Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 16/2016 vom 19.04.2016
Josef Kaplenig, 50.
Elisabeth Kaplenig beim Spargelwaschen. Spargelanbau und Urlaub am Bauernhof am Michelerhof in Lavant.
Spargel ist eine variantenreiche Delikatesse:
„Was das Schönste an meiner Arbeit ist: das Spargelessen. Nein, im Ernst, ich mach’ sie gern, weil die Leut’ mein Produkt schätzen und die Arbeit honoriert wird. Aber unseren Spargel genießen wir auch. Am liebsten ganz einfach mit zerlassener Butter, Schnittlauch, Früherdäpfeln und einem Glas gut gekühltem Grünem Veltliner. Da stellt sich nur noch die Frage: Weißer oder grüner Spargel? Sie unterscheiden sich vor allem in der Zubereitung. Wird der weiße vorwiegend gekocht, wird der Grünspargel hauptsächlich als Pfannengemüse gegart oder gebraten“, erklärt Josef Kaplenig.
Als regionale Delikatesse beliebt, ist Spargel äußerst variantenreich in Küche und Keller einsetzbar. So stellt der Bäcker Joast mit den „Osttiroler Spargeln“ Spargelbrote her und der Schnapsbrenner Rudi Schwarzer kreierte den Spargelgeist, der beim Bewerb „Destillata 2009“ sogar die Bronzene einheimste.
Ein Tipp noch vom Osttiroler Spargelbauer Josef Kaplenig: „Wenn Sie Spargel kaufen, reiben Sie die Stangen aneinander. Wenn es quietscht, ist er frisch.“
„Ich bin der erste und einzige Spargelbauer in Osttirol“
In der Gemeinde Lavant in Osttirol baut Josef Kaplenig, 50, mit seiner Familie seit 25 Jahren Spargel an. Zuerst dafür belächelt, ist er heute der einzige Spargelbauer Osttirols, und die zarte Delikatesse wird ihm nahezu aus den Händen gerissen.
Du hoscht lei Spargel für a Puppenküche“ und „Hau ab mit dem Unkraut“ waren die nur mäßig ermutigenden Worte, als Josef Kaplenig vor 25 Jahren die Vision hatte, als erster Spargelbauer von Osttirol in die Geschichte einzugehen. Normalerweise steckt der Spargel sein Köpfchen in wärmeren Gefilden aus dem Erdboden. Im idyllischen Lavant am Fuß der Lienzer Dolomiten begann Kaplenig deshalb langsam mit dem Anbau der kalorienarmen und nährstoffreichen Stangen. „Ein Spargelbauer hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass sich vor meinem Geburtshaus, dem Michelerhof, der seit 150 Jahren im Familienbesitz ist, Schwemmlandböden befinden. Nach den Hochwasserkatastrophen Mitte der 60er Jahre schwemmte das Drau-Wasser viel Sand auf die Felder, die heute für den Spargelanbau perfekt sind. Zuerst begann ich also nur mit zwei, drei Reihen, wobei eine Reihe 210 Meter lang ist. Erst im dritten Jahr nach dem Pflanzen konnte ich die ersten Spargel ernten. Dann aber jährlich. Damals war ich noch ein junger Bursch, der dafür belächelt wurde. Gott sei Dank bin ich aber drangeblieben. Denn inzwischen wird mir der Spargel regelrecht aus den Händen gerissen“, ist der 50jährige ob der großen Nachfrage stolz.

