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Leute von A-Z:
Ausgabe: 2010-1

„Bei Brandauer und Frau Schiller bin ich unten durch"

Ab Montag, 11. Jänner, präsentiert Dominic Heinzl seine neue Sendung „Chili“ (19.20 Uhr, ORF1) als Kontrastprogramm zur „Zeit im Bild 1“. Der 45jährige kehrt nach zwölf Jahren vom Privatsender ATV zum Staatsfunk zurück und will Prominenten nun öffentlich rechtlich auf den Zahn fühlen. Eine Eigenheit, der er bereits in jungen Jahren bei der Schülerzeitung nachzugehen pflegte. Dabei ließ er ein Verhältnis zweier Lehrer auffliegen und flog selbst von der Schule.

Ich bin ein guter Verkäufer. Früher, als Ö3-Moderator, habe ich Popmusik verkauft, jetzt sind es Gesellschafts-Nachrichten. Aber ich könnte genauso gut Aspirin-Tabletten oder Chili-Schoten verkaufen“, meint Dominic Heinzl augenzwinkernd.
An Selbstvertrauen mangelt es dem 45jährigen nicht. Das braucht er auch, wenn er der Prominenz unseres Landes auf den Zahn fühlen möchte und dabei Konfrontationen nicht scheut. Seine spitze Zunge kommt nicht immer gut an. Die umtriebige Jeannine Schiller wollte sich von ihm nicht länger auf die Schaufel nehmen lassen und verweigert seit Jahren jedes Gespräch. „Bei Frau Schiller und Klaus-Maria Brandauer bin ich unten durch, aber sonst geben mir alle ein Interview.“
Mit dem Generaldirektor des ORF, Alexander Wrabetz, ist Heinzl seit Langem gut. „Wir waren schon per Du, als er noch nicht einmal den Posten des kaufmännischen Direktors bekleidete. Seine Frau Petra war früher meine Sportmedizinerin. Bereits vor zwei Jahren haben Wrabetz und ich über meine Rückkehr zum ORF Witze gemacht. Nun ist es so weit.“ Ab Montag gibt er täglich Einblick in das gesellschaftliche Leben unseres Landes. Zusätzlich zum „Seitenblicke“-Magazin. Ab 19.20 Uhr ist er in „Chili“ auf ORF1 zu sehen. Die Sendung trägt den Namen seiner Produktionsfirma, in der er mit 25 Mitarbeitern die Beiträge zusammenstellt. Gerüchten zufolge soll Heinzl dafür vom ORF pro Jahr vier Millionen Euro bekommen. Bestätigen will er die Summe nicht. „Über Geld spreche ich nicht. Würde ich einen Betrag nennen, wäre meine Partnerschaft mit dem ORF in Gefahr“, zieht sich Heinzl aus der Affäre. Auch der ORF hält sich bedeckt. Dabei wäre eine Auflistung der Ausgaben des ORF ein Anliegen vieler Menschen in diesem Land, die für die Finanzierung des ORF mit Zwangsgebühren beglückt werden und sich dazu jedes Jahr mit neuen Rekorddefiziten konfrontiert sehen.
Für Heinzl sei jedenfalls nicht das Geld für die Rückkehr zum ORF nach zwölf Jahren beim Privatsender ATV ausschlaggebend gewesen. „Ich wollte wieder etwas Neues machen. Beim ATV hatte ich gegen 19.45 Uhr zwischen 80.000 und 90.000 Zuschauer. Beim ORF möchte ich meine Zuschauerzahl verdoppeln.“
Ein bescheidenes Ziel für die Hauptsendezeit, doch die Konkurrenz ist mit der „Zeit im Bild 1“ auf dem anderen Kanal groß. Da müssen schon jeden Tag Skandälchen her, um nicht unterzugehen. Ein gutes Händchen dafür dürfte Heinzl haben, der bereits in seiner Jugend für die Schülerzeitung ein verbotenes Techtelmechtel zweier Lehrer aufdeckte.
„Dabei war der Journalismus nicht mein erster Berufswunsch.“ Der am 8. April 1964 in Hollabrunn (NÖ) geborene Reporter fand zunächst die Arbeit von Priestern nachahmenswert. „Zwischen meinem sechsten und zehnten Lebensjahr war ich Ministrant in Hollabrunn. Die Arbeit des Pfarrers hat mir gefallen, weil er in der Kirche gesprochen hat und alle Menschen ihm zuhören mussten. Er stand im Mittelpunkt. Die Sonntagsmesse war ein Ereignis für mich. Also besuchte ich in weiterer Folge das Knabenseminar Holla-brunn, das damals Hans Hermann Groer leitete. Mit ihm hatte ich allerdings keinen Kontakt.“ Sehr wohl aber soll Groer zu anderen Knaben unerlaubten sexuellen Kontakt gehabt haben. Er musste seine Ämter zurücklegen und zog sich ins Kloster Marienfeld zurück. Er starb im März 2003.
