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Ausgabe Nr. 15/2015 vom 07.04.2015, Fotos: Stephan Huger, DeSt
Prof. Dr. Dr. Ulrich Berger, Dr. Erfried Pichler.
Ist Homöopathie wirkungslos?
Homöopathische Arzneien helfen bei vielen Krankheiten nicht besser als Scheinmedikamente. Das ist das Ergebnis einer neuen australischen Studie. In der Homöopathie werden Grundsubstanzen „potenziert“, also mehrfach mit Wasser oder Alkohol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. Der Urstoff soll so dynamisiert und energetisch verstärkt werden. „Millionen zufriedene Patienten weltweit können sich nicht irren“, sagt jedoch Erfried Pichler von der „Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin“ (ÖGHM).
JA: Prof. Dr. Dr. Ulrich Berger,
Gesellschaft für kritisches Denken:

„Homöopathie wirkt nicht. Das haben vor der australischen Gesundheitsbehörde schon viele andere Institutionen und Wissenschaftsverbände festgestellt.
Wirksamkeit ist hier ein Fachbegriff und meint einen Therapieeffekt über den vonPlacebos hinaus. Dabei bräuchte es für diese Erkenntnis gar keine aufwändigen Studien.Homöopathie behandelt nicht mit Kräutern, sondern mit Wasser und Zucker. Dass das nicht wirkt, ist
keine Überraschung. ,Nichts drin, nichts dran‘, urteilt daher auch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Und nein, ,Information‘ und ,Schwingung‘ sind esoterische Schlagworte, keine Antworten. Globuli können trotzdem helfen, durch den Placebo-Effekt. Aber rechtfertigt das den Verkauf von Zucker für 600 Euro pro Kilo? Oder Diplome für eine ,Fortbildung‘ in 200 Jahre alten Ideen über ,geistartige Kräfte‘, wie die Ärztekammer sie anbietet? Eine aufrichtige Medizin sieht anders aus. Immerhin: Schon Hunderte Ärzte haben die ,Initiative für Wissenschaftliche Medizin‘ unterstützt, die sich gegen diese Zertifizierung von Scheinmedizin wendet.“

NEIN: Dr. Erfried Pichler,
Präsident der ÖGHM:

„Das ist unmöglich, nachdem sie schon seit mehr als 200 Jahren angewendet wird. Und immer und jederzeit sind weltweit die Erfolge da. Außerdem haben wir mittlerweile fast 4.000 Studien, wovon mehr als 400 an Tieren durchgeführt worden sind, etwa 1.500 an Menschen und der Rest an Zellkulturen oder an Organen. Eine große Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2013 stammt von Professor Robert Hahn aus Schweden, einem Intensivmediziner und Anästhesisten. Er hatte nie etwas mit Homöopathie zu tun. Aber weil so viel Gegenwind aufgetreten ist, wollte er selbst wissen, wie das ausschaut. Der Schluss seiner Metaanalyse ist, dass man 90 Prozent aller Studien zur Homöopathie ausschließen müsste, um sagen zu können, die Homöopathie sei nicht wirksam. Genau das ist bei dieser australischen Studie wieder eingetreten. Es wurden viele Untersuchungen ausgeschlossen, die positiv zur Homöopathie sind. Mich stimmt bedenklich, dass die Kritik zur Homöopathie hauptsächlich von Personen getragen wird, die keine Ärzte sind und die keine Erfahrung, weder theoretisch noch praktisch, mit Homöopathie haben. Und sie maßen sich an, über etwas zu urteilen, wovon sie keine Ahnung haben.“
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