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Leute von A-Z:
Ausgabe: 2011-33

„Ich bin mit Tempo 250 über die Autobahn gebrettert“

Da sage noch einer, die volkstümliche Musik und der Schlager hätten keine Anhänger mehr. Mit ihrem neuen Album „Zieh dich an und geh“ ist dem „Nockalm Quintett“ wieder ein großer Wurf gelungen. Die Kärntner stürmten damit die Hitparade. Wie stürmisch der „Nocki“-Chef Gottfried Würcher einst unterwegs war, erzählte der 52jährige im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Gerald Vukits.

Herr Würcher, das „Nockalm Quintett“ hat mit dem neuen Album „Zieh dich an und geh“ die Hitparade erobert. Das gelang nicht zum ersten Mal. Können Sie sich über so einen Erfolg noch freuen?
Erfolg zu haben, ist nie selbstverständlich. Für uns ist es immer noch schön, wenn uns so etwas gelingt. Das macht unser 30jähriges Bühnenjubiläum im nächsten Jahr noch wertvoller.
Sie sind jetzt ein gefeierter Musiker und haben wohl die Taschen voller Geld. Doch ehe es mit den „Nockis“ losging, standen Sie vor einem Berg von Schulden ...
Das stimmt. Ich wurde bei einer anderen Band nach dem Kauf einer Musikanlage über den Tisch gezogen. Letztendlich hatte ich 250.000 Schilling Schulden. Um diese Last loszuwerden, habe ich nebenbei als Discjockey gearbeitet und bin Lastwagen gefahren.
Hatten Sie schlaflose Nächte?
Ich bin ein Mensch, der mit Schulden nicht leben kann und nicht leben will. Nachdem ich meine Schulden zurückbezahlt hatte, war ich äußerst glücklich. Ich gebe zu, jedes Mal, wenn ich meine Steuern zahlen muss, fluche ich innerlich ein bisschen und denke mir: „Mein Gott, ich zahle so hohe Steuern ...“ Aber dann gehe ich auf die Bank, zahle die Steuern, bin beruhigt und weiß, meinen Beitrag habe ich geleistet.
Heute sind Sie ein erfolgreicher Musiker und ein Frauenschwarm. Wie oft haben Sie den Satz „Zieh dich an und geh“ gehört?
Bis jetzt Gott sei Dank noch nie. Ich weiß gar nicht, wie ich darauf spontan reagieren würde. Ob ich tatsächlich sofort gehen oder doch nach dem „Warum?“ fragen würde.
Stimmt es, dass Sie gerne alleine sind?
Ja, das ist richtig. Dann entspanne ich mich. Ich lege entweder die Füße auf den Tisch, mache einen zweistündigen Spaziergang, eine Radtour oder komponiere. Jetzt habe ich noch eine Möglichkeit entdeckt, mich zu entspannen. Ich lerne gerade, die Steirische Ziehharmonika zu spielen. Immer allein sein möchte ich aber nicht. Zum Glück habe ich eine liebevolle Lebensgefährtin.
Sie kommen mit dem „Nockalm Quintett“ viel herum. Gibt es jemanden,
den Sie gerne einmal kennen lernen würden?
Den Mr. Bean, also Rowan Atkinson. Mit ihm würde ich gerne über schnelle Autos plaudern. Das ist sozusagen unser gemeinsames Hobby.
Atkinson ist gerne schnell unterwegs und landete deshalb schon im Spital. Drücken Sie auch aufs Tempo?
In jungen Jahren war das der Fall. Da bin ich einmal 250 Stundenkilometer schnell gefahren. Das war ein Wahnsinnstempo. Der Leichtsinn hat damals leider nicht vor mir Halt gemacht.
Auf welcher Rennstrecke sind Sie denn so schnell gefahren?
Auf gar keiner, sondern auf einer deutschen Autobahn. Damals besaß ich mit einem Freund einen Ferrari F 40. Der Wagen hatte 500 PS. Danach habe ich mir einen Ferrari 355 Berlinetta zugelegt, der „nur“ 380 PS unter der Motorhaube hatte. Mittlerweile bin ich aber der Ansicht, dass so starke Autos gar nicht auf die Straße gehören. Es gibt ja für den öffentlichen Verkehr zugelassene Wagen, die bis zu 430 km/h schnell sind. Das sind Geschoße, die für den Verkehr gar nicht erst zugelassen werden dürften. Solche Geschwindigkeiten passen nicht für öffentliche Straßen. Denn die Gefahr lauert ja überall. Es könnte ein Reifenschaden auftreten, ein Motorschaden oder ein Reh von der Seite hineinspringen. Und das würde dann bedeuten, mit mindestens einem Bein im Grab zu stehen. So schnell fahre ich längst nicht mehr auf der Straße. Als Untersatz dient mir heute ein Opel Insignia. Wenn ich in Deutschland 200 km/h schnell fahre, fühle ich mich inzwischen alles andere als wohl und bremse mich auf 150 km/h ein. Das ist auf der Autobahn verantwortbar. In Kürze werde ich allerdings wieder auf dem Hockenheimring ein paar schnelle Runden drehen. Dann mit einem Formel-3-Rennwagen.
Zahlen Sie oft Strafe?
Hin und wieder. Weil ich zum Beispiel statt 100 km/h unerlaubte 115 km/h gefahren bin.
Sie sind gelernter Spengler. Legen Sie daheim selbst Hand an, wenn etwas
kaputt ist?
Ja, derzeit richte ich meine Einfahrt her. Ich muss Steine herausnehmen, Unebenheiten mit Sand ausgleichen und die Steine wieder einsetzen. Das ist aber eine eher leichte Übung für mich.
Das heißt, Sie können sich bald wieder auf die Musik und damit auf den Höhepunkt des Jahres, das Nockalm-Fest von 16. bis 18. September in Millstatt konzentrieren ...
Genau, darauf freue ich mich schon. Mit dabei sind unter anderem die „Kastelruther Spatzen“, Marianne und Michael sowie Markus Wolfahrt. In unserem 3.000 Menschen fassenden Zelt herrscht immer eine unglaubliche Stimmung. Und dieses Glücksgefühl ist weitaus schöner, als es bei einer rasanten Autofahrt sein kann.
Der 1,70 Meter große Gottfried „Friedl“ Würcher wurde am 24. Oktober 1958 als Sohn einer Hausfrau und eines Schichtarbeiters in Untertweng (K) geboren. Nach einer Spenglerlehre und ersten Band-Erfahrungen ist er seit fast 30 Jahren mit dem „Nockalm Quintett“ erfolgreich. Im Jahr 2002 gewann die Gruppe den inzwischen eingestellten „Grand Prix der Volksmusik“. Gottfried Würcher ist der Sänger und der Chef der Band. Er trinkt gerne Rotwein und isst gerne Fisch. Sein Lieblingsfilm ist „Spiel mir das Lied vom Tod“. „Diesen Streifen habe ich aufgrund der hervorragenden Schauspieler und der wunderbaren Musik schon mehr als 15 Mal gesehen.“ Würcher ist geschieden und Vater eines 21jährigen Sohnes namens André, der als gelernter Koch sein Geld verdient. „Mit Musik hat er nichts am Hut“, meint Würcher, der mit seiner neuen Lebensgefährtin Martha in Radenthein lebt.