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Ausgabe Nr. 11/2017 vom 14.03.2017, Foto: shutterstock
In der Disney-Verfilmung "Die Schöne und das Biest" leiht Ewan McGregor einem Kerzenständer seine Stimme.
Der geläuterte Vater
Ewan McGregor gilt als wandelbar wie kaum ein anderer, unvergessen ist er im kultigen Drogenfilm „Trainspotting“ oder auch als Obi-Wan Kenobi in „Star Wars“. Demnächst leiht er in der Disney- Verfilmung „Die Schöne und das Biest“ einem Kerzenständer seine Stimme. Und auch privat hat der gebürtige Schotte alle Hände voll zu tun. Wenn der leidenschaftliche Motorradfahrer nicht gerade durch die Welt „brettert“, kümmert er sich liebevoll um seine vier Töchter.
Er wurde durch das Drogendrama „Trainspotting – Neue Helden“ im Jahr 1996 bekannt, er sang mit Nicole Kidman im Musical-Film „Moulin Rouge“ (2001) und kämpfte als Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi in den „Star Wars“-Episoden I bis III. Ewan McGregor drehte in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche Filme und Serien und lieferte im Vorjahr mit „Amerikanisches Idyll“ sein Regiedebüt ab. Derzeit ist der Mime in „T2 Trainspotting“ zu sehen und leiht in der Disney-Verfilmung „Die Schöne und das Biest“ dem charmanten Kerzenständer „Lumière“ seine Stimme.

Dessen französischer Akzent dürfte dem Darsteller durchaus vertraut gewesen sein, immerhin ist er seit mehr als 20 Jahren mit der Französin Eve Mavrakis, 50, verheiratet. Die Szenenbildnerin lernte er bei den Dreharbeiten zur Fernsehserie „Kavanagh QC“ kennen. „Ich hatte vom ersten Moment an Schmetterlinge im Bauch und wusste sofort, dass ich mit ihr auf eine andere Art zusammensein wollte als mit den vielen anderen Frauen, mit denen ich bis dahin Beziehungen hatte“, erinnert sich McGregor. Und es sei auch das letzte Mal gewesen, dass ihm eine Frau den Kopf verdrehte, versichert der Schauspieler, der immer wieder attraktive Kolleginnen wie Scarlett Johansson küssen darf – aber nur beruflich. Der Arbeit wegen übersiedelte er vor rund zehn Jahren mit seiner Familie von London (England) nach Los Angeles (USA).

„Wir fahren aber jeden Sommer nach Schottland. Ich möchte meinen Töchtern die Werte vermitteln, mit denen ich erzogen wurde. Ich finde, dass Höflichkeit und Benehmen wichtig sind“, verrät der Mime, der am 31. März 1971 im schottischen Perth geboren wurde. Und der auch die dunklen Seiten kennt.

„Damals, in meiner Jugend trafen wir uns regelmäßig am Wochenende, um bis zum Exzess Alkohol zu trinken“, erzählt der 45jährige, der sich auch an Prügeleien erinnert. „Wir waren betrunken und ich habe einen blöden Witz gemacht. Leider konnte mein Gegenüber darüber gar nicht lachen. Am Ende schlug er mir ins Gesicht und wir prügelten uns.“

Mit 15 Jahren wurde McGregor depressiv, ein Jahr später willigten seine Eltern, beide Lehrer, ein, ihn von der Schule zu nehmen. McGregor fing als Bühnenarbeiter am Theater an und schrieb sich wenig später in die Schauspielschule ein. Schon bald folgten kleinere Rollen wie in der Ärzteserie „Emergency Room“.

Anfang 20 drehte er mit dem Regisseur Danny Boyle, 60, „Kleine Morde unter Freunden“, zwei Jahre später folgte der Kultstreifen „Trainspotting“. Das Drogendrama brachte McGregor den Durchbruch. Für seine Rolle als abgemagerter „Junkie“ speckte er 15 Kilo ab, „ich habe eine Million Zigaretten geraucht, um das zu schaffen. Immer, wenn ich Hunger bekam, rauchte ich eine. Wahrscheinlich gibt es keine ungesündere Diät.“ Zumal er ständig tief ins Glas schaute. Aber mit Ende Zwanzig beschloss er, dem Alkohol zu entsagen. Seither habe er keinen Tropfen mehr angerührt, sagt McGregor. Ausschlaggebend dafür ist nicht zuletzt seine Familie gewesen, für die er ein „guter Ehemann und Vater“ sein wollte.

Seine Frau und die vier gemeinsamen Töchter, zwei davon sind adoptiert, sind der wichtigste Teil seines Lebens. Sie kommen ihn auch oft zu Dreharbeiten besuchen. Was nicht immer gut ausgehe, lacht McGregor und erzählt von einem Besuch seiner Frau in Italien. Er stand im Jahr 2009 gerade für „Illuminati“ vor der Kamera und habe seine Frau „für drei romantische Nächte“ eingeladen. Doch stattdessen habe es Streit gegeben. Denn in dem Dorf Caserta (I), in dem er drehte, gab es ein Müllproblem. „Statt Romantik gab es Gestank und Mist. Das fand sie nicht gerade prickelnd“, erinnert sich McGregor.

Familienfreundlicher gestaltete sich seine Arbeit als Regisseur im Vorjahr. „Ich habe die Kinder in die Schule gebracht, bin auf das Motorrad gesprungen, zur Arbeit gefahren und war abends pünktlich zum Abendessen zurück. Das war großartig“, erzählt der Motorrad-Fanatiker, der etwa 20 „Maschinen“ besitzt. „Das ist schon fast eine Sucht“, scherzt der Mime, der es liebt, Motorräder zu kaufen und zu verkaufen. „Das ist für mich wie eine Jagd“, erklärt McGregor, der auf seinen heißen „Öfen“ bereits die halbe Welt bereiste. Im Jahr 2004 fuhr er mit seinem Freund Charley von London aus durch halb Europa nach Sibirien, Kanada und in die USA, insgesamt 30.000 Kilometer. Daraus entstanden die Dokumentarserie und das Buch „Long Way Round“.

Drei Jahre später ging es von Schottland bis Südafrika (2007, „Long Way Down“). „Und auch Südamerika will noch entdeckt werden“, schmunzelt der Schauspieler. Natürlich vermisse er auf den Reisen seine Familie, doch alle paar Jahre packe ihn die „Wanderlust“, schmunzelt McGregor, und dann müsse er „eben tun, was ein Mann tun muss“.

Zumal er auf seiner Reise durch die Mongolei sogar eine seiner vier Töchter kennenlernte, Jamyan (heute 15). „Ich war sofort vernarrt in die Vierjährige“, erinnert sich McGregor, dessen „Küken“ allmählich erwachsen werden. Die älteste, Clara, zog kürzlich für ihr Studium an die Ostküste der USA, „ich muss lernen loszulassen. Das ist hart, denn meine Lieben sind mein Leben, mein Herz und meine Seele.“
wrann
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