ähnlich ist es mit seiner Aussage über Yoga. Der Pfarrer vertritt einfach seinen Standpunkt. Ich persönlich tue mir da schwer.“
Gerlinde Glöckl, 50, Hausfrau: „Beim Thema Yoga bin ich nicht seiner Meinung“
„Ich mag unseren Pfarrer gern. Er ist ein gescheiter Mensch, hat Humor und geht auf andere zu. Er ist beliebt, seine drei Sonntags-Messen hält er stets vor vollen Rängen. Beim Thema Yoga bin ich aber nicht seiner Meinung. Ich betreibe es selbst und es tut mir gut.“
„Yoga-Geschädigte brauchen einen Teufelsaustreiber“
Er hat seinen Standpunkt und davon lässt sich der Windischgarstener Pfarrer Gerhard Maria Wagner nicht abbringen. Der 62jährige Oberösterreicher vertritt mit Vehemenz den Glauben der Katholischen Kirche. Und eckt dabei immer wieder an. Weil er sagt, was ihm nicht passt. Jüngst nahm er die weithin beliebten Yoga-Übungen aufs Korn und meinte, sie seien satanisch.
Leise treten ist nicht seine Art. Wenn Gerhard Maria Wagner, 62, etwas nicht passt, dann sagt er das auch. Er trägt das Herz auf der Zunge, zum Ärger der Oberen in der Katholischen Kirche. Einmal nennt er sie einen Sau-
stall, in dem es stinke, dann wieder greift er Kirchen-Reformer an und nennt sie Rebellen. Wenn es etwas zu sagen gibt, dann sagt es der Pfarrer der Gemeinde Windischgarsten (OÖ) auch. Selbst wenn der allgemeine Ärger darüber so groß wird, dass er auf ein hohes Amt verzichten muss.

Derart geschehen im Jahr 2009, als er nach
massiven Protesten nicht als Weihbischof von Linz eingesetzt wurde. Wagner gilt als konservativ und Rom verbunden. Als ein wortgewandter Mann, der es durchaus versteht, Menschen zu begeistern. Das zeigen die stets gefüllten Bänke bei seinen Gottesdiensten. „Selbst die Kinder- und Jugendarbeit funktioniert in unserer Pfarre hervorragend. Die große Anzahl von Ministranten ist ein Beleg dafür. Ich hätte den Herrn Pfarrer gern als Tourismusdirektor, weil er mehr Werbung für Windischgarsten macht als der Tourismusverband“, schmunzelt Gottfried Sölkner, 39, ein Gastwirt, der regelmäßig der heiligen Messe beiwohnt und der wie die anderen Bewohner des Ortes auch jetzt hinter seinem Pfarrer steht, nachdem der wieder einmal für Aufregung gesorgt hat. Weil er meinte, „der Geist von Yoga ist fatal, teuflisch ist er“.

Wörtlich hieß es in seinem jüngst erschienenen Pfarrbrief: „Wer Yoga praktiziert, öffnet sich selbst für das Wirken von Dämonen. Yoga ist satanisch, also teuflisch.“ Für ihn hat Yoga eine zerstörerische Kraft. Keineswegs jene Wirkung, die sich abertausende Menschen in unserem Land von den einzelnen Posen und Dehnungs-Übungen erhoffen. Sie versuchen damit nicht nur, sich zu entspannen, auch Kreuz- und Halsschmerzen lassen sich durch die Übungen lindern. Nach Ansicht von Pfarrer Wagner macht Yoga allerdings aggressiv.

„Es gibt sogar Ärzte, die haben Yoga 30 Jahre lang betrieben und dann deshalb aufgehört. Zudem wenden sich die Menschen durch Yoga von der Kirche, vom Glauben ab. Das ist zerstörerisch. Denn jede Yoga-Figur stellt eine Beziehung her zu einem hinduistischen Gott. Das ist ganz klar. Als vor mehr als 100 Jahren die Hindus mit ihrem Yoga nach Europa gekommen sind, stand fest, dahinter steckt eine Philosophie. Yoga heißt im Lateinischen ,Joch auflegen‘. Es geht darum, frei zu werden von jeder Unkenntnis, um ins Göttliche aufzusteigen.“
Dieser Gefahr möchte der Pfarrer entgegenwirken. „Denn jeder, der Yoga betreibt, ist auf dem Weg, Gott zu werden. Und das ist ein massiver Angriff auf unseren christlichen Glauben, auf den einen Gott. Ich meine, wir sollten wieder zu Christus finden, ihn anbeten und nicht die vielen Götter und Götzen preisen und loben.“

Dass in der katholischen Kirche selbst Yoga-Kurse angeboten werden, stört den Pfarrer gewaltig. „Warum wird sogar schon in Pfarrheimen eine fernöstliche Ideologie gelehrt, die den Menschen ohnehin nur Unfrieden bringt? Ein Mann sagte einmal zu mir, seine Frau würde seit sechs Wochen einen Yoga-Kurs besuchen und er könne nicht mehr mit ihr reden. Weil sie gestört sei, nicht ansprechbar. Bestätigt werden solche Aussagen von anderen Menschen, in deren Familie ebenfalls die Harmonie durch Yoga zerstört wurde. Teufelsaustreiber müssten die Yoga-Geschädigten wieder auf den rechten Pfad bringen.“

Rückendeckung von der Diözese Linz erhält Pfarrer Wagner naturgemäß nicht. Von dort heißt es, der Geistliche aus Windischgarsten gebe seine private Meinung wieder. Mehr noch, er stehe nicht auf dem Boden der Kirche. Für Wagner kein Grund, leiser zu treten. Auf höhere Weihen in der Kirche legt er ohnedies keinen Wert. Er sei glücklich als Pfarrer auf dem Land, meint der 62jährige. Er genieße die Arbeit mit den Kindern in der Volksschule und natürlich jene in der gut 5.000 Schäfchen zählenden Pfarrgemeinde. Dass die Kirche bei den Messen voll ist, zeigt seine Beliebtheit. „Und immer mehr Pfarrer rufen mich an und sagen, sie sind auf meiner Linie.“
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