Heinzls Kameraden vergnügten sich dennoch. „In meiner sexuellen Entwicklung war ich damals offenbar ein bisschen hinten nach, denn wenn andere Knaben in der Nacht in fremde Betten krochen, dachte ich mir, diese Memmen würden sich fürchten, allein zu schlafen. Erst in der vierten Klasse habe ich erfahren, dass sich diese Burschen näher standen, als es Fußball-Freunde für gewöhnlich tun. Dazu kam, dass ich auch über das priesterliche Keuschheitsgelübde informiert war und ich meinen Berufswunsch, Priester zu werden, damit aufgab. Als ich mit 14 Jahren in die Handelsakademie Hollabrunn wechselte, zog es mich eindeutig in Richtung Mädchen und zum Journalismus. Dabei stieg ich als Redakteur unserer Schülerzeitung erstmals ins Fettnäpfchen. Bei meinen Recherchen lauschte ich auch vor dem Lehrerzimmer und vernahm dabei eine gewisse Nähe zwischen unserem Geografie-Lehrer und der verheirateten Mathematik-Professorin. Diese Geschichte war zu gut, um sie auszulassen. Weil ich aber in Mathe ohnehin keine Leuchte war, revanchierte sich die Lehrerin für meinen Bericht in der Schülerzeitung auf ihre Art. Ich bekam einen Fünfer im Zeugnis und flog von der Schule. Schön in der HAK war vor allem, dass in meiner Klasse nur sechs Buben, dafür aber 22 Mädchen saßen.“
Mit 20 Jahren heuerte Heinzl bei Ö3 an und moderierte unter anderem die Sendungen „Small Talk“ sowie „Treffpunkt Ö3“. Dem beruflichen Erfolg standen jedoch familiäre Tragödien gegenüber. „Als ich 22 Jahre alt war, verunglückte die Mama einen Tag nach ihrem 50. Geburtstag in meinem BMW, den ich ihr geborgt hatte. Es war Winter. Sie fuhr eine Straße entlang, die sie zuvor in ihrem Volkswagen hunderte Male gefahren ist. ? Die Strecke zwischen Kammersdorf und Hollabrunn. Doch ihr VW hatte einen Vorderrad-Antrieb, mein BMW einen Hinterradantrieb. Möglicherweise war sie den nicht gewöhnt. Auf einer Kuppe verunglückte sie tödlich. Der Papa starb im Alter von 70 Jahren an Speiseröhrenkrebs.“
Zu seiner Familie gehören noch seine um ein Jahr jüngeren Zwillingsbrüder Hans-Peter und Joe sowie der um sieben Jahre jüngere Bruder Mike, „aber auch sieben Nichten und Neffen“, schmunzelt Heinzl, der in Wien mit der Bankmanagerin Sonja Sarközi, 42, zusammenlebt. „Sie ist die Frau meines Lebens. Sie kann rechnen, kochen und Wasserhähne reparieren. Wenn ich im Fernsehen ein Hemd trage, das ihr nicht gefällt, sagt sie: ,Das trägst du nie wieder.‘ Sonja ist stark, selbstständig und weiß, wo es langgeht. Das ist mir wichtig. Ich glaube, diese Frau hat mir meine verstorbene Mutter aus dem Himmel geschickt.“
Eine Familie möchte Heinzl dennoch nicht gründen. „Mit einem Knäuel von Mensch kann ich nichts anfangen. Ich will mit Kindern von Anfang an reden können. Aber das schaffen Babys nicht. Und mit Kleinstkindern herumzualbern und mit ihnen in Babysprache zu sprechen, schaffe wiederum ich nicht. Gegebenenfalls rede ich mit Kleinkindern wie mit Erwachsenen. Vater zu werden, ist kein Thema für mich. Ich kann mir nicht vorstellen, heimzukommen und überall das Kinderspielzeug herumliegen zu sehen. Weil ich kaum Zeit für ein Kind hätte, wäre ich sicher kein guter Vater.“
Sein Baby ist die tägliche Sendung. Um auf dem Laufenden zu bleiben, hat Heinzl acht Fernseher in der Wohnung verteilt. „Nur im Badezimmer brauche ich keinen, denn ich dusche nur“, sagt der 45jährige, der es mit der Hygienegenau nimmt. „Am Society-Buffet lange ich nie zu, weil andere Gäste womöglich schon daraufgeniest haben und ich mir keine Viren einfangen möchte. Auf öffentlichen Toiletten greife ich nach dem Händewaschen beim Hinausgehen die WC-Tür nicht mehr an. Sonst könnte ich mir ja erst wieder etwas einfangen. Also drücke ich die Türschnalle mit dem Ellbogen oder mit einem Stück Papier in der Hand hinunter“, erzählt Heinzl, der seinen Körper in der Früh und abends mit Feuchtigkeitscremes verwöhnt. Nicht der Eitelkeit wegen, aber ein wenig müsse er sich doch in Form halten ? so wie es die Frauen tun, die er täglich vor sein Mikrofon holt. Gerald Vukits