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Ausgabe Nr. 18/2014 vom 28.04.2014
Kabarettist Alf Poier ärgert, dass Conchita Wurst ihre Lieder nicht selbst komponiert.
Der Kabarettist und ehemalige Teilnehmer Alf Poier wettert über unseren Beitrag zum Song Contest: „Das Lied ist peinlich“ 
​Am 8. Mai tritt Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen im Semifinale für unser Land an. Die Kunstfigur Wurst erhitzt die Gemüter. Ein Mann tritt als Frau auf, trägt aber Bart. Es ist der 25jährige gebürtige Steirer Tom Neuwirth. Er bringt das Blut des Kabarettisten Alf Poier zum Kochen. Der 47jährige war mit seinem sechsten Platz im Jahr 2003 für „Weil der Mensch zählt“ der bislang letzte erfolgreiche Teilnehmer unseres Landes an diesem internationalen Gesangs-Wettbewerb. 
Herr Poier, kennen Sie Conchita Wurst? 

Eigentlich gar nicht, ich habe kein Interesse an ihr. Meine Meinung ist: Wenn jemand nicht weiß, ob er ein Manderl oder ein Weiberl ist, dann gehört er eher zum Psychotherapeuten als zum Song Contest. Mit dieser verschwulten Zumpferl-Romantik kann ich nichts anfangen. Wie jemand seine Sexualität auslegt, ist jedem selbst überlassen. Aber dass ständig an die große Glocke gehängt werden muss: „Ha, wir sind so benachteiligt … und wir sind eine Minderheit“, dieses Gesülze geht mir ordentlich auf den Wecker, dafür habe ich kein Verständnis. Das muss ich ehrlich sagen.

Kennen Sie unseren diesjährigen Song-Contest-Beitrag „Rise Like a Phoenix“?

Ja! Leider … (lacht)! Denn ich finde ihn peinlich. Wenn jemand schon so groß auf Toleranz macht, und glaubt, er müsse es über ganz Europa hinausposaunen, dann sollte er zumindest in der Lage sein, Melodie und Text selber zu schreiben. Doch an diesem Lied sind vier Komponisten beteiligt. Entschuldigung, aber künstlerisch ist bei dieser Dame oder bei diesem Herrn oder bei diesem Es oder was immer das ist, überhaupt nichts vorhanden. Gar nichts. Das einzig Interessante ist dieser aufgeklebte Bart, weil das ein bisserl eigenartig ausschaut. Aber ob Wurst dort „Hoppe-Hoppe-Reiter“ singt oder eine Coverversion von der Bundeshymne, ist vollkommen egal. Es ist halt jetzt so, dass Transgender-Organisationen hinter ihr stehen und sie derzeit vorantreiben.

Aber Tom Neuwirth hatte doch auch schon Erfolg, ehe er als Conchita Wurst in Erscheinung trat. In der ORF-Talenteshow „Starmania“ erreichte er im Jahr 2007 hinter der überragenden Nadine Beiler den zweiten Platz …

Ein Erfolg wäre es gewesen, wenn es Tom Neuwirth innerhalb der vergangenen fünf, sechs Jahre geschafft hätte, wenigstens eine einstündige Show auf die Beine zu stellen. Hat er aber nicht geschafft. Das einzige, was es gibt: Er sang fünf Lieder nach. Der künstlerische Ausfluss ist gleich null. Anderen ernsthaften Musikern, die Lieder schreiben können, werden dagegen die Chancen genommen, Bekanntheit zu erlangen. Unter anderem Gruppen wie „IrishSteirisch“.

Die Entsendung von Conchita Wurst war eine Entscheidung von ORF-Mitarbeitern …

Ja, die schicken ein künstlich hochgezüchtetes Monster hin. Dabei gab es nicht einmal ein Auswahl-Verfahren.

Aber was, wenn Conchita Wurst gewinnt. Sie wird hoch gehandelt?

Das wäre mir egal, weil es mich in keinster Weise betrifft. Aber ich habe jetzt gerade ein Buch geschrieben. Es soll im Herbst herauskommen.

Ist es eine Abrechnung?

„Abrechnung“ würde ich nicht sagen. Es ist eine Momentaufnahme dessen, was derzeit passiert. Und dass die Menschen das Gefühl haben, übergangen zu werden. Von einem kleinen Prozentsatz an Meinungsmachern, die dem Volk ihre Meinung aufzwingen wollen. Und das Kabarett braucht eine Erneuerung. Es ist nur noch dem Staate dienlich. Die Kabarettisten sind bezahlte Hofnarren, die den derzeit tonangebenden Parteien zum Munde reden. Kabarett muss aber das repräsentieren, was vor der Haustür passiert. Doch kein einziger Kabarettist wagt sich an das Thema EU heran. Warum? Weil alles so super ist? Nein. Sie halten den Mund, weil sie Angst haben, sonst Auftrittsverbot zu bekommen. Das ist ein Trauerspiel.     Gerald Vukits

 
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rosita
Alf, rette das Abendland!
Also, wenn ein Nichtskönner und Monster den ESC gewinnt, müssen wir schnell Alf Poier zum Präsidenten wählen, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Aber er scheint irgendwie abgetaucht zu sein.
"Rise like a phoenix" - er wird seine Kräfte brauchen, um das seltsame Publikum zu verdauen, das auf einmal in seinen Vorstellungen sitzt.
hallogw
Recht und Unrecht
Die Behauptung Transgender wären krank, ist schon heftig. Ein persönlicher Angriff. Wenn Alf Poier einen Aufruhr erzeugen muss, um auf die öffentliche Bühne zurückzukommen, dann spricht das Bände...

Und das überlagert natürlich seine (vernünftigen) Argumente, dass beim Songcontest kein musikalisches Können, sondern reine Show und Symbolik zählen, und dass das Auswahlverfahren undemokratisch ist.
maxidico
Man muss die Kritik von Alf Poier auf alle Fälle ernstnehmen. Schließlich ist er der Fachmann in Sachen "peinliche Songs".
Trotzdem muss ich gestehen, dass mich bei seinem damaligen Songcontest-Auftritt eher das Gefühl des "Fremdschämens" beschlich, als diesmal bei Conchita Wurst.
thesi
traurig !
österreich hätte bessere künstler zu bieten. Schade . Schon im Vorjahr wurden wir ausgelacht . Mutig von Herrn Poier seine Meinung so frei zu äußern.
Pokernatic
@boris63
Worin genau liegt der Skandal, wenn der ORF keinen Vorentscheid austrägt? Sparmaßnahmen treffen auch (und vor allem) den ORF und wenn man schon eine Künstlerin wie Conchita Wurst parat hat, die Österreich grandios vertreten kann, Österreich momentan grandios vertritt und in den nächsten Tagen auch noch grandios vertreten wird, dann sehe ich daran keinen Fehler und schon gar nicht einen Skandal.
rosita
Der beleidigte Alf Leberwurst
Wie sympathisch! Ich bin ja nur der Wurschtl und deshalb sag ich dir ins Gesicht, dass du nix bist, nix kannst und ein Monster bist.
Der "Wurschtl" Poier will noch viel ernster genommen werden als Conchita Wurst, und wenn das nicht klappt, kommt er mit dem Stock.
Das hat nichts mit Humor zu tun, er ist eine beleidigte Leberwurst und fällt damit schwer aus der Rolle. Macht nix, aber verteidigen will ich ihn nicht.
boris63
Der große Unterschied ist, dass Alf Poier damals die Vorentscheidung demokratisch gewonnen hat,
während Conchita Wurst ohne jegliche Legitimation vom ORF einfach als Teilnehmer(in) bestimmt wurde.

Conchita Wurst ist nämlich schon einmal in der Vorentscheidung ausgeschieden und jetzt hat der ORF einfach die Vorentscheidung abgeschafft.

Das ist der eigentlche Skandal an der Geschichte.
spitzer
Wurstel vs. "Wurst"erl
Was ich Poier anrechne ist, dass er sich bewußt als Wurstel präsentiert auch wenn ich seinen damaligen Contest-Beitrag auch nicht goutiert habe. Aber den Conchita-Wurschtel finde ich noch viel peinlicher, nicht zu wissen ob man als ernster Künstler auftreten möchte oder als Wurschtel. Das ist wie Schnitzel mit Vanilleeis, nicht Fleisch nicht Fisch. Wir werden ja sehen ob der neue Wurschtel den 6. Platz des alten Wurschtels überbieten kann.
rosita
0 points for Alf Poier
Es ist mir unverständlich, dass ein von mir sehr geschätzter Künstler wie Alf Poier sich in dieser Weise über Conchita Wurst äußert.
Es stört mich nicht, dass er ihn/sie weder kennt noch kennenlernen möchte, das steht ihm frei. Aber genau das ist ja das Problem : Warum jemanden kritisieren, den ich vielleicht gar nicht verstehe, nur aus dem Verdacht heraus, er/sie könnte ohne Können und Verdienst
bevorzugt, gepusht usw. werden? Ist es nicht immer noch so, dass das Verständnis der Kritik vorausgeht? Und einen Künstler oder eine Künstlerin als "Monster" zu bezeichnen, ist beleidigend und unwürdig.
Diese Art der Auseinandersetzung bringt uns nicht weiter.
helly
ich bin zwar kein Fan von Conchita Wurst aber der Song von Alf Poier war auch nicht das Gelbe vom Ei, weder der Text noch die Musik.
kravin
Der Wurst
Ich finde es wunderbar das Alf Poier sich bezüglich dem "Wurst" kein Blatt vor dem Mund nimmt.

Heutzutage ist man in unserer überliberralen Gesellschaft gleich ein Unmensch wenn man noch "normal" denkt.

Früher hätte man eine solche Person gar nicht ernstgenommen doch heute rennt alles unter dem "Deckmantel" Respekt, Akzeptanz, und Toleranz welcher es schafft einfache Blödheit "Salonfähig", und noch schlimmer, als Gesellschaftlichen Fortschritt anzusehen

An dieser Stelle nochmal ein grosses Lob an den Herrn Poier, einer von wenigen der in der heutigen Zeit noch einen Funktionstüchtigen nicht von Medien beeinflussten Verstand besitzt.
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