Mittlerweile gedeihen seine weißen und grünen „Osttiroler Spargel“ auf einem 1,5 Hektar großen Feld, heute werden 21 Reihen mit weißem Spargel und zwölf mit grünem bearbeitet. Dabei hilft ihm seine Frau Elisabeth, 48, die den Spargelanbau ebenso mit voller Leidenschaft ausübt. „Und auch unser Sohn Lukas, 16, der die Handelsakademie besucht, liebt die Arbeit und ist schon zum Chef über den grünen Spargel avanciert.“

Die Kaplenigs sind aber nicht nur Osttirols einzige Spargelbauern, sondern „die einzigen Spargelbauern unseres Landes, die mit ‚EM‘ arbeiten“, weiß der 50jährige. Dabei handelt es sich nicht, wie Laien meinen könnten, um eine Europameisterschaft, sondern um effektive Mikroorganismen, die überall in der Natur vorkommen und vor allem aus Milchsäure- und Hefebakterien bestehen. Sie sind rein biologisch, lockern den Boden auf und wärmen ihn bis 40 Zentimeter Tiefe. „Wir sprühen die EM einerseits auf, andererseits werden sie mit dem Kompost, Pferdemist und Biolit-Steinmehl eingebracht. Und sogar nach der Ernte tauchen wir die Spargel in EM-aktiviertes Wasser. Der Vorteil dabei, mit EM brauchen die Spargelstöcke keine künstliche Bewässerung, sondern suchen sich selbst ihr Wasser tief unter der Erde. Dadurch spare ich viel Geld und Zeit. Außerdem ist das Wachstum kontrollierter, die Stangen sind fester und der Geschmack ist besser“, ist Kaplenig von der Methode überzeugt.

Arbeitsintensiv ist der Spargelanbau allemal. Kaum haben die Köpfe des weißen Spargels die Welt erblickt, wird jede Stange einzeln mit der Hand ausgebuddelt und vorsichtig mit dem Stechmesser gestochen. Grünspargel wächst hingegen oberirdisch und wird händisch geschnitten. „Die Frische ist dabei das Um und Auf“, erklärt Elisabeth Kaplenig, die den Spargel nach dem Stechen sorgfältig mit Quellwasser wäscht, um ihm die Hitze zu entziehen, und noch am selben Abend zum Ab-Hof-Verkauf anbietet, 60 Prozent der Spargelernte werden auf diese Weise verkauft. Schon am nächsten Tag werden ausgewählte Feinkostgeschäfte und Restaurants in Lienz und Umgebung mit feinstem weißem Solo-Spargel (€ 11,–/kg) und grünem Primaverde-Spargel (€ 9,50/kg) beliefert.

Ab Mitte April sind die Kaplenigs Spargelbauer mit Leib und Seele. Die Erntezeit dauert aber nur bis zum Johannestag (24. Juni) nach dem Sprichwort: Sind die Kirschen rot, ist der Spargel tot. Danach widmet sich die Familie wieder ganz der Mutterkuhhaltung und der Vermietung gemütlicher und liebevoll eingerichteter Zimmer (ab 31 Euro p.P. mit Frühstück) sowie zweier komfortabler, moderner Ferienwohnungen (für 2 Personen ab 50 Euro).

Direkt vor der Haustür haben die Gäste eine atemberaubende Sicht auf die Gipfel des Großglockners und Großvenedigers, der Lienzer Dolomiten und Villgrater Berge, des Karnischen Kammes und des Nationalparks Hohe Tauern. Gemütliche Wanderer, ambitionierte Bergsteiger und schwindelfreie Kletter-Anhänger finden daher ausreichende und variantenreiche Routen vor. Radler befahren den beliebten Drauradweg, der am Michelerhof direkt vorbeiführt und Golfspieler sind vom Dolomiten-Golfplatz begeistert. Bis 20. Juni gibt‘s am Michelerhof noch das Angebot „Frühjahrsfrische und Spargelgenuss“. Dabei erfahren Gäste direkt am Feld Wissenswertes über den Anbau und die Ernte des Osttiroler Spargels. Inklusive Kostprobe zum Mitnehmen und geführte Wanderung (7 Nächte inkl. Frühstück, pro Person ab 199 Euro). Und damit es der Familie Kaplenig nicht langweilig wird, steht ein neues Projekt an. Der alte Stall soll in drei Ferienwohnungen umgebaut werden, nach dem Motto: „Kühe raus, Gäste rein.“

Michelerhof
Elisabeth und Josef Kaplenig,
9900 Lavant 21,
Tel.: 0664/5227403,

www.michelerhof.at
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung